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Gesundheitspolitik 18. Jänner 2013

Standpunkte: Zur Kasse, bitte!

Sollen die Krankenkassen bei der Raucherentwöhnung zukünftig mehr finanzielles Engagement zeigen?

Bei unseren bundesdeutschen Nachbarn hat die Drogenbeauftragte der Regierung, Mechthild Dyckmans von der FDP, eine öffentliche Diskussion darüber entfacht, welche Kosten die Krankenkassen bei der Unterstützung von Rauchern übernehmen sollten, die ihrem Laster abschwören wollen. Dyckmans hatte sich nämlich dezidiert dafür ausgesprochen, dass Raucher in diesem Fall sämtliche für die Tabakentwöhnung benötigten Arzneimittel von den Kassen erstattet bekommen sollten.

Die Krankenkassen haben diese Forderung postwendend zurückgewiesen. Das sei den Kassen schon per Gesetz verboten, argumentierte der Sprecher des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz, und spielte den Ball an die Politik weiter: Wenn die Politik das wolle, dann müsse sie zuerst das Gesetz ändern, so Lanz. Die Kassen würden lieber präventive Maßnahmen wie etwa psychologische Beratung, Bewegung oder Ernährung, fördern, „Arzneimittel zur Raucherentwöhnung oder auch Nikotinpflaster dagegen gehören nicht in ein solches Konzept.“

Auch hierzulande setzt die Sozialversicherung in erster Linie darauf, Nichtraucher von der Sucht fernzuhalten, als Raucher davon zu befreien. Für Mediziner wiederum läuft die aktuelle Diskussion um die Arzneimittel-Kostenerstattung am Kern des Problems vorbei. Sie fordern eine Stärkung der Betreuungsstrukturen sowie eine Therapieunterstützung.

Arztleistung honorieren
„Noch wichtiger als bei Präparaten wäre eine finanzielle Abdeckung
von Therapiemaßnahmen.“
Prof. Dr. Michael Kunze Institut für Sozialmedizin an der Meduni Wien
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Fokus auf Vorsorge
„Aufklärung und Prävention, statt Kostenübernahme für Arzneimittel zur Raucherentwöhnung.“
Dr. Anna Bucsics Hauptverband, Vertragspartner Medikamente
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Betreuungsstrukturen etablieren
„Wenn ein Drittel aller Raucher aufhören möchte, dann muss man
dafür Programme anbieten.“
Dr. Ernest Groman Wissenschaftlicher Leiter des Nikotin Instituts
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V. Weilguni, Ärzte Woche 3/2013

  • Frau Profitler und Verursacher zur Birgit Kübler Rentnerin, 18.01.2013 um 13:13:

    „Nicht die Solidargemeinschaft sollte für die Kosten der Rauchentwöhnungen aufkommen, sondern die Verursacher und Profitler dieser Alltagsdroge, nämlich die Tabaknikotindrogenindustrie und deren Handlanger, sie müssen zahlen. Wegen des Tabakkonsums sterben jährlich weltweit ca. 6 Millionen Menschen, darunter leider auch ca. 600.000 Nichtraucher und ca. 165.000 Kinder, die wegen der Zwangsberauchung ihr Leben lassen müssen, und zwar unfreiwillig, Ihre Zeitung berichteten. Klartext: Es wäre ungerecht, wenn die Opfer der allgegenwärtigen Zwangsberauchung auch noch die Kosten mitfinanzieren müßten. Dafür hat die Hersteller eines krankmachenden und tödlichen Produkts Geld genug. Außerdem kann die Tabakwerbung - die Verführung zum Rauchen -, nicht toleriert werden und muß beseitigt werden. Das Übel muß an der Wurzel gepackt werden. Es muß also mit allen Mitteln versucht werden, dafür Sorge zu tragen, daß Heranwachsende nicht mit dem Rauchen beginnen. Diese Antitabakwerbungen müssen selbstverständlich ebenfalls von der Tabaknikotindrogenindustrie finanziert werden. So etwas nennt man Wiedergutmachung. Es ist bereits 5 nach 12.
    Auf eine bessere Zukunft in einer menschenfreundlichen Atmosphäre!“

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