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Gesundheitspolitik 25. Dezember 2012

Team 4 Süd kann nicht mehr

In einem Brief macht die HIV-Ambulanz des AKH Wien auf die dringlich notwendige Verbesserung der ärztlichen Personalsituation aufmerksam.

Der Bereich 4 Süd – Klinische Abteilung für Immundermatologie und Infektionskrankheiten der Universitätsklinik für Dermatologie, Wien – ist das größte HIV-Schwerpunktzentrum Österreichs. Aktuell werden über 1.200 Patienten betreut.

In einem Brief warnt das Team der Abteilung nun davor, dass es die qualifizierte Patientenbetreuung wegen der prekären ärztlichen Personalsituation an der HIV-Ambulanz in Zukunft nicht mehr gewährleisten könne. Die „Untragbarkeit“ der Situation sei seit längerem erfolglos aufgezeigt worden. Man sehe sich nun gezwungen, neuerlich auf den unaufschiebbaren Handlungsbedarf an dieser Abteilung hinzuweisen. Das unterzeichnete ärztliche und pflegerische Team der HIV-Ambulanz und Tagesklinik sieht die über viele Jahre aufgebaute Qualität der medizinischen Versorgung der Patienten massiv gefährdet.

Eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten sei nur durch ausreichendes, hoch spezialisiertes und erfahrenes Personal möglich, heißt es in dem Brief. Auf die unzureichende personelle Versorgung im ärztlichen Bereich wurde schon mehrmals dringlich hingewiesen. Konsequenzen seien bisher ausgeblieben. Ein an Gesundheitsstadträtin Wehsely gerichtetes Schreiben mit der Bitte um personelle Unterstützung für den Bereich 4 Süd sei abschlägig beantwortet worden.

Mehr Patienten, stagnierender Personalstand

Bei im Vergleich zu anderen HIV-Schwerpunktzentren überproportional stark gestiegenem Patientenaufkommen (Verdopplung der Patientenzahl in den letzten sechs Jahren) stagniert der Personalstand im ärztlichen Bereich und wurde seit vielen Jahren nicht den steigenden Erfordernissen angepasst. Zitat: „Die einzige Planstelle für die unmittelbare PatientInnenbetreuung des gesamten ambulanten Bereichs belegt ein/e in Ausbildung befindliche/r Assistenzarzt/-ärztin, der/die immer häufiger für Ambulanz und Tagesklinik gleichzeitig zuständig ist, rotationsbedingt sehr häufig (manchmal stundenweise) wechselt und außerdem gleichzeitig räumlich distante Spezialambulanzen mitbetreut.“

Das dauerhaft anwesende Stammpersonal hingegen bestehe aus zwei teilzeitbeschäftigten, ausschließlich Drittmittel-finanzierten Ärzten, die aber nicht nur die Betreuung der Studienpatienten und den Großteil der Routineversorgung bewältigen müssen, sondern auch für Spezialbereiche wie Kinderwunschberatung und Schwangerenbetreuung verantwortlich sind.

Aufgrund des großen Engagements der Pflege sei eine qualifizierte Patientenbetreuung bis jetzt noch möglich gewesen. Dieses ist nun, wie jenes der Ärzteschaft, an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gestoßen. Wegen der Personalsituation und des damit verbundenen wachsenden Zeitdrucks wachse das Risiko für Fehler und Mängel. Schon verlassen Patienten bei Wartezeiten von bis zu mehreren Stunden bisweilen ohne ärztliche Konsultation die Ambulanz.

Der Brief erging im November an Verantwortliche der Klinik, des Rektorats der Medizinischen Universität Wien und der Politik.

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