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Cranberries sind als Botanicals derzeit von den Health Claims vorläufig ausgenommen.
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Gesundheitspolitik 9. März 2013

Health Claims - der Gesundheit förderlich

Das Health Claims Register soll dem Kunden bessere Übersicht ermöglichen

Ende vergangen Jahres trat das Health Claims Register der EU in Kraft. Damit werden die gesundheitsbezogenen Angaben taxativ aufgelistet, die weiterhin für Lebensmittel gemacht werden dürfen. In der Liste finden sich vor allem Vitamine und Mikronährstoffe aber auch beispielsweise Lebensmittel mit geringem oder reduziertem Natriumgehalt oder Hydroxypropylmethylcellulose. Von EU-weit insgesamt 44.000 eingereichten Angaben - mit zahlreichen Doppeleinträgen - wurden nach eingehender Prüfung 222 zugelassen. Einen Graubereich gibt es noch bei sogenannten Botanicals.

Voraussetzung für die Anerkennung ist ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen der Lebensmittelkategorie, dem Lebensmittel oder einem Lebensmittelbestandteil und der angegebenen Wirkung. Während jede therapeutische Wirkung nach dem Arzneimittelgesetz zugelassen werden muss und das entsprechende Präparat daher in die Kategorie Heilmittel fällt, waren Aussagen der Gesunderhaltung bisher nicht rechtlich geregelt - und für den Konsumenten daher schwer überschaubar und schon gar nicht überprüfbar. Hier geht es also, so Mag. Markus Zsivkovits vom Institut für Lebensmittelsicherheit Wien der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) um Primärprävention. Die Überprüfung dieser gesundheitserhaltenden Wirkung in wissenschaftlichen Studien ist bei einzelnen Substanzen und Indikationen jedoch häufig schwierig. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

Schwierige Studiendurchführung

„Für sehr viele Substanzen liegen lediglich Studien vor, die in Richtung einer kurativen Wirkung abzielen“, erklärt Zsivkovits im Gespräch mit Apotheker Plus. Ein Beispiel dafür ist Glucosamin, das als Arzneimittel zur Behandlung von Arthrose/Arthritis zugelassen ist. „Aussagen, die aber auf eine Gesunderhaltung des Knorpels abzielen, sind von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nicht zugelassen worden“, berichtet Zsivkovits: „Weil es keine Studien gibt, die besagen, dass die Einnahme das Erkrankungsrisiko reduziert.“ Ähnliches gilt für Preiselbeere/Cranberry (Moosbeere) hinsichtlich der Wirksamkeit auf die Erhaltung der Blasengesundheit bzw. Prävention von Harnwegsinfekten. Der Einsatz bei bereits bestehenden Harnwegsinfektionen fällt dagegen unter das Arzneimittelgesetz. Ist das Produkt also im einen Fall ein Heilmittel so ist es in der präventiven Wirkung als Lebensmittel einzuordnen. Und der Apotheker oder Arzt, der diese vertreibt, unterliegt den lebensmittelrechtlichen Bestimmungen.

„Botanicals“ befinden sich noch im Übergang

Allerdings herrscht bei den Produkten pflanzlichen Ursprungs derzeit noch eine Übergangssituation. Unter dem Begriff „Botanicals“ zusammengefasste Substanzen sind bis auf unbestimmte Zeit von der Erfassung im Health Claims Register ausgenommen - und dürfen bis auf weiteres die beanspruchten - auch vorbeugenden - Wirkungen weiterhin benützen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass diese Wirkungen beantragt und mit entsprechenden wissenschaftlichen Studien unterstützt werden. Mit einer nicht beantragten Wirkung zu werben, ist auch hier nicht möglich. Die Problematik beginnt schon damit, dass nicht einmal die Frage abschließend geklärt wurde, was unter „Botancials“ fällt, berichtet Zsivkovits. Offen ist ebenso, welche gesundheitserhaltenden Wirkungen dieser Botanicals letztlich zugelassen werden und wann die Aufnahme - oder die Entscheidung über die Nicht-Aufnahme - in das Health Claims Register umgesetzt wird. Da sich diese Produktgruppe derzeit also noch im Übergangsbereich befindet, dürfen bei diesen jene Aussagen noch weiterhin verwendet werden, die zumindestens beantragt worden sind. Beispiel: Melisse, die in Hinblick auf eine beruhigende Wirkung beworben wird und mit dieser Wirkung auch eingereicht wurde. „Derartige Aussagen wurden eingereicht und dürfen weiterverwendet werden, wenn das der Unternehmer entsprechend belegen kann“, stellt Zsivkovits klar.

Sowohl das große Angebot an gesundheitsfördernden Lebensmitteln als auch das Autoritätsverhältnis zwischen Kunde und Arzt/Apotheker bergen das Potential die rationale Entscheidung zu beeinflussen. Mit dem Health Claims Register soll dem Konsumenten eine Hilfestellung geboten und nur mit nachvollziehbaren, abgesicherten präventiven Wirkungen geworben werden.

Informationen:

http://ec.europa.eu/nuhclaims  

Beispiele für Eintragungen im Health Claims Register

z.B.: Biotin

Erlaubte Angaben:

  • Biotin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Biotin trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Biotin trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei
  • Biotin trägt zur normalen psychischen Funktion bei
  • Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei
  • Biotin trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei
  • Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei

z.B.: Einfach ungesättigte und/oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Erlaubte Angaben:

  • Der Ersatz gesättigter Fettsäuren durch einfach und/oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren in der Ernährung trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei

z.B.: Kalium

Erlaubte Angaben:

  • Kalium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Kalium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei
  • Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei

 

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