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Dr. Peter Niedermoser Präsident der Ärztekammer für OÖ, Stv. Vorsitzender des Bildungsausschusses der ÖÄK, Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Akademie der Ärzte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dr. Silvia Türk Leiterin der Abteilung für Qualitätsmanagement und Gesundheitssystemforschung im Bundesministerium für Gesundheit

 
Gesundheitspolitik 5. März 2013

Standpunkte: Besser ausgebildete Ärzte braucht das Land

Es muss sich etwas ändern in der Ärzteausbildung, um die Jungärzte im Land zu halten, darüber sind sich Ärztevertretung und Gesundheitsministerium einig geworden, zum Teil jedenfalls.

Österreich hat zwar noch immer eine der höchsten Ärztedichten Europas, dennoch gibt es auch hierzulande erste Anzeichen eines einsetzenden Ärztemangels. Das trifft neben einzelnen Facharztgebieten in besonderem Maße auf die Allgemeinmediziner zu, vor allem in der Peripherie – ein Trend, der übrigens in weiten Teilen Europas zu beobachten ist. Die OECD spricht in ihrem aktuellen Bericht zur Situation der europäischen Gesundheitsversorgung wörtlich von einer fehlenden Attraktivität des „traditionellen Berufes eines Hausarztes“ und von größer werdenden Einkommensunterschieden zwischen Allgemeinärzten und Fachärzten. Heimische Experten sehen darin aber insgesamt noch viel mehr einen ersten Ausdruck des zunehmenden Mangels an Turnusärzten. Sie verlangen daher Verbesserungen der derzeitigen Ausbildung, die „viele Turnusärzte zu Systemerhaltern degradieren“ würde, sowie bessere berufliche Rahmenbedingungen, etwa bezüglich Dienstzeiten, Flexibilität und rechtliche Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund hat die Ärztevertretung mit den zuständigen Behörden Maßnahmen ausverhandelt, um die Ausbildungsqualität entscheidend zu heben. In „sehr konstruktiven Verhandlungen“ konnten dabei in vielen Bereichen befriedigende Lösungen für alle Seiten erzielt werden, nur bei den Details zur Lehrpraxis spießt es sich noch. Trotzdem sollen die Reformen bereits 2014 in Kraft treten.

Gemeinsam Verbesserungen erreichen

Wurden alle Inhalte in der Hauptfach-Ausbildung korrekt und ausreichend vermittelt? Diese Frage stand in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt, wenn es galt, die Rasterzeugnisse für die Ausbildung in einem Sonderfach zu bewerten. Um diese Ausbildung zu verbessern, europäisch vergleichbar, aber auch umsetzbar zu machen, werden die Ärztevertreter neue Wege gehen – und zwar gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, unter Einbeziehung der Krankenhausträger und unter führender Entwicklungsarbeit für die Curricula durch die wissenschaftlichen Gesellschaften. Ja, es gibt sie, die gute Zusammenarbeit mit dem Ministerium – auch in den Wirren einer sogenannten Gesundheitsreform – und die Ergebnisse davon sind bereits in Planung und hoffentlich 2014 auch in Umsetzung.

Nach dem praxisnahen Ausbau der universitären Ausbildung ist geplant, dass jeder Jungmediziner bzw. jede Jungmedizinerin im Krankenhaus neun Monate klinische Basisausbildung zu absolvieren hat, inklusive integrativer notfallmedizinischer Ausbildung. Dies schafft die Grundlage für eine weitere Ausbildung im jeweiligen Sonderfach, die sich in eine fachspezifische Basiskompetenz und eine modulare Ausbildung gliedert. Basiskompetenz bedeutet die Fähigkeit, in einem Standardkrankenhaus qualitativ gute Medizin zu machen, selbstständig Nachtdienste zu absolvieren und auch in der Niederlassung Topqualität bieten zu können. Jedes Sonderfach hat auf Grundlage der Basiskompetenz maximal sieben Module zu entwickeln, die auf Inhalten der Basiskompetenz fußen und aus denen der in Ausbildung stehende Arzt drei Module zu wählen hat.

Neun Monate klinische Basisausbildung plus fachspezifische Grundkompetenz plus drei Module: Das soll in Summe einen fertigen Facharzt mit einer Ausbildungsdauer von 72 Monaten ergeben. Der Vorteil ist ein sofortiger Einstieg in die Facharztausbildung nach der Uni. Die Ausbildung ist verkürzt und realitätsbezogen, weil es keine überbordenden und unerfüllbaren Curricula mehr gibt.

Bei der Konzeption der zukünftigen Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin gab es lange, aber konstruktive Diskussionen zwischen Ministerium, Hauptverband, Träger- und Universitätsvertretern. Wir wären uns auch hier schon fast einig, wenn es nicht unterschiedliche Ausfassungen über die Lehrpraxis gäbe. Wir Ärztevertreter fordern dafür eine staatliche Finanzierung, wie das in den meisten europäischen Staaten üblich ist und eine Dauer von zwölf Monaten – ein Mindestmaß für die notwendige Ausbildungsqualität.

Das Ministerium bietet für die Lehrpraxis jedoch nur sechs Monate Ausbildungszeit – da wären wir dann hinter Albanien –, wobei zur Finanzierung elf Millionen Euro pro Jahr notwendig wären. Diese Summe sollte für eine gute Ausbildung da sein, das Geld ist aber bei Weitem noch nicht auf dem Tisch, denn die Länder und der Hauptverband scheinen hier als Mitzahler wenig Lust zu haben. Bedanken Sie sich in Zukunft bei den Landeshauptleuten und dem Hauptverband, wenn Sie keinen Allgemeinmediziner mehr finden.

Ärzteausbildung auf internationales Niveau heben

In der Ausbildungskommission wird derzeit unter der Beteiligung des BMG, der Länder, des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, der Österreichischen Ärztekammer und der medizinischen Universitäten an einer Reform der Ärzteausbildung gearbeitet. Im Mittelpunkt steht ein abgestimmtes Konzept vom Beginn des Studiums bis zur Erlangung des jus practicandi.

Nach der Promotion sollen die ersten neun Monate der Ausbildung sowohl zum Facharzt als auch zum Allgemeinmediziner in den gemeinsamen Basiskompetenzen erfolgen. Diese orientieren sich an den 15 häufigsten Krankheiten laut WHO. Anschließend muss die Entscheidung über den weiteren Ausbildungsweg erfolgen, entweder für eine Facharzt-Ausbildung oder eine Ausbildung zum Allgemeinmediziner.

Die Ausbildung zum Facharzt wird laut EU-Vorgabe zwischen fünf und sechs Jahre dauern. Die Ausbildungsinhalte (Rasterzeugnisse) werden zwischen ÖÄK und den wissenschaftlichen Gesellschaften neu gestaltet. Sie sollen obligatorische Inhalte umfassen, welche die Basis an Kenntnissen und Fähigkeiten bzw. Grundkompetenzen vermitteln und eine qualitätsvolle Grundversorgung in jedem Sonderfach ermöglichen. Darüber hinaus sind Spezialisierungen, zum Beispiel in der Form von Modulen, innerhalb der jeweiligen Sonderfächer ebenso vorgesehen wie eine Rotation zwischen Krankenhäusern verschiedener Versorgungsstrukturen. Außerdem soll im Zuge der Neugestaltung der Ausbildungsinhalte die Zahl der Sonder- und Additivfächer auf einen internationalen Stand gebracht werden.

Der Allgemeinmediziner wird aufgewertet, indem umfassendere und neue Inhalte vermittelt werden. Vor allem im Bereich der psychischen Gesundheit, Orthopädie und den dafür vorgesehenen Wahlfächern wie Augenheilkunde und Optometrie, Anästhesie und Intensivmedizin, Orthopädie und orthopädische Chirurgie sowie Urologie.

Mit der vorgeschlagenen Reform wird es gelingen, die Ärzteausbildung auf ein internationales Niveau zu heben und gleichzeitig die Facharztausbildung zu verkürzen, da durch Basisjahr und Abstimmung auf die universitäre Ausbildung die derzeit gängige Praxis der Absolvierung des Turnus vor Beginn der Ausbildung zum Facharzt obsolet wird. Außerdem werden Doppelgleisigkeiten vermindert, die Notfallkompetenz aller Jungmediziner gesteigert und mithilfe der Wahlfächer Spezialisierungen in Teilbereichen der Medizin ermöglicht, die bisher nicht in der Ausbildung der Allgemeinmediziner abgedeckt waren.

Die weitere Vorgehensweise wurde im Rahmen der Gesundheitsreform festgelegt. Hier wurde zwischen den Systempartnern eine Kommission vereinbart, die Fragen zur ärztlichen Ausbildung beraten soll. BMG, Länder, die Träger der Sozialversicherung und der Krankenanstalten sowie die Österreichische Ärztekammer werden sich in dieser Kommission der Planung, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der ärztlichen Ausbildung widmen. So wird es möglich sein, rascher auf neue Herausforderungen – sei es medizinischer oder struktureller Art – reagieren zu können.

V. Weilguni, Ärzte Woche 10/2013

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