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Gesundheitspolitik 14. Februar 2013

Drogensubstitution - Linzer Experte: Abkehr wäre Rückschritt

Für den Leiter des Instituts für Suchtprävention in Linz, Christoph Lagemann, würde die Abkehr von der Drogenersatztherapie einen "massiven Rückschritt" bedeuten. "Aus sachlicher Sicht ist das völlig haarsträubend", sagte er im Gespräch mit der APA.

Es handle sich beim Substitutionsprogramm um eine wichtige gesellschaftspolitische Maßnahme, die "vielen Krankheiten und Verelendung" im Suchtgiftmilieu entgegenwirke. Welche Alternativen sich Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) mit ihrem Vorschlag "weg von einer Substitutionsbehandlung hin zu einer früher greifenden Therapie" vorstelle, sei ihm schleierhaft. Lagemann hält die Diskussion für Wahlkampfgeplänkel, bei dem nur zu hoffen sei, "dass unsere Jugend den Wahlkampf gut übersteht".

"Substitution senkt die Todesrate bei Betroffenen und reduziert die Beschaffungskriminalität signifikant", betonte die steirische Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) am Donnerstag auf APA-Anfrage. Die Substitution mit Ersatzdrogen führe zu einer Stabilisierung der Abhängigen. Auch eine Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes sei zu beobachten, etwa weniger Infektionskrankheiten wie Hepatitis C und HIV. Dies habe auch der Mediziner und Drogenexperte Martin Kurz bestätigt, der über eine immense Erfahrung im Umgang mit Drogenabhängigen verfügt, so die Landesrätin.

"Substitution ist fester und anerkannter Bestandteil der 2011 erarbeiteten steirischen Suchtpolitik. Davon profitieren alle Steirerinnen und Steirer, denn sie zielt zu allererst auf den Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung ab. Schutz und Sicherheit können erhöht werden, wenn die Anzahl jener Menschen sinkt, die in einer problematischen Art und Weise konsumieren oder bereits abhängig sind", so Edlinger-Ploder.

Die Maßnahmen stünden im Einklang mit den Problemlagen. Die Betroffenen hätten wie alle anderen Patienten ein Recht auf qualitative Behandlung, Begleitung, Beratung, Betreuung und Rehabilitation. "Alle unsere Experten und der Drogenkoordinator des Landes Steiermark, Klaus Ederer, bestätigen, dass der Rückgang der Beschaffungskriminalität dank der Substitution signifikant ist", so die Landesrätin.

Man lehne selbstverständlich jeglichen Missbrauch von Substitutionsmedikamenten ab. Jede Idee zur Verringerung des Missbrauchs sei eine sachliche Diskussion wert. Sie unterstütze "eine sachliche und differenzierte Herangehensweise und warne vor anlassbezogener Gesetzgebung", erklärte Edlinger-Ploder.

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