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Gesundheitspolitik 5. Dezember 2012

Forscher warnen: Luftschadstoffe töten

Die Politik zeigt sich beratungsresistent.

Luftschadstoffe killen - das zeigen immer mehr Daten und Studien. So wurde in Zeitreihenstudien in Wien, Graz und Linz festgestellt, dass die Sterblichkeit mit einer Erhöhung der Feinstaub- und der Stickstoffdioxidbelastung signifikant ansteigt, sagte der Umwelthygieniker Manfred Neuberger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Kommission für Reinhaltung der Luft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) anlässlich deren 50-jährigen Bestehens. Doch die Politik erweise sich als beratungsresistent, "Umweltanliegen haben keine Lobby", kritisierte die Sprecherin der Kommission, Marianne Popp.

 

"Die Sterblichkeit nimmt mit der Feinstaubbelastung zu, die Effekte werden umso deutlicher, je länger man betrachtet", sagte Kommissions-Mitglied Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinuni Wien. So kam es laut Zeitreihenstudie bei einem Anstieg von Feinstaub (PM 2,5; d.h. Partikelgröße von 2,5 oder weniger Mikrometer) um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter zu einem Anstieg der Sterblichkeit am selben und am Folgetag um rund ein halbes Prozent, innerhalb einer Woche um fast zwei Prozent und innerhalb von zwei Wochen um 2,7 Prozent. Ähnlich starke Wirkung habe Stickstoffdioxid, "was bedeutet, dass die Nähe zu Straßen ganz entscheidend bei der Erhöhung der Sterblichkeit ist", so Neuberger.

Feinstaubquellen

Als bedeutende Quellen für Feinstaub nannten Wilfried Winiwarter von der Uni Graz und Hans Puxbaum von der Technischen Universität Wien neben dem Kfz-Verkehr den Hausbrand, insbesondere aus älteren, schlecht gewarteten Anlagen, und die Landwirtschaft. Der aus der Landwirtschaft freigesetzte Ammoniak verbindet sich vor allem bei niedrigen Temperaturen mit Stickoxiden aus Kfz zu Ammoniumnitrat, sogenanntem sekundären Feinstaub, sagte Puxbaum.

Den "größten Nachholbedarf" ortet Neuberger allerdings in Innenräumen. Deren Feinstaubbelastung sei nicht von der Außenkonzentration abhängig. Entscheidend bei Lokalen etwa sei, ob völliges Rauchverbot herrsche. Bei einer Erhebung in fast 100 Wiener Gaststätten sei in praktisch allen Lokalen, wo geraucht wurde, eine gesundheitsgefährdende Belastung festgestellt worden, auch wenn es einen eigenen Raucherbereich gab. Vor allem bei der Luftqualität in Innenräumen sei Österreich im internationalen Vergleich besonders rückständig, notwendig wären gesetzliche Regelungen wie in den an Österreich angrenzenden Ländern, die "alle weiter sind als wir".

Luftqualität wäre Bundessache

Popp übte massive Kritik an der Politik. Bis zum Jahr 2000 seien die zuständigen Minister offen für den Rat der Wissenschafter der ÖAW-Kommission gewesen, die in verschiedenen Beiräten vertreten gewesen seien. "Seit 2000 wird diese Expertise nicht mehr gewünscht", so Popp. Vor allem seit der Umweltbereich im Landwirtschaftsministerium angesiedelt sei, "gewinnt Land- und Forstwirtschaft immer", appelliert Popp an die ethische Verantwortung der Politiker. Zudem müsste das derzeit zum Großteil den Bundesländern überlassene Thema Luftqualität Bundessache werden.

Während Österreich beim EU-Beitritt noch ein Vorreiter in Sachen Umweltschutz gewesen sei, wäre es mittlerweile in einigen Bereichen "Nachzügler". Deshalb würden "demnächst auch Strafzahlungen ins Haus stehen", sagte Popp.

Restrukturierung der ÖAW

Im Zuge der Restrukturierung der ÖAW werden alle existierenden Kommissionen mit Jahresende ruhend gestellt und müssen eine Neugründung als "Beratungskommission" beantragen. Das will auch die Kommission für Reinhaltung der Luft tun, und zwar unter dem neuen Titel "Kommission für Klima und Luftqualität", sagte Popp.

Bereits in dieser Form neu konstituiert hat sich die Kommission "Geographic Information Science". Damit sollen u.a. beratende und publizistische Agenden des ehemaligen ÖAW-Instituts für Geographic Information Science fortgesetzt werden, das im Sommer in die Universität Salzburg integriert wurde, teilte die Akademie in einer Aussendung mit.

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