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Gesundheitspolitik 5. November 2012

Mediale Darstellungen von idealisierten Frauenkörpern

Frauenenquete zum ständigen Wandel des weiblichen Körperbilds "Frauen.Körper.Politiken" in Wien.


"Die schöne Welt hat uns eingeholt, Frauen müssen gegen unrealistische Ideale ankämpfen", sagte Professorin Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien in ihrem Beitrag zur heutigen Frauenenquete. Sie berichtete über besorgniserregende Studienergebnisse und gleichzeitig von großen Fortschritten des Wiener Frauengesundheitsprogramms. Das Programm laufe bereits seit zwölf Jahren, unter anderem mit der Prävention gegen Essstörungen. Neu sei ein Schulwettbewerb, bei dem die jungen Menschen fit gemacht werden sollen, damit sie "der Werbung nicht auf den Leim gehen."  

WHO-Studie: Übermaß an Fehleinschätzungen

Der kritische Blick auf mediale Darstellungen von idealisierten Frauenkörpern sei wichtig, denn eines der zentralen Themen zum Körperbild der Frauen von heute sei das eigene Gewicht. Das Übermaß der Fehleinschätzung zeige eine neue Studie, die die WHO unter 200.000 Mädchen und Buschen in 43 europäischen Staaten durchgeführt hat. Demnach hätten sich 40 Prozent der befragten Mädchen als zu dick empfunden, während das aber bei nur 10 Prozent ein reales Problem sei. "Das zeigt, dass Mädchen verunsichert sind", sagt Wimmer-Puchinger und führt das auf die globale Medienwelt zurück, die Mädchen durch manipulierte Bilder von Körpern dazu dränge, diesem unrealistischen Bild nachzueifern und sie sehr früh zu Schönheitsobjekten mache.

Das Körperbild der Frau sei als Spiegelbild der Gesellschaft nie frei von politischen und sozialen Konfrontationen gewesen. Das Bild unserer Zeit betone die Frau als schwaches Wesen mit einem veränderbaren Körper, den es zu kaufen gebe. "Daran wird kräftig verdient", sagte Wimmer-Puchinger und verwies auf den rapiden Anstieg beim Verkauf von Diät-Produkten und bei der Zahl von Schönheitsoperationen, die mittlerweile an allen Körperteilen durchgeführt werden.

Körperfrage als Machtfaktor zwischen den Geschlechtern


"Gleichzeitig ist die Körperfrage ein Machtfaktor zwischen den Geschlechtern. Es geht darum, wer diesen Körper besitzt, also auch um die Frage: gehört er mir?", sagte Lisbeth Trallori, feministische Wissenschaftlerin an den Universitäten Wien, Graz und Klagenfurt. Sie kommt zu dem Schluss, dass diese Körperfrage politisch und gesellschaftlich von großer Bedeutung ist und deshalb, abhängig von den Herrschaftsinteressen, einem permanenten Wandel unterzogen sei. Heute hätten Biotechnologie und Fertilisationsindustrie die Weiblichkeit und deren Körperlichkeit für sich und gegen die Frauen vereinnahmt. Unter dem Mäntelchen der Freiwilligkeit würden Frauen in der neoliberalen Ära zu Konsumentinnen und Produzentinnen von Körperteilen - Stichwort Leihmutterschaft - degradiert.

Enttabuisierung


Medienwissenschafterin Marie Luise Angerer, Professorin an der Kunsthochschule Köln, sieht es als zu einfach nur die Medien die Schuld an idealisierten Körperbildern zuzuschieben. Vielmehr hätte sich die Wahrnehmung des Körpers seit den 70-er Jahren, als dieser durch feministische Theorie kritisch hinterfragt wurde, grundlegend geändert. Mit der Befreiung der Sexualität von der Fortpflanzung sei auch der Blick auf Kinder anders geworden - ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine, sei heute kein Thema mehr für die Frauenbewegung von heute mehr. Ebenso sei eine Enttabuisierung bei der Zuschaustellens des Körpers bis hin zur Pornografisierung erkennbar. Manche Feministinnen sprächen sogar von der Selbstbemächtigung des eigenen Körpers durch Pornografie. Auch der Körper als das sogenannte erotische Kapital, in den investiert werden müsse, sei nur im Kontext des neoliberalen Diskurs zu sehen.

PA Bundespressedienst/IS, springermedizin.at

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