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(c)KKSP

Prof. Dr. Karl Zwiauer
Kinder- und Jugendheilkunde am LKH St. Pölten, Institut für Pädiatrische Fortbildung und Forschung der Karl Landsteiner Gesellschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Christine Laschkolnig
Homöopathische Praxis in Wien, Seminare & Buchautorin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Reinhold Kerbl
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH Leoben

 
Gesundheitspolitik 27. März 2013

Standpunkte - Eltern: Immer öfter Impfskeptiker

Mehr als die Hälfte der Eltern befürwortet Schutzimpfungen für Kinder zwar grundsätzlich, lehnt aber einzelne empfohlene Impfungen aus Angst vor Nebenwirkungen ab.

Die seit Jahren zum Teil sehr emotional geführte Diskussion, ob Impfungen mehr Schaden anrichten, als sie Nutzen bringen, zeigt Wirkung: Die Impfbereitschaft in Europa nimmt tendenziell ab. In Österreich ist der Vertrauensverlust besonders groß, wie eine Elternbefragung des Karl Landsteiner Instituts für pädiatrische Forschung und Fortbildung nun bestätigt hat. 39 Prozent Impfbefürwortern stehen vier Prozent strikte Impfgegner, aber auch 57 Prozent Impfskeptiker gegenüber. Deren Einstellung lässt sich kurz mit „grundsätzlich positiv, aber differenziert“ zusammenfassen. Insgesamt vertrauen gerade einmal zwei Drittel der Eltern den offiziellen österreichischen Impfempfehlungen. Manche der darin aufgeführten Impfungen werden vom Rest als unnötig angesehen, außerdem befürchten viele Eltern eine starke Belastung ihrer Kinder durch die Impfung bzw. Nebenwirkungen oder Impfschäden. Für nicht weniger als 40 Prozent der Befragten besteht demnach ein Zusammenhang zwischen Impfungen und der Zunahme von Allergien.

Die höchsten Durchimpfungsraten gibt es gegen Tetanus, Kinderlähmung, Masern, Diphterie, Mumps, Röteln und FSME; zunehmend geringer werden sie gegen Keuchhusten, Hepatitis A und B, Pneumokokken, Meningokokken, Windpocken, Influenza und HPV.

Meist werden die Eltern vom Arzt auf fällige Impfungen für Kinder aufmerksam gemacht. Ein Drittel der Befragten würde sich aber insgesamt mehr Informationen zum Thema Impfen wünschen, vorzugsweise im persönlichen Gespräch mit dem betreuenden Arzt.

 

Zwiauer: Veränderungen

„Den Menschen Angst und Misstrauen durch evidenzbasierte Information und Aufklärung nehmen.“ 

 

Als Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde gilt mein besonderes Bestreben der Prävention. Impfen zählt zweifelsohne zu den wichtigsten präventivmedizinischen Maßnahmen überhaupt. Es bildet die Grundlage jeder wirksamen Vorsorgemedizin. Betrachtet man die vergangenen Jahrhunderte, so zeichnen sich deutliche Auswirkungen des Impfens auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung durch die Verhinderung von Infektionskrankheiten ab.

Die nun vorliegenden Ergebnisse der Elternbefragung zu den Themen Impfen und Ernährung sind für uns Mediziner von erheblicher Bedeutung. Mit dieser Erhebung des Ist-Zustands, gefolgt von einer detaillierten Analyse, schaffen wir einen Ausgangspunkt für Veränderung, Interventionen und zukünftige Aktionen.

Jetzt gilt es, besonders der Gruppe der impfskeptischen Eltern, die mit ihrer kritischen Einstellung 57 Prozent der österreichischen Bevölkerung ausmachen, durch eine Informationsoffensive ihre auf Impfungen bezogenen Ängste bezüglich Nebenwirkungen, Allergien, immunologische und autoimmunologische Erkrankungen zu nehmen. Diese Elterngruppe ist eine grundsätzlich sehr engagierte und offene, sie stellt kritische Fragen und will klare Antworten. Ärzte und Apotheker sind als Multiplikatoren für korrekte und wissenschaftlich basierte Information essenziell, da sie objektive und evidenzbasierte Informationen bereitstellen können und nicht ideologisch oder esoterisch beeinflusste Einzelmeinungen vertreten. Ein Beispiel: Unter den Impfskeptikern glaubt mehr als die Hälfte aller Befragten, dass Impfen eine der Ursachen für die Zunahme von Allergien sein könne. Es gibt aber heute eindeutige wissenschaftliche Daten, die einen solchen Zusammenhang mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausschließen. Es ist daher unsere Aufgabe, wissensdurstigen und kritischen Eltern die Angst durch Aufklärung zu nehmen und ihrem Misstrauen, das in den letzten Jahren offenbar deutlich gewachsen ist, durch vertrauenswürdige, sachliche, transparente und industrieunabhängige Information wirkungsvoll entgegenzuwirken.

 

Laschkolnig: Verantwortung übernehmen

„Entwicklung nicht geimpfter Kinder unterscheidet sich oft deutlich von der bei geimpften Kindern.“ 

Als ich meine homöopathische Praxis vor 22 Jahren eröffnete, war meine Haltung gegenüber Impfungen neutral. Die Existenz von Impfschäden hat sich mir erst langsam erschlossen. Als ich mein Buch „Homöopathisch heilen – Selbstverantwortung statt Angst“ schrieb, kamen die ersten Sechsfach-Impfstoffe auf den Markt. Ich begann mich zu informieren und stieß unter anderem auf Dr. Robert S. Mendelsohn, einen amerikanischen Kinderarzt, und Bert Ehgartner, österreichischer Medizinjournalist, die Impfungen ablehnend gegenüberstanden. Erstaunt las ich von den zahlreichen Folgeerscheinungen der Impfungen. Besonders die Zunahme der chronischen Erkrankungen schien damit zusammenzuhängen. Meine Impfskepsis stieg, je tiefer ich in die Materie eintauchte. Anfangs habe ich verunsicherte Eltern ermuntert, sich zu informieren, bevor sie die Entscheidung für oder gegen eine Impfung treffen. Die Berichte von beispielsweise Gerhard Buchwald und Friedrich Graf habe ich oft als Entscheidungshilfe empfohlen.

Heute sind Eltern viel eher dazu bereit, die Verantwortung für die Gesundheit und Krankheit ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen. Impfungen werden kritisch hinterfragt. Mittlerweile gibt es auch schon genügend nicht geimpfte Kinder, deren Entwicklung sich oft deutlich von geimpften Kindern unterscheidet. Das kann ich tagtäglich in meiner Praxis beobachten.

Geimpfte Kinder leiden häufiger an chronischen Erkrankungen, Allergien und rezidivierenden Infekten. Auch auffällige Verhaltensmuster wie Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen scheinen bei ihnen öfter aufzutreten. Nur selten ist ihr Organismus imstande, sich mit einem Fieber von der Krankheit zu befreien. Je mehr geimpft wurde, desto langwieriger gestaltet sich der Genesungsprozess.

Nicht geimpfte Kinder hingegen, haben deutlich seltener chronische Erkrankungen. Ihr Immunsystem ist meiner Erfahrung nach eher in der Lage, sich mit akuten fieberhaften Erkrankungen selbst zu heilen. Sie wirken gesund und vital und scheinen auch mehr Energie zu haben.

 

Kerbl: Argumente enttarnen

„Es ist bedauerlich, dass viele Eltern die nationalen Impfempfehlungen modifizieren.“ 

Es steht außer Zweifel, dass Impfungen zu den sichersten und wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen gehören, weshalb sich auch Österreichs Kinder- und Jugendärztinnen bzw. -ärzte für einen breiten Impfschutz einsetzen. Um neue wissenschaftliche Erkenntnisse und epidemiologische Entwicklungen rasch in die tägliche Praxis einzubringen, wird – wie in vielen anderen Ländern – auch in Österreich jährlich ein aktualisierter Impfplan erstellt und über das Bundesministerium für Gesundheit ausgegeben. Erstellt und überarbeitet wird dieser Impfplan vom „Nationalen Impfgremium“, dem Experten aus den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens angehören, darunter auch Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde.

Es ist bedauerlich, dass viele Eltern das Bedürfnis empfinden, die „nach bestem Wissen und Gewissen“ erstellten Empfehlungen nach eigenem Gutdünken zu modifizieren. Die Gründe dafür liegen vermutlich in einer falschen oder mangelhaften Information, emotionalen statt rationalen Entscheidungen und vor allem von Impfgegnern gestreuten „Ratschlägen“.

Was kann man als Kinderarzt dagegen tun? Ich glaube, man muss auf zwei Ebenen ansetzen. Die Erste ist jene der Gesundheitspolitik, indem man immer wieder an das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Schutz vor verhinderbaren Erkrankungen erinnert. Da es aber keine Impfpflicht gibt, ist wahrscheinlich die zweite Ebene entscheidender, nämlich jene der Kommunikation mit Eltern. Ihnen muss man mehr für sie verständliche, seriöse Information anbieten, ohne dabei Angst zu machen. Und man muss dabei auch schonungslos die Argumente der Impfgegner als unseriös „enttarnen“. Nur wer gut informiert ist, kann mündig und vernünftig entscheiden.

Es wird auch an uns Kinder- und Jugendärztinnen bzw. -ärzten liegen, eben diese Information mit geeigneten Medien und in persönlichen Gesprächen an die Eltern zu bringen, um auf diese Weise deren Vertrauen in die nationalen Impfempfehlungen zu erhöhen. Nur dann sind hochgesteckte Ziele wie die Masernelimination auch wirklich erreichbar.

V. Weilguni, Ärzte Woche 13/2013

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