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Gibt es bald zu wenige Ärzte für die Versorgung der Bevölkerung?
 
Gesundheitspolitik 30. Jänner 2013

Drohender Ärztemangel

Der Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs warnt vor Ärztemangel und fordert stärkere Mitsprache.

In einer Pressekonferenz am 30.1.2013 in Wien warnte der Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs (VLKÖ) vor einem drohenden Ärztemangel. Zudem forderte der Verband die stärkere Mitsprache von leitenden Krankenhausärzten in Gesundheitsfragen und in der Umsetzung von beschlossenen Maßnahmen.

 

"Die Bevölkerung wird immer älter. Die Zahl der Ärzte im Krankenhaus und im niedergelassenen Bereich wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach jedoch kleiner. Wenn hier nicht massiv gegengesteuert wird, kann eine qualitativ hohe Patientenversorgung in Zukunft nicht mehr sichergestellt werden," warnt Prim. em. Univ.-Prof. Reinhart Waneck, Vize-Präsident des VLKÖ.

Gründe für den drohenden Ärztemangel sind einerseits der Rückgang an Studienplätzen an den heimischen medizinischen Universitäten. Andererseits wandern viele österreichische Ärzte ins Ausland ab, wo attraktivere Arbeitsbedingungen vorherrschen. Neben dem bereits bekannten Mangel an Turnusärzten werden daher in den nächsten Jahren zunehmend auch Assistenz- und Fachärzten fehlen. Immer häufiger kommen zudem Meldungen von nicht oder nur schwer besetzbaren Praxen.

Als Gegenmaßnahmen schlägt der VLKÖ gemeinsame Modelle bei der Ausbildung der Turnusärzte vor, bei denen Teile des Turnus in Ordinationen absolviert werden können. Zudem setzt sich der VLKÖ massiv für sinnvollere Arbeitszeitmodelle bei Ärzten ein, um den Arztberuf in Österreich generell attraktiver zu machen.

Leitenden Krankenhausärzte zur Kooperation mit Politik bereit

Gesundheitsreform schlecht kommuniziert. Wie die letzte Umfrage unter der österreichischen Bevölkerung zeigt, ist der Anteil jener, für die die Gesundheit neben Bildung und Sicherheit den höchsten Stellenwert hat, auf über 92% gestiegen. Nach Ansicht des VLKÖ zeigt dieser Wert die Sorge der Bevölkerung vor unbekannten Veränderungen und ist vor allem auf die schlechte Kommunikation der Gesundheitsreform zurück zu führen. Nach den Worten des scheidenden Präsidenten Prim. em. Prof. Dr. Reinhart Waneck, ehemaliger Gesundheitsstaatssekretär, kritisiert der VLKÖ, dass die Ärzte zu wenig in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. "Es ist ja nichts so, dass alles was von Ärzten kommt richtig sein muss, aber dass sie nicht in geeigneter Weise eingebunden werden, erzeugt viel unnötige Irritation", so Waneck. Er hofft, dass bei der Umsetzung der Reformvorhaben von Bundesregierung und Länderregierungen diesem Umstand künftig stärker Rechnung getragen werde. Stärkere Mitsprache des VLKÖ in Gesundheitsfragen

Mehr Mitsprache wünscht sich der VLKÖ zudem bei weiteren Baustellen im österreichischen Gesundheitsmanagement. Ein konkreter Vorschlag des VLKÖ ist u.a. eine verstärkte Kooperation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. Dadurch können Patientenströme sinnvoll koordiniert und Kosten gesenkt werden. Auch für die Reform der Ärzteausbildung gibt es eine Vielzahl von konkreten Anliegen und Vorschlägen aus der Praxis.

"Leitende Krankenhausärzte haben eine hohe fachliche Expertise und Verantwortung. Zudem kennen sie die regionalen und überregionalen Bedingungen. Durch ihre tägliche Arbeit und langjährige Erfahrung haben sie auf viele Fragen des Gesundheitssystems praktisch fundierte Antworten. Eine stärkere Einbindung des VLKÖ in Pläne zu einer optimierten Gesundheitsversorgung kann daher nur im Interesse aller Beteiligten sein," betont Prim. Univ.-Doz. Dr. Otto Traindl, Präsident des VLKÖ.

Mehrfachprimariate stellen enorme Belastung für Primarärzte dar

Mit Sorge kommentiert der VLKÖ das Interesse von Spitalserhaltern, durch Vergabe von Mehrfachprimariaten finanzielle Einsparungen zu erzielen. Neben dem administrativen Mehraufwand entsteht für Primarärzte ein sehr hoher Verantwortungsdruck bei der Erfüllung ihrer Pflichten als mehrfache Abteilungsleiter.

"Die Leitungsfunktion umfasst die Organisation aller mit der Behandlung zusammenhängenden Aufgaben, einschließlich der Führung des Personals. Die Übernahme zweier oder mehrerer Primariate ist nur dann zulässig, wenn die mit der Abteilungsführung verbundenen Verpflichtungen von ein und derselben Person auch tatsächlich wahrgenommen werden können," informiert Univ.-Prof. Dr. Helmut Ofner, LL.M. von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, im Zuge der Pressekonferenz.

ELGA - und was nun?

Große Bedenken hinsichtlich der parlamentarisch beschlossenen Implementierung von ELGA teilt der VLKÖ mit der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz. Befürchtet wird anstelle eines Arbeitsbehelfs für Ärzte und Spitäler ein komplizierter bürokratischer Mehraufwand. "Die Usability ist für uns Ärzte von zentraler Bedeutung, mit ihr steht und fällt das gesamte System," betont Dr. Artur Wechselberger, Präsident der ÖAK. "Es fehlen eine grundlegende Dokumentenstruktur und eine praktikable Suchfunktion. Wir Ärzte brauchen aber beides für einen reibungslosen Arbeitsablauf."

VLKÖ und ÖÄK fordern daher einstimmig eine Pilotphase, um die Praxistauglichkeit zu überprüfen und nachzujustieren. Außerdem müsse noch eine datenschutzrechtlich "saubere" Regelung gefunden werden, die die Freiwilligkeit für Ärzte und Patienten garantiert. Eine weitere gemeinsame Forderung an das Gesundheitsministerium ist ein nachvollziehbarer Finanzplan, der nicht nur alle Kosten berücksichtigt, die für die öffentliche Hand entstehen, sondern auch die, die Spitäler und Ordinationen zu tragen haben.

Der Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs (VLKÖ) fördert als Vertreter einer entscheidenden Gruppe ärztlicher Führungskräfte den Kontakt und Erfahrungsaustausch mit allen im Krankenhauswesen tätigen physischen und juristischen Personen, medizinischen Universitäten und Akademien einschließlich der ärztlichen Ausbildung. Zudem unterstützt der VLKÖ die gegenseitige, interdisziplinäre Information seiner Mitglieder in ihrer Funktion als leitende Ärzte und steht Spitalserhaltern und dem für die Belange des Gesundheitswesens zuständigen Bundesministerium beratend zur Seite.

Information: www.leitendekrankenhausaerzte.at  

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