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Gesundheitspolitik 11. März 2013

„Nicht nur KinderärztInnen …“

Jugendmedizin im Mittelpunkt einer Pädiatertagung.

Wenn auch die Pädiatrie im offiziellen Sprachgebrauch in Österreich schon seit Jahrzehnten abgelöst wurde durch die Bezeichnung „Kinder- und Jugendmedizin“, so werden die Mediziner selbst umgangssprachlich immer noch meist als „Kinderärzte“ bezeichnet. Weil sie aber eben „… nicht nur KinderärztInnen sind“, veranstaltete die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) unter genau diesem Motto von 1. bis 2. März 2013 in Klagenfurt eine Fortbildungstagung mit dem ausschließlichen Thema „Jugendmedizin“.

Diese Tagung, organisiert und veranstaltet vom Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Klinikum Klagenfurt, Prof. Dr. Wilhelm Kaulfersch, und Dr. Anna Maria Cavini, ÖGKJ-Arbeitsgruppenleiterin „Jugendmedizin“, verfolgte vor allem zwei Ziele: Zum einen die Bedeutung der Jugendmedizin als wissenschaftliche Disziplin hervorzuheben, zum anderen, speziell auf die Gruppe der Jugendlichen, ihre Bedürfnisse und adäquate medizinische Versorgung einzugehen.

Jugendmedizin als wissenschaftliche Disziplin

In den angelsächsischen Ländern wurde die Bedeutung der medizinischen Betreuung von Jugendlichen bereits in den 1960er Jahren erkannt. In den USA etwa wurde schon vor mehr als 30 Jahren eine Gesellschaft für Jugendmedizin gegründet. Dort existieren, wie auch in vielen anderen Staaten der Welt, universitäre Zentren, Institute, medizinische Lehrstühle und Forschungsinstitutionen, die die Jugendmedizin als wissenschaftliche Disziplin etablierten. Ganz anders in Österreich: Bestrebungen seitens der Pädiatrie, auch das Jugendalter und die Jugendmedizin in die Agenden der Kinderheilkunde zu integrieren, wurden von anderen Disziplinen und der eigenen Standesvertretung (ÖÄK) viele Jahre nicht anerkannt. Erst 1993 wurde das Sonderfach umbenannt und um „Jugendheilkunde“ erweitert. Nach wie vor jedoch fehlen an den Universitäten Schwerpunkte auf die Ausbildung in Jugendmedizin, und auch seitens der Krankenhäuser und Ordinationen gibt es noch zu wenig Angebote.

Gefährdete Gruppe

Österreichische Jugendliche zählen seit Jahren zu den meistgefährdeten innerhalb der OECD-Länder: Sie liegen, was Alkoholmissbrauch, Rauchen und ungesunde Ernährung betrifft, im traurigen Spitzenfeld. Aber auch chronische Erkrankungen, psychische Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen, Essstörungen und Übergewicht nehmen bei österreichischen Jugendlichen zu. Cavini: „Ich sehe es als dringende Aufgabe der Kinder- und Jugendmedizin, die psychische und physische Entwicklung der Heranwachsenden zu begleiten und ihnen eine angemessene Gesundheitsversorgung anzubieten. Diese Periode entscheidet über spätere Lebensgewohnheiten. Die Reise vom Kind zum Erwachsenen sollte begleitet sein durch Angebote von Hilfestellungen.“

Jugendliche Bedürfnisse

Wie eine Umfrage unter österreichischen Jugendlichen ergab, unterschätzen diese oft Krankheitssymptome, haben häufig keine Vertrauensperson, an die sie sich mit Fragen zu Verhütung, Krankheit, selbstgefährdendem Verhalten, Pubertätsentwicklung, Konsum von psychoaktiven Substanzen und ähnlichen Problemstellungen wenden können, und suchen auch nicht aktiv nach Hilfe. Jugendliche wünschen sich daher vor allem leicht zugängige Möglichkeiten zu medizinischen Informationen, Hilfe und Behandlung ohne lange Wartezeiten und ohne notwendige Involvierung der Eltern.

Die Angebote sollten inkludieren: die Überwachung des Wachstums und der Entwicklung, die Identifikation mit Gesundheitsproblemen sowohl physischen als auch psychischen Ursprungs, die Behandlung dieser oder eine zuverlässige Weiterleitung an adäquate Experten, Informationen zu Verhütungsmöglichkeiten, Zigaretten-, Alkohol- und Drogenkonsum, Testung und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten, Schwangerschaftsmanagement, Impfangebote, psychologische Betreuung, Beratung zu Ernährungs-, Sexualitäts-, Bewegungsgewohnheiten, eine Anlaufstelle für Essstörungen und Adipositas, ein vertrauensvoller Umgang und die Respektierung der Privatsphäre.

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