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Ärzte in Ausbildung oft überlastet.
 
Gesundheitspolitik 21. Jänner 2013

Zu viel Arbeit als Jungarzt

Ärztekammer fordert Einhaltung der Arbeits- und Ruhezeiten.

Als "erschreckend, jedoch nicht überraschend", bezeichnete der stellvertretende Obmann der Sektion Turnusärzte der Ärztekammer für Wien, Stefan Ferenci, die Ergebnisse des Kontrollamtsberichts sowie den Umstand, dass besonders Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung von Überschreitungen der Arbeitszeit betroffen sind. "Allen, die im Wiener Krankenanstaltenverbund ihre Ausbildung absolvieren, war immer schon klar, dass die gesetzlichen Bestimmungen zur Arbeitszeit regelmäßig verletzt werden", so Ferenci.

Da Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung die niedrigste Stufe in der Spitalshierarchie darstellten, werde der Großteil der Routine- und Dokumentationsarbeiten auf die Turnusärzte abgewälzt. Daher sei es wenig überraschend, dass sie überproportional von den Arbeitszeitüberschreitungen betroffen seien. "Die Zahlen jetzt schwarz auf weiß vor sich zu haben erschreckt aber trotzdem", kommentiert der Sektionsobmannstellvertreter den nun öffentlichen Kontrollamtsbericht.

Forderung der Herabsetzung der maximalen wöchentlichen Arbeitszeit

Ferenci: "Wir fordern ein Herabsetzen der maximalen wöchentlichen Arbeitszeit auf 60 Stunden (derzeit sind es 72 Stunden, Anm.), das Einhalten der Wochenruhezeit sowie eine Personalplanung, bei der Krankenstände und Urlaube nicht sofort zu Arbeitszeitüberschreitungen führen." Viele Spitalsärzte arbeiteten schon jetzt am "Limit des Machbaren". Die Verantwortlichen müssten endlich handeln, denn die Arbeitssituation in Krankenhäusern sei "schlicht nicht mehr tragbar".

Hinzu komme noch, dass in naher Zukunft eine zusätzliche Verschlechterung der Situation für Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zu erwarten sei. Denn mit Einführung der neuen Ärzteausbildung werde sich die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zum Allgemeinmediziner im Wiener Krankenanstaltenverbund laut derzeitigen Plänen in etwa halbieren. "Wer dann die Arbeit, die jetzt schon zu Arbeitszeitüberschreitungen führt, erledigen soll, ist nicht einmal ansatzwese noch geklärt", so Ferenci.

Zeitpunkt der Veränderung ist da

Wochenarbeitszeiten bis zu 97 Stunden, regelmäßiges Unterschreiten von Ruhezeiten und ein stetig zunehmendes Maß an nicht patientennahen Tätigkeiten wie Dokumentationen oder sonstige administrative Tätigkeiten erschwerten die Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen massiv. "Jetzt ist der Zeitpunkt, etwas zu ändern, will man verhindern, dass Jungärzte nach Beendigung ihrer Ausbildung, aber auch andere Spitalsärzte, dem Krankenhaus den Rücken zukehren", so Ferenci .

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