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Nicht alle Patienten reichen die Wahlarztrechnung bei der Krankenkasse ein.
 
Gesundheitspolitik 3. Oktober 2012

Bedeutung der Wahlärzte steigt

Wissen der Patienten unbefriedigend.

Die Bedeutung der Wahlärzte innerhalb des Gesundheitssystems steigt, gleichzeitig ist aber der Wissensstand der Bevölkerung über die niedergelassenen Ärzte ohne Kassenvertrag noch "verbesserungswürdig". Das geht aus einer OGM-Umfrage im Auftrag der Niederösterreichischen Ärztekammer hervor, die am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert worden ist.

 

Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte ordiniert in einer wahlärztlichen Praxis. Die Gesamtzahl der Ärzte in Österreich hat sich in den letzten 20 Jahren um rund 75 Prozent auf rund 40.000 vergrößert, die Zahl der Kassenärzte ist dabei jedoch mit rund 7.650 nahezu konstant geblieben.

Im Spital wurde die Ärztezahl um etwa 60 Prozent aufgestockt. Und die Zahl der Wahlärzte hat sich zwischen 1990 und 2010 nahezu auf das Sechsfache vergrößert, erläuterte der niederösterreichische Ärztekammer-Präsident Gerhard Reisner.

Ein Drittel bis ein Viertel der Leistungen in niedergelassenen Ordinationen wird schätzungsweise bereits von Wahlärzten geleistet.

Im Gegensatz dazu ist der Bekanntheitsgrad der Wahlärzte zuletzt zwar leicht gestiegen, mit 39 Prozent jedoch immer noch "unbefriedigend", wie OGM-Chef Wolfgang Bachmayer die im Sommer mit einer Stichprobe von 2.200 Interviews durchgeführte Umfrage erläuterte. 2008 hatten nur 27 Prozent gewusst, was ein Wahlarzt ist. Besucht haben heuer genau ein Drittel der Bevölkerung einen Wahlarzt. Als Gründe für den Besuch eines Wahlarztes werden geringere Wartezeiten (60 Prozent) und bessere Qualität (42 Prozent) vor allem dadurch, dass sich der Arzt mehr Zeit nimmt (35 Prozent), genannt.

Fast drei Viertel der Befragten gaben zwar an, zu wissen, dass man einen Teil des Honorares von der Krankenkasse zurückverlangen kann, allerdings konnten nur 15 Prozent richtig angeben, dass man bis zu 80 Prozent des Betrages rückerstattet bekommt, den ein Kassenarzt für diese Leistung verrechnen würde (nicht des tatsächlich gezahlten Honorares).

Fast vier von fünf Patienten eines Wahlarztes (78 Prozent) haben die Honorarnote bei der Krankenkasse eingereicht. Jene 22 Prozent die das Honorar nicht eingereicht haben, geben vor allem an, dass der Rückerstattungsbetrag zu gering oder der Aufwand zu groß sei, erläuterte der Kärntner Präsident Josef Huber.

Forderung nach mehr Kassenverträgen

Der Wiener Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres meinte zwar, dass eine hundertprozentige Rückerstattung aus der Sicht der Wahlärzte wünschenswert wäre, allerdings sei diese Frage "höchstgerichtlich ausjudiziert". Die Forderung von Bundesärztekammer-Präsident Artur Wechselberger nach mehr Kassenverträgen unterstützte Szekeres, weil man das öffentliche System stärken wolle. Man wolle nicht Kassen- gegen Wahlärzte ausspielen.

Im Zusammenhang mit den laufenden Verhandlungen zur Gesundheitsreform appellierte Szekeres an die Politik, sich nicht vom Solidarprinzip zu verabschieden und das Ausgabenwachstum nicht wie geplant an das Wirtschaftswachstum zu knüpfen. Die Konsequenz wäre, dass Leistungen heruntergefahren würden. Dies wiederum würde zu einer stärkeren Inanspruchnahme der Privatmedizin führen, was auch den Wahlärzten zugutekommt. Für Patienten, die sich das nicht leisten können, würde dies jedoch einen erschwerten Zugang zur medizinischen Versorgung bedeuten.

apa.at / IS, springermedizin.at

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