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Die Substitionsbehandlung findet in Österreich Unterstützung bei Bevölkerung und Ärzten.
 
Gesundheitspolitik 7. Dezember 2012

Umfragen: Bevölkerung und Ärzte stützen Opiat-Substitutionstherapie

Für 55 Prozent sind Drogenabhängige krank, nicht kriminell.

Die Drogensucht - speziell problematischer Konsum von Opiaten und/oder Kokain - ist eine schwere, psychische Erkrankung. Opiatabhängigkeit kann durch eine Substitutionstherapie mit Ersatzdrogen wie Methadon, Buprenorphin, retardierten Morphinen etc. erfolgreich behandelt werden. Eine aktuelle Umfrage von GfK Austria zum Bild der Drogensucht in Öffentlichkeit im Auftrag des Pharmaherstellers Mundipharma bzw. eine repräsentative Befragung unter 170 Ärzten von Spektrum Psychiatrie zur Betreuungssituation von Drogenpatienten zeigen, dass in Österreich sowohl die Allgemeinbevölkerung als auch die Ärzte ziemlich aufgeschlossen mit dem Problem umgehen.



"Die WHO definiert die Sucht als schwere psychische Erkrankung und nicht als moralischen und selbst verschuldeten Defekt. Eine Aussage, die nicht nur Experten bestätigen, sondern die laut einer aktuellen Umfrage der GfK-Austria, auch von der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung geteilt wird", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

"Es ist erfreulich, dass mehr als die Hälfte der Österreicher, nämlich 55 Prozent, Drogenabhängige eher als Kranke denn als Straftäter sieht. Zeigt doch die tägliche Arbeit mit den Betroffenen vor allem eines: Viele dieser Menschen stammen aus belasteten Familien, waren als Kinder Opfer familiärer körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt oder sie litten unter familiärer und sozialer Vernachlässigung. Solche, das Selbstwertgefühl junger Menschen beeinträchtigende, traumatische Ereignisse, wie auch früh auftretende psychische Erkrankungen, begünstigen die Entstehung von Suchterkrankungen und beeinflussen deren weiteren Verlauf", kommentierte Gerhard Rechberger, ärztlicher Leiter einer Betreuungsinstitution in Wien (IS Gudrunstraße, Verein Dialog) die Ergebnisse der Umfrage mit rund 2.000 Probanden.

Bevölkerung für Ausbau von Behandlungsstellen


74 Prozent der Bevölkerung halten den Ausbau von weiteren Behandlungsstellen für Drogenabhängige für sinnvoll. Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) sei für den Ausbau der Substitutionsbehandlung in Österreich. Der Stimmungswandel in der Bevölkerung sei offenkundig: 74 Prozent der Befragten glauben, dass man heute freizügiger über Drogenerfahrungen reden kann als vor zehn Jahren. Erstaunlich: Sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung (ab 15 Jahren) kennt jemanden, der Heroin konsumiert.

Die Mehrheit der Österreicher (65 Prozent) bezeichnete die Aufrechterhaltung des generellen Drogenverbots für richtig und die Entkriminalisierung der Drogenabhängigen für sinnvoll. Für eine erfolgreiche, flächendeckende Behandlung von Drogenabhängigen seien der Ausbau von Therapieeinrichtungen, sowie die Verbesserung des Therapieangebots in Form von mehr substituierenden Ärzten, wesentliche Bausteine. Weniger Ärzte für mehr Patienten führten zu Unterversorgung, Schwarzmarkt und Beschaffungskriminalität.

Nur jeder dritte Arzt hält Versorgungsangebote in Österreich für ausreichend.


Bei einer zweiten Befragung von 170 Ärzten (136 Allgemeinmedizinern, 34 Fachärzte für Psychiatrie; jeweils zur Hälfte aus Wien und den weiteren Bundesländer) im Frühjahr 2012 ging es zentral darum, welche Motive für den jeweiligen Arzt ausschlaggebend sind, einen Drogenpatienten zu behandeln oder nicht. Hier zeigten sich Defizite: Nur ein Drittel der Ärzte hält die Versorgungsangebote in Österreich für ausreichend.

Während etwa die Hälfte der Wiener Ärzte das Versorgungsangebot als zu gering bewertet, sind in den Bundesländern mehr als zwei Drittel unzufrieden. Ein Ergebnis, das auch der aktuell erschienene "Bericht zur Drogensituation in Österreich" widerspiegelt: In Teilen von Tirol, Salzburg, Kärnten und Niederösterreich gibt es immer noch Gebiete, wo keine Therapie in zumutbarer Entfernung zum Wohnort angeboten wird. In Wien bieten bereits zwei Drittel der behandelnden Ärzte eine Substitutionstherapie an, während das in den Bundesländern erst bei einem Drittel der Ärzte fixer Bestandteil im Behandlungsangebot ist.

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