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Wenn eine Flugbegleiterin nachfragt, ob ein Arzt an Bord ist, bekommt so mancher Mediziner unangenehme Gefühle.
 
Gesundheitspolitik 27. November 2012

"Doc on Board" versus "Ärzte an Bord" - Verschlechterungen befürchtet

Mediziner befürchten Aus für Notfallausbildung in der Luft - AUA: "Versuchen, wirtschaftlich zusammenzufinden"

 
"Doc on Board" vs. "Ärzte an Bord" - hinter den beiden gleichlautenden Begriffen verbergen sich offenbar Welten. Geht es nämlich nach einigen österreichischen Medizinern, die Erfahrung oder Ausbildung punkto Notfällen während eines Fluges besitzen, stehen der Behandlung im Flugzeug qualitative Verschlechterungen ins Haus. Kritisiert wird vor allem das drohende Aus für Notfallkurse aufgrund von Sparmaßnahmen bei den Austrian Airlines (AUA). Die "Übernahme" des Programms durch die Lufthansa stößt auf wenig Gegenliebe.



"Doc on Board" wurde 2003 von den Ärzten David Gabriel und Joachim Huber gegründet. Ersterer berichtete nun im Aviatik-Fachmagazin "Austrianwings", dass die AUA den Kooperationsvertrag gekündigt habe. Gabriel: "Der Grund ist, dass wir vor finanzielle Forderungen für die Raummiete gestellt wurden, die für uns nicht realisierbar sind. Dabei galt seit Beginn von 'Doc on Board' die vertragliche Vereinbarung, dass Austrian die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, wir im Gegenzug Mediziner und AUA-Flugbegleiter, letztere kostenlos, ausbilden und durch dieses weltweit einzigartige Projekt die medizinische Versorgung an Bord verbessern."

Der nunmehrige Anschluss der AUA an das "Ärzte an Bord"-Programm der Konzernmutter Lufthansa sei laut Gabriel "keine Alternative". Verglichen mit "Doc on Board" sei es nämlich "in keiner Weise eine Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung, sondern ein Schritt zurück", so die Kritik des Mediziners. "Ärzte an Bord" sei "ein reines Registrierungsprogramm", das es der Airline ermöglicht, auf ihrer Passagierliste zu vermerken, dass sich ein Arzt an Bord befinde.

Spezialkenntnisse nötig


"Der Grund, warum Ärzte nur ungern an Bord von Linienflugzeugen helfen, ist der, dass sie kein fliegermedizinisches Hintergrundwissen haben, die Ausrüstung nicht kennen, rechtliche Fragezeichen haben, vor sprachlichen Barrieren stehen, auf engstem Raum arbeiten müssen und von anderen Passagieren beobachtet werden", erklärte Gabriel.

Unterstützung erhielt der "Doc on Board"-Gründer von Martin Metzenbauer, Facharzt, Gründer und Herausgeber des Fachmagazins "Austrian Aviation Net" sowie "Doc on Board"-Absolvent: "Ärztliche Hilfe wird in Flugzeugen immer wieder benötigt. Für die meisten Mediziner sorgt die Durchsage 'Befindet sich ein Arzt an Bord?' allerdings für deutliches Unwohlsein. Und das ist kein Wunder: Ein wenig einladender Arbeitsplatz, ungewohntes Equipment, eine Vielzahl an Zuschauern und medizinische Probleme, mit denen man häufig nichts zu tun hat." So müsse etwa ein Augenarzt vielleicht einen Herzinfarkt diagnostizieren und auch gleich behandeln. Oder ein Pathologe eine Geburt betreuen.

Auch Metzenbauer kritisierte den Umstieg auf das Lufthansa-Programm: Es handle sich um eine simple Registrierung, wofür man 5.000 Meilen sowie ein Flugmedizin-Taschenbuch erhalte und automatisch auf den Passagierlisten aufscheine.

Gabriel will den Kampf um sein "Doc on Board"-Projekt, das Ende 2012 vorerst ausläuft, jedenfalls nicht aufgeben. Er bekräftigte, dass man "intensive Gespräche mit neuen Partnern, aber natürlich auch mit Lufthansa führen" wolle.

Vonseiten der AUA kamen durchaus ermutigende Worte: "Wir haben deshalb bei 'Ärzte an Bord' angedockt, weil es den Vorteil hat, zehnmal so groß zu sein. Wesentlich größer ist dann natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, einen Arzt an Bord zu haben", betonte AUA-Sprecher Peter Thier. "Doc on Board" sei "sehr stark auf Ausbildung konzentriert", Gabriel habe ein "ausgezeichnetes Programm aufgebaut". Da auch die Lufthansa ihr Programm verbessern wolle und Gabriel auch jenseits der heimischen Grenzen einen "sehr guten Ruf" genieße, hoffe man, den Mediziner und sein Projekt "an Bord holen zu können".

Zum aufgekündigten Vertrag mit "Doc on Board" wollte Thier nicht ins Detail gehen: "Ich will keine Kosten diskutieren, Tatsache ist: es kostet was. Wir müssen künftig versuchen, dass wir auch wirtschaftlich zusammenfinden. Wir haben ein Kapitel geschlossen, jetzt schauen wir, dass wir gemeinsam mit der Lufthansa ein größeres öffnen können."

Lesen Sie auch: AUA schließen sich "Ärzte an Bord"-Programm an.

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