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Gesundheitspolitik 25. September 2012

Gesundsparen durch Selbstmedikation?

Ärztekammer äußert Bedenken gegen Forcierung der Selbstmedikation.

In der Diskussion um Möglichkeiten, die Gesundheitskosten einzudämmen, taucht derzeit wieder die Überlegung auf, die Palette an rezeptfreien Medikamenten zu erweitern und Patientinnen und Patienten zur Selbstmedikation zu ermuntern. Diesen Bestrebungen trat die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) in einer Aussendung entschieden entgegen.

 

Wer die Selbstmedikation weiter forciere, nehme in Kauf, dass sich medizinische Laien auch eine Diagnose selbst stellen. Das sei eine unzulässige Abwälzung der Verantwortung auf die Patienten und sicher nicht im Sinne von "Patient Empowerment", sagte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger und stellte gleichzeitig klar: "Auch wir Ärztinnen und Ärzte sind nicht dafür, dass man wegen jeder Befindlichkeitsstörung sofort ärztliche Leistungen in Anspruch nimmt." Dennoch, so der Ärztechef, berge die unkontrollierte Einnahme von Medikamenten ohne ärztliche Abklärung erhebliche Gefahren in sich. Erst vor wenigen Wochen habe ein Test des Vereins für Konsumenteninformation gezeigt, dass die Österreicherinnen und Österreicher relativ bedenkenlos mit nicht rezeptpflichtigen OTC-Präparaten ("over the counter") umgingen.

Debatte auch in Deutschland geführt

ÖÄK-Vizepräsident und Leiter des ÖÄK-Referats für Medikamentenangelegenheiten Karl Forstner verwies auf die aktuelle Debatte in Deutschland. Dort habe das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor Kurzem gefordert, dass gängige OTC-Schmerzmittel nur noch in kleinen Mengen rezeptfrei verkäuflich sein sollten. Eine Entscheidung stehe derzeit noch aus.

"Die Forderung, Schmerzmittel auf Mengen zu begrenzen, die für vier Tage reichen, ist grundvernünftig", so Forstner. Denn wer Schmerzmittel über längere Zeiträume einnehme, riskiere erhebliche Gesundheitsgefahren wie etwa Leberschäden oder Magen-Darm-Blutungen. Die Erfahrung zeige, so Forstner, dass Warnungen auf Beipackzetteln allzu oft in den Wind geschlagen würden.

 

Abgesehen vom persönlichen Leid, das die Verharmlosung von Beschwerden und der Verzicht auf eine seriöse ärztliche Diagnose mit sich brächten, spreche auch wirtschaftlich nichts für die Forcierung der Selbstmedikation, sind sich Wechselberger und Forstner einig. Gesundheitsökonomen, die dafür eintreten, würden vergessen, dass die Behebung der Folgen falscher oder zu später medikamentöser Behandlung erst recht wieder auf Kosten des solidarischen Gesundheitssystems gehe.

APA-OTS/IS, springermedizin.at

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