zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 28. Jänner 2013

Symposium: Politik setzt auf heimliche Rationierung

Die Politik begegne der Problematik knapper finanzieller Mittel im Gesundheitswesen mit heimlichen, ökonomisch motivierten Rationierungsmaßnahmen anstatt auf Priorisierung und damit auf Versorgungsgerechtigkeit zu setzen.

Zu diesem Schluss kamen Mathias Wesser, Präsident der Landesärztekammer Thüringen, und Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, im Rahmen des von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) am Wochenende abgehaltenen internationalen Symposiums.

 

Die Priorisierung - also die Erstellung einer Prioritätenliste in der medizinischen Versorgung bei mangelnden finanziellen Ressourcen - sei derzeit vor allem in Ländern mit steuerfinanzierten Gesundheitssystemen wie Schweden ein Thema, während andere europäische Staaten, z.B. Deutschland und Österreich, die Ärzteschaft zur "barmherzigen Lüge" drängen und ihr die Verantwortung für Rationierungen umhängen würden, so die Experten. Den Menschen werde suggeriert, dass sie ein verbrieftes Recht auf Gesundheit hätten. Dies führe dazu, dass die Bevölkerung von Ärzten erwarte, jederzeit eine im Angebot uneingeschränkte Betreuung in höchster Qualität zu erhalten. Die Ärzte bringe das in ein ethisches Dilemma, da sie fallweise Leistungen z.B. aus Kosten-, Zeit- oder Kapazitätsgründen vorenthalten müssten. De facto werde aber die Verfügbarkeit medizinischer Leistungen eingeschränkt, und zwar sowohl quantitativ als auch qualitativ. Hintergrund seien rein ökonomische Überlegungen, betonten Wesser und Windhorst.

Wechselberger: Ähnliche Entwickung in Österreich zu befürchten

In Österreich sei eine ähnliche Entwicklung im Rahmen der Gesundheitsreform zu befürchten, erklärte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger: "Wir pendeln derzeit zwischen Rationalisierung - also dem Auffinden verschwendeter oder verborgener Mittel - und Rationierung. Die Politik hegt die Hoffnung, durch das Ausschöpfen von Effizienzpotenzialen die anstehenden Finanzprobleme zu lösen." In Wirklichkeit setze man jedoch den Weg der versteckten Rationierung fort. Chefarztpflicht von Leistungen, überlange Wartezeiten und die Vorenthaltung der Honorierung von notwendigen Leistungen im niedergelassenen Kassenbereich sind Beispiele dieser heimlichen Rationierung, erklärte Wechselberger. Er wies vor allem auf die Gefahr einer gestörten Arzt-Patienten-Beziehung hin, wenn diese Rationierungsentscheidungen vom Arzt im direkten Patientenkontakt gefordert werden. Hier sei die Politik aufgerufen, so der Tenor aller Tagungsteilnehmer, ehrlich zu sein, Prioritäten zu treffen und die Finanzproblematik nicht auf dem Rücken von Ärzten und Patienten auszutragen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben