zur Navigation zum Inhalt
© ÖGP
Dr. Sylvia Hartl
 
Gesundheitspolitik 28. Oktober 2012

Hartl: Der Masterplan wächst

Für Dr. Sylvia Hartl ist Halbzeit: Nach einem Jahr als Präsidentin der ÖGP zieht sie Zwischenbilanz.

Anlässlich Ihres Präsidentschaftsantritts vor einem Jahr haben Sie drei Schwerpunkte des „Masterplans Pneumologie“ genannt: Nachwuchsförderung, bessere Patientenbetreuung und Stärkung der Eigenverantwortung der Patienten. Wo konnten schon Fortschritte erzielt werden?

 

Hartl: Der Masterplan wächst: Die größten Vorhaben der Überarbeitung der Ausbildungsordnung nach dem europäischen Hermes-Curriculum und die Überarbeitung der Facharztprüfung mit Etablierung von Vorbereitungskursen sind bereits erledigt. Mentorships für wissenschaftliches Arbeiten wurden eingeführt und werden je nach Erfolg ausgebaut. Heuer wird noch die Erfassung der aktuellen Ausbildungskapazität in Österreich und eine Projektion des Facharztstandes in den nächsten zehn Jahren errechnet.

Zur besseren Patienteninformation werden zwei Internet-Tools gestartet: der Risikotest für die Selbsttestung nach Risikofaktoren für COPD und die Selbsttestung der COPD-Patienten in Hinblick auf Stabilität und Symptomenkontrolle. Beide Initiativen sollen Patienten mit besseren Vorinformationen zum Arzt bringen.

Die Netzwerke für schweres Asthma und schwere COPD sind Werkzeuge für die Dokumentation von besonders schwer betroffenen Patienten. Sie ermöglichen dem niedergelassenen Lungenfacharzt, Informationen über Krankheitsverläufe dieser schwierig zu behandelnden Patientengruppen zu vergleichen. Hier wird für die Zukunft ein verbessertes Patientenmanagement zu erwarten sein, das aus den Daten der Patientenbetreuung erwächst.

Was sind Ihre nächsten Ziele ?

Hartl: Wir beginnen heuer noch mit der Qualitätssicherung der Abteilungen durch europäische Zertifizierung als Ausbildungszentren. Dies geschieht in Kooperation mit der Europäischen Respiratorischen Gesellschaft. Daraus soll in Zukunft ein Österreichraster der Zentren entstehen, der die Vernetzung der Ausbildung mit den Ausbildungsstätten ermöglicht. Eine engere Kooperation der Zentren in der Ausbildung mit entsprechender Rotationsmöglichkeit soll forciert werden. Die modularen Ausbildungsinhalte der Überarbeitung des Ausbildungskatalogs würden diese Vorgangsweise stützen.

Für die Patienten sollen weitere verbesserte Informationsmaterialien und Behandlungsziele im Krankenhaus kommuniziert werden, die die Selbstkontrolle über den Therapieverlauf beim Patienten fördern, besonders bei spitalspflichtiger COPD.

Welche Strategien werden im „Kampf“ gegen die Tabakindustrie verfolgt?

Hartl: Die politischen Ziele der Prävention, Therapie und Restriktion sind durch die EU-Behörden in gremialen Strukturen in Diskussion, die alle EU-Abgeordneten involviert. Prävention richtet sich auf mehr Kinder- und Jugendschutz in Form von Werbeverboten und abschreckenden Informationen auf Zigarettenpackungen, Aufklärungskampagnen in Schulen und die Preispolitik der Tabakprodukte, die den Ankauf für Jugendliche erschweren sollen.

Zur Therapie gibt es EU-weite Kampagnen wie „Ex-smokers are unbeatable“, Stellungnahmen der EU zu Tabakersatzmitteln wie dei E-Zigarette und deren Verfügbarkeit, die Forderung nach Studien vor Zulassungen von Tabak- oder Ersatzprodukten in der Arzneimittelindustrie etc. Diese Maßnahmen stehen dem Lobbyismus der Wirtschaft gegenüber.

Restriktionen beziehen sich auf gesetzliche Bestimmungen, eine rauchfreie Gesellschaft zu haben, vor allem in öffentlichen Räumen, die Einschränkungen von Verkaufsmöglichkeiten und die Preispolitik der Tabakprodukte.

Die EU verfasst regelmäßig Memoranden zur Eindämmung der Tabakepidemie, die auf einhellige Akzeptanz der Ländervertreter hoffen. Die Blockadepolitik des EU-Parlamentes, das es einigen Ländern ermöglicht, Beschlüsse durch Stimmverweigerung zu blockieren, macht die Vorgänge teilweise schleppend. Die einzelnen Länder müssten dann immer noch für die Umsetzung der Memoranden sorgen und die politische Vorgangsweise in ihren Ländern bemühen. Hier sieht es in Österreich nach wie vor schlechter aus als in anderen EU-Ländern, da die Laissez-faire-Politik unserer Regierung die Restriktion weitgehend den Betrieben, besonders der Gastronomie überlässt. Der Tourismus und die aktive Einforderung von Rauchfreiheit der Gäste werden als Regulativ noch eher wirksam als ein Gesetz.

Raucher als Behandlungsbedürftige befinden sich nach wie vor in einem weniger barrierefreien Therapieszenario als in anderen Ländern. Rauchen als Treiber für chronische respiratorische Erkrankungen wird zwar akzeptiert und als Kardinalziel der Prävention angesehen – allein die Maßnahmen dazu bleiben großteils Lippenbekenntnisse.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben