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Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz Drexel Präsident der ÖDG
 
Gesundheitspolitik 21. November 2012

Auf dem Weg zur Modellregion

ÖDG fordert zum Welt-Diabetes-Tag eine bessere Versorgung der etwa 600.000 an Diabetes Erkrankten.

Unzählige Gebäude leuchteten weltweit anlässlich des Welt-Diabetes-Tages am 14. November in strahlendem Blau. Auf Initiative der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) nahm auch Österreich am World Diabetes Day Monument Challenge teil. Der Welt-Diabetes-Tag wurde 1991 von der International Diabetes Federation und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Reaktion auf die wachsende weltweite Diabetesepidemie ins Leben gerufen. Seit 2007 ist dieser Tag als Folge der UN-Resolution 61/225 zu Diabetes offizieller United Nations Day.

Die Diagnose Diabetes beruht auf einem erhöhten Blutzuckerwert, also einem Laborwert. Dieser Wert alleine wäre nicht weiter tragisch, würden daraus nicht schwerwiegende Folgen für Gesundheit und Lebenserwartung entstehen. Eine optimale Behandlung ist deshalb extrem wichtig, denn bei optimaler Therapie können gefährliche Komplikationen in den meisten Fällen vermieden werden.

Durch intensive Forschung und optimierte Therapie leben Menschen mit Diabetes heute länger und die Folgeerkrankungen gehen zurück. Das ist ein großer Erfolg für die Diabetologie. Der Präsident der ÖDG, Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz Drexel, LKH Feldkirch, Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie, zeigt aber anlässlich des Welt-Diabetes-Tages eine zentrale Problematik in der Versorgung auf: „In den vergangenen Jahren sind neue Medikamente entwickelt worden, von denen grundsätzlich viele Patienten profitieren könnten, die aber teurer sind als ältere Medikamente. Leider sind manche dieser Medikamente deshalb aus Kostengründen für Patienten in Österreich nicht verfügbar, während Patienten in ärmeren Ländern der EU diese Medikamente sehr wohl erhalten. Hier besteht ein Verbesserungsbedarf. Für österreichische Diabetespatienten muss eine moderne Behandlung möglich sein.“

Mehr Diabetesexperten

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Medikamente zur Blutzuckersenkung und nicht für jeden Patienten sind dieselben Substanzen ideal. Deshalb fordern die großen internationalen Fachgesellschaften eine patientenorientierte, individuelle Auswahl von Diabetes-Medikamenten. Die ÖDG arbeitet intensiv am Thema personalisierte Medizin in der Diabetesbehandlung. Doz. Dr. Christoph Säly vom Landeskrankenhaus Feldkirch, Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie: „Die Diabeteshäufigkeit nimmt dramatisch zu. Die Umsetzung der Therapie erfordert Kompetenz. Österreich hat in Zukunft zu wenig Experten. Mehr Ausbildungsstellen für Diabetes-Spezialisten (Additivfach für Endokrinologie und Stoffwechsel) werden dringend benötigt, um auch in den nächsten Jahren allen Patienten mit Diabetes eine optimale Behandlung garantieren zu können.“

LDL-Cholesterin im Fokus

Durch eine gute Blutzuckereinstellung können Schäden an den kleinen Gefäßen (und damit Augen-, Nieren- und Nervenschäden) weitgehend vermieden werden. Für die Verhinderung der besonders häufigen und schwerwiegenden Schäden an den größeren Gefäßen ist aber eine Senkung des LDL-Cholesterins noch wirksamer. Patienten erleiden umso weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle, je niedriger ihr LDL-Cholesterin ist. Deshalb fordert der Präsident der ÖDG für Patienten mit Diabetes sehr niedrige LDL-Werte. „Der Zielwert des „schlechten“ LDL-Cholesterins sollte von bisher unter 100 mg/dl auf unter 70 mg/dl gesenkt werden. Dieser Wert könnte dank hochwirksamer und trotzdem sehr gut verträglicher Medikamente heute grundsätzlich erreicht werden“, so der Experte.

Drexel stellt abschließend fest: „Eine aktuelle Erhebung des VIVIT-Instituts in Vorarlberg hat gezeigt, dass viele Diabetes-Patienten in Österreich leider noch nicht von einer konsequenten Cholesterinsenkung profitieren.“ Da cholesterinsenkende Medikamente wesentlich billiger geworden sind, sollte dieses Ziel jetzt erreicht werden können.

Diabetesregister

Ein Diabetesregister, das systematisch die Behandlungsdaten aller österreichischen an Diabetes erkrankten Patienten erfasst, wäre von zentraler Bedeutung für Planung und Umsetzung von Innovationen in der Diabetesbehandlung, aber leider heute noch nicht verfügbar. Die Etablierung eines Diabetesregisters ist deshalb eine zentrale Forderung der Diabetes Gesellschaft.

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