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Gesundheitspolitik 25. Oktober 2012

ÖeGHO warnt: Wissenschaftlicher Nachwuchs in Gefahr

Gesellschaft der heimischen Krebsspezialisten sorgt sich über zu geringe finanzielle Ausstattung der Forschung.

„Der wissenschaftliche Nachwuchs ist im Bereich der Medizin massiv gefährdet“, warnt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie (OeGHO) anlässlich der Jahrestagung der deutschsprachigen Krebsspezialisten in Stuttgart.

 

„Wenn die öffentliche Hand nicht rasch Mittel bereitstellt, wird Österreich über kurz oder lang in der Krebsforschung nicht mehr konkurrenzfähig sein. Es droht eine Situation, wo die klinische Forschung nicht mehr an den Universitäten, sondern primär kommerziell getrieben durch die Pharmaindustrie stattfindet. Unsere über Jahrzehnte aufgebaute Reputation als Heimat führender Forscher ist dann Geschichte.“

Durch Uni-Reform kommt Ausbildung von Wissenschaftlern zu kurz


Hintergrund dieses Appells ist die Reform des Universitätsorganisationsgesetzes, wodurch das reguläre Medizinstudium nunmehr mit einer Diplomprüfung endet. Für eine wissen-schaftliche Laufbahn benötigt man jedoch unverändert einen Doktoratsabschluss (MD PhD), dessen Aufwand viele StudentInnen aus unterschiedlichsten Gründen scheuen. Teils, weil sie die Wissenschaft nicht reizt, teils aber auch, weil sie nach einem ohnedies langen Studium ins Berufsleben einsteigen wollen oder müssen.


Initiative der OeGHO: Stipendien mit über 400.000 EUR-Fördersumme


Um dagegen Abhilfe zu schaffen, vergibt die OeGHO heuer erstmals drei Stipendien auf dem Gebiet der medizinischen Onkologie an Nachwuchs-Wissenschaftler. Jede/r StudentIn erhält pro Jahr 34.700 EUR. Grundsätzlich ist das OeGHO-Stipendienprogramm für alle vier Medizin-Universitäten und auf eine Gesamtdauer von drei Jahren ausgelegt – was eine Gesamtfördersumme von mehr als 400.000 EUR ergibt. (2012 werden nur drei Stipendien ausgeschüttet, weil aus Salzburg keine Projekte eingereicht wurden.)

Gastl: trotzdem „Tropfen auf dem heißen Stein“


„Verglichen mit dem Bedarf ist diese Förderung freilich ein Tropfen auf dem heißen Stein“, betont Gastl, zugleich Leiter der Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Innsbruck. „Daher fordern wir ausdrücklich eine höhere Dotierung der Medizin-Universitäten, damit diese sich – unabhängig von Förderungen durch profitorientierte Pharma-unternehmen – stärker der Forschung widmen können. Damit sollen berufsbegleitende universitäre Lehrgänge für promovierte MedizinerInnen finanziell unterstützt werden.“


Neben den Stipendien vergibt die OeGHO auch noch Preise, die translationale und klinische Forschung gezielt fördern sollen:

  • Forschungsförderungspreis (Dotierung 50.000 EUR)
  • Forschungsstipendium (Dotierung 15.000 EUR)
  • Wolfgang Denk-Preis (Dotierung 5.000 EUR)
  • Wilhelm Türk-Preis (Dotierung 5.000 EUR)

Die OeGHO


Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie (OeGHO) ist die Fachgesell-schaft von HämatologInnen und OnkologInnen und hat sich zum Ziel gesetzt, die Betreu-ung von PatientInnen österreichweit an den höchsten Standard heranzuführen.
Die OeGHO zählt aktuell ca. 550 Mitglieder, davon sind ein Großteil Fachärzte oder Fach-ärztinnen für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und Internistische Onkologie.

PA der OeGHO, springermedizin.at

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