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Gesundheitspolitik 14. Februar 2013

Drogensubstitution - Salzburgs LHStv.: Kein Anlass für Infragestellen

Salzburgs Gesundheitsreferent LHStv. Walter Steidl (S) sieht "überhaupt keinen Anlass dazu, den in Österreich seit Jahrzehnten geltenden Ansatz 'Therapie statt Strafe' infrage zu stellen": "Wir sprechen hier von Patienten und nicht von Kriminellen."

"Bei der Substitutionsbehandlung werden die Patienten ärztlich kontrolliert und betreut und erhalten die Ersatzmedikamente auf legalem Weg, zum Beispiel aus der Apotheke. Schafft man diese Praxis ab, werden die suchtkranken Menschen gezwungen sein, sich Drogen illegal zu besorgen", erklärte Steidl.

Die Zusammensetzung dieser Substanzen kenne niemand, und die davon ausgehende Gesundheitsgefahr sei nicht abschätzbar, warnte der Salzburger Gesundheitsreferent. Das käme einem gewaltigen Rückschritt und einer Kriminalisierung der Patienten gleich, warnte der Gesundheitsreferent. "Die Innenministerin treibt mit ihrem Vorschlag chronisch Kranke in die Kriminalität."

Steidl wies im Zusammenhang mit den ebenfalls von Mikl-Leitner angekündigten Pilotprojekten zu Haaranalysen für den Nachweis von Drogenkonsum darauf hin, dass Haartests wissenschaftlich nicht unumstritten seien. "In dunklen Haaren sollen Drogen länger nachweisbar sein als in hellen. Außerdem werden damit jene, die nur ein- oder zweimal illegale Substanzen konsumiert haben, allesamt kriminalisiert. Das ist keine Lösung."

Das Thema sei bisher nur relativ stark in Überschriften bekannt, weniger in Details, sagte der Drogenkoordinator der Stadt Graz, Ulf Zeder. In Graz gibt es rund 800 Menschen, die von Substitutionsmaßnahmen betroffen sind, in der Steiermark dürften es rund 1.200 sein, so Zeder. "Wenn ich die aus dem Substitutionsprogramm schmeiße, dann ist es nicht so, dass sie von einem Tag auf den anderen abstinent sein können. Sie werden sich die Mittel anderweitig besorgen, zumeist auf kriminellem Wege." Es gebe Untersuchungen, die besagten, dass die Mortalitätsrate bei Abhängigen drei Mal höher sei, wenn sie keine Ersatzmittel bekämen.

Ein weiterer wichtiger Effekt der Ersatzprogramme sei der Stabilisierungsfaktor, der bei einem abrupten Absetzen der Maßnahme wegfalle. "Das Führen eines geregelten Lebens mit dem Schema Apotheke, Arbeit, Arztbesuch ist dann nicht mehr möglich", sagte Zeder. Es handle sich ja nicht per se um Ausstiegs-, sondern um Enthaltungstherapien. Ein wichtiger Punkt sei, dass man mit der Teilnahme an einer solchen Erhaltungstherapie ja "kriminell abstinent" sei. Das Erreichen einer völligen Drogenabstinenz sei ein langer Prozess; man gehe davon aus, dass dies nur rund ein Sechstel der Betroffenen schafften.

Zeder rechnete den Kostenfaktor vor: "Ein Tag Substitution kostet sechs Euro, ein Tag Haft rund 100 Euro", so der Drogenkoordinator. Es sei ja auch verwunderlich, dass man bei Formulierung der Strategie im Innenministerium offenbar noch nicht mit Medizinern oder Gesundheitsbehörden gesprochen habe. "Außerdem bedeutet es ja nicht, wenn die Droge verschwindet, verschwindet auch der Markt", sagte Zeder.

In der Steiermark herrsche grundsätzlich ein anderes "Abgaberegime von Substitutionsmitteln" vor als in Wien. Zum Abzweigen von Mitteln für den Schwarzmarkt gäbe es hier viel geringere Chancen.

In Tirol war vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Der Suchtkoordinator des Landes, Christof Gstrein, befand sich auf einer Auslandsreise.

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