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Gesundheitspolitik 17. April 2013

Drogensubstitution: Ärztliche Therapiefreiheit muss bleiben

Ärztekammer fordert Politik auf, sich um Schwarzmarkt und Beschaffungskriminalität zu kümmern, während Ärzte ihre Patienten behandeln.

Drogensucht sei eine chronische Krankheit, daher müsse auch hier die Therapiefreiheit der Ärzteschaft erhalten bleiben. Dazu gehöre die Möglichkeit, der Situation des Patienten entsprechend zwischen verschiedenen Medikamenten wählen zu können. "Wir fordern die Politik auf, sich um Schwarzmarkt und Beschaffungskriminalität zu kümmern, während wir Ärzte unsere Patienten behandeln", betonte Norbert Jachimowicz, Referent für Substitutionsfragen in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) bei einer Pressekonferenz.

 

Eine Substitutionsbehandlung verringere das Auftreten schwerwiegender Folgeerkrankungen, reduziere die Begleitkriminalität und fördere die berufliche sowie gesellschaftliche Integration, ergänzte Hans Haltmayer, Referent für Substitution und Drogentherapie der Ärztekammer für Wien. "Die Therapie lindert das Leid der Kranken und ihrer Angehörigen, die Sterblichkeitsrate konnte in zehn Jahren um zwei Drittel gesenkt werden", so Haltmayer.

In Österreich sind derzeit drei Substanzen zur Behandlung Suchtkranker zugelassen: Methadon, Buprenorphin und retardierte Morphine. Alle drei Substanzen können Entzugserscheinungen unterdrücken, wirken aber nicht bei allen Suchtkranken gleich und sind auch nicht beliebig austauschbar, erklärte Alfred Springer, Mitbegründer der Österreichischen Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkranken (ÖGABS). Dieser Umstand werde in der öffentlichen Diskussion ebenso ausgeklammert wie die Tatsache, dass nicht nur retardierte Morphine, sondern alle drei Substanzen missbräuchlich verwendet werden könnten. "Es ist niemandem damit gedient, eine Substanz herauszugreifen und zu dämonisieren", kritisierte Springer. Tatsächlich ist der Anteil von Substitutionsmitteln am Schwarzmarkt sehr gering: "Die im Rahmen von Anzeigen sichergestellten Kapseln und Tabletten machten zuletzt gerade einmal 0,14 Prozent der verschriebenen retardierten Morphine aus. Die pro Aufgriff sichergestellte Menge Heroin ist im Schnitt 100-mal größer", so der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes werde in Wien gezielt gegen den Missbrauch von Substitutionsmitteln vorgegangen.

Drogenkonsum Jugendlicher

Die Diskussion sei zusätzlich durch die Behauptung angeheizt worden, der problematische Drogenkonsum Jugendlicher wäre in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. "Das ist nicht der Fall", räumte Alexander David, Drogenbeauftragter der Stadt Wien, mit diesem Vorurteil auf. Tatsächlich befänden sich etwa 2.900 Patienten über 40 Jahre in Substitutionstherapie, aber nur neun Jugendliche. "Die Behandlung ermöglicht den Betroffenen ein Überleben", so David.

Besondere Herausforderungen würden sich dann ergeben, wenn ein Patient von mehreren Substanzen abhängig sei, erklärte Jachimowicz. Mehrfachabhängigkeit könne zu massiven körperlichen und mentalen Schäden führen, die meisten Drogentoten seien in dieser Gruppe zu beklagen. "Für uns Ärzte ist es eine große Herausforderung, Mehrfachabhängige zu behandeln. Jeder Patient ist anders. Als Arzt muss es mir möglich sein, unter mehreren Substanzen die individuell passende auszuwählen", betonte Jachimowicz.

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