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Gesundheitspolitik 8. April 2013

Anspruch und Realität

Standpunkte zur Bedeutung des Hausarztes im heimischen Gesundheitssystem.

Der österreichische Hausärzteverband kritisiert das Auseinanderklaffen zwischen den ständigen Beteuerungen der Gesundheitsreform-Betreiber nach einer Aufwertung der Hausärzte als „tragendes Element einer funktionierenden Gesundheitsversorgung“ und der Realität für niedergelassene Ärzte, die leider ganz anders aussieht. Hausärztepräsident Christian Euler sieht das Hausarztmodell sogar „am Abgrund“.

„Österreichs Hausärzte haben genug!“ Unter diesem Motto veranstaltet der Hausärzteverband am 16. April um 19.00 Uhr im Wiener RadioKulturhaus einen Diskussionsabend über die „Hintergründe und Abgründe der sogenannten Gesundheitsreform“. Der Verband kritisiert die Ambivalenz zwischen politischen Lippenbekenntnissen über die Bedeutung der niedergelassenen Ärzte einerseits und die sich verschlechternden Rahmenbedingungen andererseits. Bedingungen, die nach Ansicht des Präsidenten des Hausärzteverbands, Dr. Christian Euler, „ein qualitätsvolles Wirken nur noch selten zulassen. Die hausärztliche Leistung werde gering geschätzt, die Ausbildung immer schlechter, die Tarifsituation unerträglich. Dafür werden bürokratische Hürden aufgebaut und die öffentliche Wertschätzung der Ärzte demontiert.“

Das Beispiel zweier renommierter Ärzte, die nun aufgrund der Rahmenbedingungen persönliche Konsequenzen gezogen haben, dient Euler als Beleg, dass es sich bei der Kampagne „Mein Arzt ist weg“ keineswegs um „Panikmache handelt, sondern um Alltag in einem politischen Umfeld, das den niedergelassenen Arzt in Wahrheit an den Abgrund drängt“. Für Dr. Wolfgang Geppert, ehemaliger Vizepräsident des Hausärzteverbandes und bis vor Kurzem als Landarzt tätig, ist dieser Alltag von „Bürokratie, politischen Machtspielen und ideologischem Brotneid geprägt.“ Er spricht von „Kassen- und Politfunktionären, die ihren Kurs nicht ändern werden, solange sie selbst den Versorgungsengpass nicht spüren.“ Geppert hat seine Praxis kürzlich geschlossen.

Aber nicht nur Allgemeinmediziner, auch niedergelassene Fachärzte würden immer stärker unter der „katastrophalen Situation“ leiden, sagt der Verband mit Hinweis auf den Eisenstädter Urologen Dr. Gerhard Hafner, der seinen Kassenvertrag nach elf Jahren zurücklegte, weil er sich „für die Politik als lästiger Kostenfaktor und für manche Patienten als Medizin-Selbstbediedungsladen fühlt, der am besten 24 Stunden am Tagzur Verfügung steht.“ Hafner spricht von einem „kaum noch zu bewältigenden Hochseilakt zwischen Leitlinien-Verpflichtungen, Kassenlimitierungen, Wirtschaftlichkeit und steigender Patientenbegehrlichkeit.“

 

 

 

V. Weilguni, Ärzte Woche 15/2013

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