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Gesundheitspolitik 6. Dezember 2012

Rechnungshof-Kritik: Zu wenige Operationen in Salzburger Spitälern

Zahl der Eingriffe teilweise deutlich unter den Mindestwerten - Krankenhaus Hallein hat reagiert.


In Salzburgs Spitälern werden Operationen durchgeführt, obwohl die Zahl der jährlichen Eingriffe zum Teil deutlich unter den geforderten Mindestwerten liegt. So werden im Krankenhaus Hallein sechs bis sieben Schilddrüsen im Jahr entfernt, gefordert werden im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) aber 30 derartige Eingriffe. Das sei notwendig, um einen gewissen Qualitätsstandard zu halten, kritisierte der Bundesrechnungshof in einem Prüfbericht.


Die Prüfer haben Qualitätssicherungsmaßnahmen der Krankenhäuser in Schwarzach, Hallein und im Salzburger Landeskrankenhaus (LKH) untersucht und dabei die Unterschreitung der Mindestzahlen festgestellt.

  • In Schwarzach war beispielsweise die Anzahl der Entfernungen der Bauchspeicheldrüse mit fünf Eingriffen im mehrjährigen Durchschnitt nur etwa halb so hoch wie die geforderte Mindestfrequenz.
  • In Hallein wurden im Jahr durchschnittlich vier Brustkrebsoperationen durchgeführt, die Mindestzahl liegt bei 30.
  • Aber auch im LKH Salzburg führten einzelne Ärzte nur eine einzige Gallenblasenoperation im Jahr durch.

Im Krankenhaus Hallein fand über Jahre hindurch ein kontinuierlicher Ausbau von nicht akuten unfallchirurgischen und orthopädischen Leistungen statt. "Diese Leistungen wurden vom Salzburger Gesundheitsfonds vergütet, obwohl dies weder von den Versorgungsplanungen noch von den krankenanstaltenrechtlichen Grundlagen gedeckt war. Die Salzburger Landesregierung als Aufsichtsbehörde duldete diese Praxis", kritisierte der Rechnungshof.

Das Krankenhaus Schwarzach stellte dazu fest, dass derartige Eingriffe ausschließlich vom Abteilungsleiter bzw. in dessen Beisein durchgeführt und damit Fallzahlen je Arzt erzielt würden, die sich durchaus mit Zahlen größerer Kliniken vergleichen ließen.

Das Krankenhaus Hallein kündigte an, künftig sowohl auf Schilddrüsen- als auch auf Brustkrebsoperationen zu verzichten. Und das künftige Leistungsspektrum der Unfallchirurgie werde gemeinsam mit den zuständigen Organisationseinheiten des Landes Salzburg und der Ärzteschaft des Bezirks als Vertreter der Patienten festgelegt.

Und die Salzburger Landeskliniken stellten fest, dass die unterschrittenen Mindestwerte teilweise auf das Ausbildungsniveau der Operateure und auf die Personalfluktuation zurückzuführen sei, insbesondere an der Universitätsklinik für Chirurgie in den Jahren 2010 und 2011.

  • Herr Dr. René Sebastian Bauer, 07.12.2012 um 11:04:

    „Qualitätssicherung durch Mindestmengen.

    Die festlegung von Mindestmengen durch die Verwaltung ist höchst problematisch. Relevant ist die Erfahrung des Operateurs, bzw. des Erstassistenten. 10 Eingriffe pro Jahr durch einen Operateur ist deutlich besser als 30 Eingriffe, verteilt auf 10 Operateure. besonders heikel ist die Regelung, wenn sie zu Ausweitungen der Indikation über das notwendige Maß hinaus führt. das findet in D. derzeit in großem Maßstab statt, gleiche Ursachen werden auch in Österreich gleiche Wirkungen auslösen.“

  • Herr Univ.-Prof. Dr. Dietmar Öfner-Velano MAS, MSc, 18.12.2012 um 19:14:

    „Als Betroffener, der per Zufall auf diesen Artikel gestossen ist, muss ich folgendes zum RH Bericht und zur Stellungnahme der SALK richtig stellen. Es handelt sich, was die UK für Chirurgie in Salzburg betrifft, um einen völlig falschen Schluss des RH, der aus den Rohdaten gezogen wurde. Es wurde zwar richtigerweise festgestellt, dass 35 offene (besser ist das Wort konventionelle) Cholezystektomien, von 12 Operateuren an der UK für Chirurgie in dem Jahr der Evaluation gemacht wurden. Daraus wurde aber fälschlicherweise geschlossen, dass Mindestmengen an der UK für Chirurgie nicht eingehalten werden.

    Die offene (konventionelle) Cholezystektomie unterscheidet sich - und das ist jedem Arzt/Ärztin bekannt - von der laparoskopischen nur durch den Zugangsweg in die Bauchhöhle. Die laparoskopische Methode ist die Methode der Wahl und wird in über 90% der Fälle, so auch in dieser Verteilung bei uns angewandt. An der UK f. Chirurgie führen wir nachweislich mehr als 300 lap. Cholezystektomien pro Jahr (=>90% aller Cholezystektomien) in höchster Qualität durch, was unsere Expertise auf diesem Gebiet unterstreicht. Zudem wurden diese 35 konventionllen Cholezystektomien ausnahmeslos von erfahrenen Oberärzten unter anderem auch von mir in besonderen Indikationen durchgeführt. Dieser Umstand einer dermassen danebenliegenden Fehlinterpretation der Rohdaten hätte auch den Verantwortlichen einer Medizinischen Web-Site, wie SpringerMedizin.at auffallen müssen, statdessen wurde sie unkritisch wahrscheinlich aus einer APA-Meldung übernommen. Das ist keine gute journalistische Arbeit, verunsichert die Patienten zu tiefst, wie auch die Stellungnahme der SALK irreführend ist und mit diesem Umstand gar nichts zu tun hat und ohne mein Wissen oder gar Zutun verfasst wurde.“

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