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Gesundheitspolitik 13. Februar 2013

Ärztekammer warnt vor Abkehr von Substitutionsbehandlung

"Die Forderung von Bundesministerin Johanna Mikl-Leitner nach einer Abkehr von der Substitutionsbehandlung ist aus ärztlicher Sicht entschieden abzulehnen. Sie ist fachlich unbegründet und stellt eine unzulässige Einmischung in medizinische Behandlungsstandards dar", betont der Referent für Substitution und Drogentherapie der Ärztekammer für Wien, Hans Haltmayer, zum in einem Strategiepapier des Ministeriums angeregten Ende der Therapie mit Drogenersatzmitteln.

Aktuelle WHO-Empfehlungen benennen die Substitutionsbehandlung als die effektivste Behandlungsform bei Opiatabhängigkeit. "Verglichen mit der Entzugsbehandlung oder gar keiner Behandlung reduziert die Methadonbehandlung signifikant den Konsum von Opiaten und anderen Drogen, die kriminelle Aktivität, die HIV-Ansteckungsrate, die Überdosierungsrate sowie die Gesamtsterblichkeit", heißt es unter anderem in dieser Empfehlung. "Eine Abkehr von der Substitutionsbehandlung würde diese positive Entwicklung umkehren", warnt Haltmayer.

Die Folgen wären mehr HIV- und Hepatitis-Infektionen, mehr Beschaffungskriminalität, mehr Drogentote und weniger gut integrierte und unauffällige Suchtkranke. "Alleine in Wien wären davon mehrere Tausend Patientinnen und Patienten betroffen, österreichweit sind es fast 17.000!" Und auch die Kosten für die Allgemeinheit würden sich massiv erhöhen, "belastet doch ein inhaftierter Drogenkranker gegenüber einem substituierten Patient das Budget um das 20-fache mehr (fünf Euro gegenüber 100 Euro am Tag, Anm.)".

Die medizinische Behandlung opiatabhängiger Menschen in einem Substitutionsprogramm - wie sie auch in Österreich durchgeführt wird - entspreche darüber hinaus den internationalen Standards. Haltmayer: "Die Substitutionsbehandlung ist eine seit vielen Jahren erprobte, wissenschaftlich sehr gut belegte Behandlungsform und gilt als Therapie der ersten Wahl bei Opiatabhängigkeit."

Dauerhafte Heilung nicht möglich

Haltmayer verweist auch darauf, dass Sucht "eine schwere, zumeist chronisch verlaufende Erkrankung ist, verbunden mit einer hohen Sterblichkeitsrate". Wie bei anderen chronischen Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes oder Bluthochdruck, sei bei Suchterkrankungen eine dauerhafte Heilung in den meisten Fällen nicht möglich. "Die Behandlung von Sucht sollte daher langfristig und dem Verlauf der Erkrankung angepasst erfolgen, bis hin zu einer lebenslangen Therapie", ist Haltmayer überzeugt.

Dabei könnten nachweislich das Risiko körperlicher, psychischer und sozialer Folgeschäden reduziert, die soziale Integration gefördert und die hohe Sterblichkeit gesenkt werden. So sei das Risiko von Opiatabhängigen, an den Folgen ihrer Suchterkrankung zu sterben, in einem Substitutionsprogramm um bis zu zwei Drittel niedriger als bei unbehandelten Patienten.

"Aus diesen Gründen ist daher die Abkehr von der Substitutionsbehandlung aus ärztlicher Sicht entschieden abzulehnen", so Haltmayer abschließend. 

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