zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 4. Dezember 2012

Ärztekammer informiert am Aktionstag Patienten

 "Kosten dämpfen" und "Ausgaben deckeln" ist das Motto der geplanten Gesundheitsreform, so die Wiener Ärztekammer. 

Diese intensiviert nun ihre Gespräche mit den Patienten hinsichtlich der möglichen Konsequenzen durch die derzeit angedachte Gesundheitsreform. Im Rahmen des österreichweiten Aktionstages am Mittwoch, den 5. Dezember, wird die Bevölkerung an allen wichtigen Verkehrsknotenpunkten Wiens über die angekündigten Ausgabendämpfungen und Ausgabendeckelungen und ihre potenziellen Folgen im Gesundheitswesen informiert. Eingebunden in die Informationskampagne sind auch die Wiener Ordinationen.

 

"Wir haben in den letzten Wochen mehrmals den Bund, die Länder und die Sozialversicherung gefragt, wie sie es bewerkstelligen wollen, bis zum Jahr 2020 elf Milliarden Euro Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen, ohne gleichzeitig Leistungseinschränkungen durchführen zu müssen. Antworten dazu haben wir bislang keine bekommen", begründet Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres die österreichweite Informationsoffensive.

Die bisher heftigen Reaktionen seitens der verantwortlichen Politiker und Kassenfunktionäre hätten jedenfalls gezeigt, wie wichtig es war und ist, die Bevölkerung entsprechend zu informieren, denn: "Sollte die Gesundheitsreform in dieser Form kommen, könnte es für die Patienten vieles in den Bereichen Diagnose, Therapie, Pflege und Versorgung nicht mehr wie gewohnt geben."

Die Ärzteschaft habe die moralische Verpflichtung, die Patienten rechtzeitig zu warnen. Wenn nun der Ärztekammer vorgeworfen werde, dass sie damit die Bevölkerung verunsichere, gehe dieser Vorwurf ins Leere. Denn nicht die Ärzteschaft sei es, die verunsichere, sondern die Politik, "die eine Scheinreform durchziehen will, die primär die Ausgabensteigerungen reduzieren und deckeln will", so Szekeres. Es sei ein "Ding der Unmöglichkeit, einen finanziellen Deckel einzuziehen, und zeitgleich die Leistungen verbessern zu wollen".

Es fehlen mehr als 1.000 Planstellen

Die Lage ist aus Sicht der Ärztekammer tatsächlich heikel. Österreichweit fehlten beispielsweise mehr als 1.000 zusätzliche Planstellen im niedergelassenen Bereich. In Wien gebe es Nachholbedarf vor allem im Bereich von Gruppenpraxen. Szekeres: "Allein hier benötigen wir 80 neue Stellen, um die Schließung von Ambulanzen im Rahmen des neuen Spitalskonzepts zu kompensieren und dem Versorgungsauftrag gegenüber der Bevölkerung entsprechend gerecht zu werden." Engpässe gebe es weiters bei der Gynäkologie und der Inneren Medizin (jeweils zehn Planstellen). Auch im Bereich der Chirurgie, Augenheilkunde, Dermatologie, Orthopädie und Pulmologie müssten weitere Planstellen geschaffen werden.

Im angestellten Bereich sind bereits derzeit 60 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in einer der Phasen des Burn-outs, wie eine Studie erst kürzlich ergeben hat. "Insbesondere jüngere Ärztinnen und Ärzte sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit", so Szekeres. Und auch andere wichtige Projekte im Gesundheitsbereich blieben zwangsläufig auf der Strecke. Szekeres denkt hier vor allem an den notwendigen Ausbau von Präventionsprogrammen, zum Beispiel in Schulen und Betrieben.

Es sei daher nicht nachvollziehbar, wenn man nach wie vor daran festhalte, die Gesundheitsausgaben dauerhaft an das Wirtschaftswachstum zu koppeln. "In Anbetracht der weltweit unsicheren Wirtschaftslage würde man bei einem weiteren Einbruch der Wirtschaftsleistung das Gesundheitssystem insgesamt herunterfahren müssen", warnt Szekeres.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben