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Gesundheitspolitik 28. September 2012

ESMO 2012: Zeit zum Handeln

Österreichische Krebshilfe fordert HPV-Impfung.

Anlässlich des Europäischen Krebskongresses (ESMO, bis 2. Oktober) forderte jetzt der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda (Krankenhaus Hietzing) erneut vehement ein Programm, das den österreichischen Kindern Infektionen mit dem Human Papilloma Virus (HPV) ersparen und vielfältige Krebs- und andere Erkrankungen verhindern kann. Österreich sei das einzige Land der EU-17-Mitgliedsstaaten, in denen es noch keine Kostenübernahme durch die öffentliche Hand gebe.

 

Sevelda gegenüber der APA: "Als Präsident der Österreichischen Krebshilfe, als Arzt und vierfacher Vater bin ich davon überzeugt, dass die HPV-Impfung wichtig ist. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat die HPV-Impfung in ihre allgemeinen Impfempfehlungen aufgenommen. Österreich ist das einzige Land Europas (EU 17), in dem es bis heute kein öffentliches HPV-Impfprogramm gibt oder ein solches beschlossen wurde. Daher gibt es auch keine österreichweite Regelung, was etwaige Zuschüsse zur Impfung betrifft."

Infektionen mit HPV - durch sexuelle Kontakte übertragen - stehen im Hintergrund zahlreicher Erkrankungen.

Sevelda: "99 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs, 84 Prozent aller Anal-, 70 Prozent aller Vaginal-, 47 Prozent aller Penis- und 40 Prozent der Vulvakarzinome sowie zwischen 16 und 28 Prozent von Karzinomen im Mund- und Rachenbereich werden durch HPV-Infektionen hervorgerufen." Hinzu kommt, dass auch häufig wiederkehrende, lästige und oft nur schwierig behandelbare Genitalwarzen ebenfalls durch solche Infektionen verursacht werden.

In Österreich erkranken jährlich trotz der Möglichkeit zur Früherkennung von Vorstufen bis zu 500 Frauen an invasivem Gebärmutterhalskrebs. Laut Statistik Austria sterben daran pro Jahr 150 bis 180 Patientinnen. Auf Österreich umgelegte Zahlen der WHO gehen sogar von jährlich rund 600 Erkrankungen und 300 Todesopfern aus.

Sevelda: "Außerdem müssen in Österreich Jahr für Jahr mehr als 6.000 Frauen ins Spital, weil bei Ihnen Vorstufen von Gebärmutterhalskarzinomen durch einen gynäkologischen Eingriff (Konisation) entfernt werden müssen." Mehr als 10.000 Menschen leiden jedes Jahr neu unter Genitalwarzen, die durch HP-Viren hervorgerufen werden."

Die Wirksamkeit der Impfung gegen durch die gefährlichsten HP-Virusstämme (von der Vakzine erfasst) hervorgerufenen Zellveränderungen, die zu Krebs führen können, liegt bei an die hundert Prozent. Das gilt auch für Genitalwarzen.

Finanzielle Hindernisse

Bisher haben vor allem finanzielle Umstände die Umsetzung des Planes für ein Impfprogramm zumindest für Mädchen vor ersten sexuellen Kontakten verhindert. Die Vakzine kosteten pro Teilimpfung (drei notwendig) an die 200 Euro. Eine Sammelbestellung über ein Impfprogramm könnte den Preis aber wohl dramatisch drücken.

Sevelda: "Die Österreichische Krebshilfe appelliert seit Jahren wiederholt an die politisch Verantwortlichen, ein öffentliches und österreichweites HPV-Impfprogramm einzuführen. Die Gesundheit unserer Kinder muss es uns wert sein."

Erstaunlich, so der Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Christian Marth, in einer aktuellen Broschüre der Krebshilfe: "Stellen Sie sich vor: Es gibt eine Impfung gegen Krebs und niemand geht hin. Die HPV-Impfung ist effektiv und sicher. In allen europäischen Ländern wird die Impfung staatlich unterstützt - mit einer einzigen Ausnahme: Österreich."

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