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Pflegende Kinder haben eine hohe Belastung zu tragen.
 
Gesundheitspolitik 23. Dezember 2012

Hilfe für pflegende Kinder nötig

Hundstorfer: Unterstützungsangebote für pflegende Kinder und Jugendliche rasch verbessern

Sozialminister Rudolf Hundstorfer hat eine Studie über pflegende Kinder und Jugendliche präsentiert. In der vom Institut für Pflegewissenschaften der Universität Wien erarbeiteten Untersuchung wird erstmals ein umfangreiches Bild von der Situation gegenwärtiger und ehemaliger pflegender Kinder und Jugendlicher - sogenannter Young Carers - mittels wissenschaftlich fundierter Zahlen gezeichnet und der Bedarf an unterstützenden Maßnahmen für diese Gruppe der pflegenden Kinder und Jugendlichen eruiert sowie Empfehlungen für die verschiedenen Handlungsebenen angeführt.

 

"Diese Studie ist weltweit die erste, die sich dieser Thematik über einen direkten Zugang zu den pflegenden Kindern und Jugendlichen gewidmet hat. Die vorliegenden Ergebnisse sind ein guter Ausgangspunkt um das bestehende Angebot zu optimieren und neue Unterstützungsformen für pflegende Kinder und Jugendliche zu etablieren. Ich werde mich im Neuen Jahr mit ExpertInnen und VertreterInnen von Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, zusammensetzen und konkrete Vorschläge erarbeiten, wie das Betreuungs- und Unterstützungsangebot für junge Menschen, die ihre Angehörigen betreuen müssen, weiter verbessert werden kann", erklärt Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Das Projekt


Um eine aussagekräftige Datengrundlage zu erhalten, wurden in einem ersten Projektschritt Kinder und Jugendliche in der 5. bis 8. Schulstufe mittels Selbstausfüll Fragebogens (Thema: "Helfen in der Familie") befragt. Bei Hochrechnung der erhobenen Daten wurde ein Anteil von 3,5 % bzw. rund 42.700 pflegenden Kindern und Jugendlichen in ihrer Altersgruppe (5 - 18 Jahren) errechnet, die regelmäßig über einen längeren Zeitraum chronisch kranke Familienmitglieder pflegen und somit überdurchschnittliche pflegerische Verantwortung übernehmen.

Unterstützung nötig


In einem zweiten Projektschritt wurden ehemalige Young Carers hinsichtlich der Auswirkungen ihrer in der Kindheit durchgeführten Tätigkeiten auf ihr späteres Erwachsenenleben und nach rückblickend gewünschten Unterstützungsmaßnahmen interviewt.

Es hat sich dabei herausgestellt, dass neben den negativen Auswirkungen in körperlicher, sozialer und psychischer Hinsicht - dies reicht von übersteigertem Kontrollbewusstsein bis hin zu Schuldgefühlen und Verlustängsten - die Pflegeerfahrung aus Betroffenensicht aber auch oft positiv assoziiert wird.

In Summe konnten mehrere niederschwellige und benötigte Unterstützungsmaßnahmen ausgemacht werden, wobei die zentralen Punkte zur Verbesserung der Situation pflegender Kinder und Jugendlicher in der Bewusstseinsbildung, Enttabuisierung und Entstigmatisierung dieser Thematik sowie im Angebot familienorientierter Unterstützungsmaßnahmen liegen ("Hilfst du der Familie, hilfst du den Kindern").

Die Studie, die auf einen fünf Parteien - Entschließungsantrages des Nationalrats zurückgeht, ist auf der Homepage des Sozialministeriums www.bmask.gv.at  zum Download bereitgestellt.

Studie bestätigt nötige Hilfe für pflegende Kinder und Jugendliche und den Bedarf an "Superhands".

 
In der heute vorgestellten Studie des Instituts für Pflegewissenschaften der Universität Wien wird die Annahme der Johanniter und der Diakonie zu pflegenden Kindern und Jugendlichen noch weit übertroffen.



Mit mehr als 42.000 pflegenden Kindern und Jugendlichen werden die bisherigen Schätzungen fast um das doppelte übertroffen. DGKS Anneliese Gottwald, Leiterin des Projekts "superhands", fühlt sich mit dem von ihr betreuten Hilfsangebot bestätigt: "Das Problem ist weitaus größer, als wir auf Grund unserer Erfahrungen aus der Praxis und vergleichenden Berechnungen ausländischer Erhebungen annehmen konnten. Wir begrüßen, dass Sozialminister Hundstorfer dieses Thema aufgegriffen hat, Hilfe für die Betroffenen einfordert und Unterstützung dafür zusagt."

Die Johanniter haben mit Unterstützung der Diakonie Österreich die Webseiten www.superhands.at  eingerichtet und im Oktober 2012 vorgestellt. Mit der Internetplattform stehen Kindern und Jugendlichen fünf große Themenkreise zur Verfügung: Notfall, Pflege, Wissen, Für dich, Reden. Unter www.superhands.at gibt es Erste-Hilfe-Tipps, die in Form von Fotostories aufbereitet sind, und Anleitungen für den Notfall. Sie finden hilfreiche Hinweise über Pflegegeld, Pflegehilfsmittel, Pflegenotdienste und Anlaufstellen. Eine umfassende Krankheitsdatenbank listet Krankheiten auf und klärt auf, wie man am besten helfen kann. Außerdem können sich die jungen Menschen im Forum mit Gleichgesinnten austauschen.

Auch persönliche telefonische oder anonymisierte Beratung und Unterstützung wird angeboten: Montag und Donnerstag von 15-17 Uhr.

In den letzten Wochen erfolgten die Information der Öffentlichkeit sowie die Kontaktaufnahme mit jenen Behörden und Institutionen, die für Kinder und Jugendliche verantwortlich sind. Ab 2013 sollen vor allem über Schulen und Veranstaltungen Betroffene direkt auf das Hilfsangebot aufmerksam gemacht werden.

Jugendrotkreuz bietet Pflegefit-Kurse in Schulen an


"Wir sind davon ausgegangen, dass rund 25.000 Kinder und Jugendliche Familienangehörige pflegen. Die präsentierte Zahl von 42.000 Betroffenen aus der Studie des Instituts für Pflegewissenschaften zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht", so Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger. "Kinder und Jugendliche in einer solch schwierigen Situation zu unterstützen, muss vorrangige Aufgabe der Gesellschaft sein."

Das Jugendrotkreuz bietet seit März 2012 den Pflegefit-Kurs an Schulen an. Bis heute haben knapp 1.000 Schülerinnen und Schüler den Kurs absolviert. Die Ausbildung dauert 16 Stunden und umfasst Informationen zu Gesundheit und Krankheit, Veränderungen im Alter, Körperpflege, Kommunikation und wie man Hilfe organisieren kann. Bei der Ausbildung erhält jeder Jugendliche ein Pflegefit-Buch. 166 Lehrbeauftragte in ganz Österreich vermitteln im Kurs das Wichtigste rund um das Thema Pflege.

"Jetzt gilt es, rasch Maßnahmen zur Unterstützung der Jugendlichen umzusetzen. Wie alle pflegenden Angehörigen brauchen besonders junge Menschen das fachliche und mentale Rüstzeug für die Betreuung und Pflege eines Kranken", so Meinhard-Schiebel.


 

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