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Steife und schmerzhafte Gelenke bei rheumatoider Arthritis.
 
Gesundheitspolitik 17. Jänner 2013

Rheuma-Medikament: Die halbe Dosis reicht

Wiener Studie zeigt großes Einsparungspotenzial für das österreichische Gesundheitswesen auf.


Die Behandlung von mäßig aktiver, Rheumatoider Arthritis mit dem Tumornekrosefaktor-Hemmer Etanercept zeitig bei mehr als 80 Prozent der Patientinnen einen ausgezeichneten Erfolg. Danach kann dieser Erfolg bei halber Dosierung des Medikaments genauso effektiv aufrecht erhalten werden wie bei voller Dosierung. Das sind die neuesten Ergebnisse einer Studie unter der Leitung von Josef Smolen, Leiter der klinischen Abteilung für Rheumatologie der MedUni Wien, die nun im Top-Journal Lancet veröffentlicht wurde.

Smolen: „Diese Erkenntnis untermauert einerseits die enormen Erfolge, die mit heute verfügbaren Medikamenten erzielt werden können, und eröffnet dem Gesundheitswesen zugleich ein großes Einsparungspotenzial bei verringerter Medikamenten-Belastung für die PatientInnen, die einen guten Behandlungserfolg erzielt haben.“

Zwischen 50.000 und 80.000 Österreicher sind von rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis), einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung, die zu hoher Invalidität führt, betroffen. Zumeist handelt es sich um Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Die Folgen sind Schmerzen und Steifigkeit bis hin zur Zerstörung der betroffenen Gelenke.

Behandlungskosten und unerwünschte Wirkungen verringern

„Die Behandlung kostet pro Betroffenem jährlich zwischen 10.000 und 20.000 Euro“, erklärt der Forscher und Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin III sowie der 2. Medizinischen Abteilung des Krankenhauses Hietzing, die in Österreich an dieser internationalen Studie beteiligt waren. Zugleich ist bei geringerer Dosierung die Gefahr für eventuelle unerwünschte Nebenwirkungen geringer.

In die multizentrischen Preserve-Studie wurden 604 PatientInnen mit bereits lange bestehender, aber mäßig aktiver Rheumatoider Arthritis eingeschlossen, die bei Therapie mit 50 Milligramm Etanercept pro Woche – plus zusätzlicher Einnahme von Methotrexat – nach neun Monaten eine deutliche Verbesserung im Sinne der Erreichung einer niedrigen Krankheitsaktivität erzielten. Danach wurde die Therapie in „doppel-blinder“ Weise entweder in derselben Dosierung fortgesetzt, nämlich 50mg Etanercept (unter Fortsetzung von Methotrexat), Etanercept ganz abgesetzt oder die halbe Etanercept-Dosis verwendet.

Dabei wurde festgestellt, dass es beim Absetzen sehr häufig zu einem Aufflackern der Krankheit kam, sodass grundsätzlich die Behandlung fortgesetzt und nicht abgebrochen werden sollte. Allerdings wurde bei jenen PatientInnen, die nur die halbe Dosierung des Rheuma-Medikaments bekamen, eine ebenso konstante Erhaltung der erreichten niedrigen Krankheitsaktivität ermöglicht wie bei jenen, die weiterhin die volle Dosis einnahmen. Smolen: „Diese Studie ist die erste kontrollierte Untersuchung ihrer Art und hat uns neue Einsichten in die Langzeitbehandlung von Patientinnen mit langjähriger rheumatoider Arthritis erbracht.“

Gebietskrankenkasse reagiert erfreut

Erfreut vom Ergebnis der Studie ist auch die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Ingrid Reischl: „Eine geringere Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen für PatientInnen bei gleichzeitig niedrigeren Kosten für die Sozialversicherung. Was könnte ich mir mehr wünschen. Ich danke Prof. Smolen für seine Forschung und möchte alle WissenschafterInnen sowie auch die Pharmaindustrie einladen in diese Richtung weiter zu forschen. Wir wollen die bestmögliche medizinische Versorgung der österreichischen Versicherten und weil wir uns diese auch leisten können müssen, sind Forschungsergebnisse wie dieses, so wichtig.

Literatur:

“Low Disease Activity or Remission Induction with Etanercept 50 Mg and Methotrexate in Moderately Active Rheumatoid Arthritis: Maintenance of Response and Safety of Etanercept 50 Mg, 25 Mg, or Placebo in Combination with Methotrexate in a Randomized Double-Blind Study.”
Josef S. Smolen, Elena Ilivanova, Stephen Hall, Fedra Irazoque-Palazuelos, Min-Chan Park, Sameer Kotak, Constance Hammond, Ronald Pedersen, Annette Szumski, Andrew S. Koenig and Bonnie Vlahos. The Lancet, Early Online Publication, 17 January 2013doi:10.1016/S0140-6736(12)61811-X

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