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Gesundheitspolitik 13. Februar 2013

Scharfe Kritik der NÖ Ärzte an der Einmischung des Innenministeriums in die Substitutionstherapie

Mit Unverständnis und Empörung reagierte der Leiter des Referates für Abhängigkeitsfragen und stellvertretender Kurienobmann der Ärztekammer für NÖ, Dr. Max Wudy, auf die Ankündigung des Innenministeriums, die Substitutionstherapie beenden zu wollen: "Jeder Mediziner weiß, dass die Substitutionstherapie für viele Suchtkranke die einzige Überlebenschance ist. International ist diese Form der Therapie anerkannt, zielführend und wissenschaftlich unbestritten. Hier eine Abkehr anordnen zu wollen, noch dazu von einem Ministerium, dessen Kompetenz nicht im medizinischen Bereich liegt, wäre absurd und ein massiver Rückschritt."

Folgen wären ein Anstieg von Drogentoten, schweren Erkrankungen, Leid und Kriminalität

Nicht nur in Niederösterreich laufen die ExpertInnen Sturm, auch im übrigen Österreich sowie im Gesundheitsministerium stößt die Ankündigung des Innenministeriums auf große Verärgerung. Dr. Wudy zeigt auf, mit welchen Folgen Niederösterreich zu rechnen hätte: "Mit dieser anerkannten Form der Therapie für Suchtkranke können Erkrankungen wie Hepatitis B, Hepatitis C, HIV und sonstigen Begleiterkrankungen vermieden sowie die Kriminalität deutlich reduziert werden, da eine Stabilisierung der Erkrankten möglich ist. Eine Abkehr der Substitution würde alleine in Niederösterreich mehr als 100 meist jugendliche Tote pro Jahr zusätzlich bedeuten."

Auch das Argument der geringen Heilungsquote ist für die ExpertInnen völlig haltlos. Kein Mensch würde über die Abschaffung der Diabetesbehandlung nachdenken, nur weil diese chronische Erkrankung wenig Heilungschancen bietet. Genauso ist es bei einer Opiatabhängigkeit, bei der es sich um eine chronische Erkrankung handelt. Eine völlige Heilung ist selten und sehr schwierig, dennoch darf dies kein Argument sein, die Therapie abzubrechen. "Abstinenz lässt sich niemals erzwingen. Das Ziel einer Substitutionstherapie ist die Stabilisierung der Erkrankten sowie die Risikominimierung. Und dafür bietet die Substitution die beste Möglichkeit. Eine Einmischung der Innenministerin in diese hochsensiblen Fragen ist entschieden abzulehnen", so Dr. Wudy abschließend.

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