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Abb. 1: Top 7 Vorschläge zur Vorstellung an die Teilnehmer der Panel Diskussion.

Abb. 2: Weitere an die Gesundheitsverantwortlichen gerichtete Anliegen (Platz 8-12).

© Forum Alpbach

Abb. 3: Pressekonferenz in Alpbach zur Bekanntgabe der Subvention für die Arzneimittelforschung. V. l. n. r.: Dr. Jan Oliver Huber (Generalsekretär der Pharmig), BM Alois Stöger (Gesundheitsminister), Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl (Präsident der ÖGKJ)

 
Gesundheitspolitik 21. September 2012

„Die Zukunft beginnt heute“

Das Forum Alpbach 2012 widmete sich der Kinder- und Jugendgesundheit.

Die Alpbacher „Gesundheitsgespräche“ waren in diesem Jahr dem Thema „Kinder- und Jugendgesundheit“ gewidmet, nachdem sich schon im Vorjahr dieser Schwerpunkt als bedeutsam herauskristallisiert hatte. Alpbach hat als „Denkwerkstatt“ in der allgemeinen Sichtweise mittlerweile offensichtlich doch große Bedeutung erlangt.

Alpbach ruft, und (fast) alle kommen.

Bei den Gesundheitsgesprächen waren nach dem Motto „Health in all Policies“ zwar Professionisten aus fast allen Bereichen (Politiker, Beamte aus dem Gesundheitswesen, Angehörige der medizinisch technischen Dienste, Psychologen, Pädagogen, Angehörige der Pharmaindustrie, NGO-Vertreter, Angehörige von Jugendorganisationen, Studenten, Eltern, Journalisten etc.) reichlich vertreten, nur eine Berufsgruppe kaum: die Kinder- und Jugendärzte!

Es mag nun mehrere Gründe dafür geben (Urlaubszeit einer ganzjährig sehr belasteten Berufsgruppe, Programmgestaltung mit relativ wenigen medizinischen Inhalten u. a.m.) warum Kindermediziner zum Großteil NICHT zu den „Gesundheitsgesprächen“ kamen, eine Umfrage unter der Kollegenschaft darüber wäre vielleicht nicht uninteressant.

Inhaltlich war es Absicht der „Gesundheitsgespräche“, im intensiven Dialog zu erarbeiten, wo Defizite in der Jugendgesundheit bestehen und welche Schritte gesetzt werden könnten, um diese zu beseitigen.

Einleitend wurde einmal mehr das Bild der rauchenden, komatrinkenden und internetsüchtigen österreichischen Jugendlichen in den Raum gestellt und die Frage aufgeworfen, WARUM Österreich bzgl. „Risikoverhalten“ bei Jugendlichen weltmeisterlich dastünde. Beschämt fragte ein Vertreter der Apothekerinnung, ob es eigentlich auch Positives über unsere Kinder und Jugendlichen zu berichten gäbe ….. – Ich habe mir daher erlaubt in meinem Kurzreferat (5 Minuten!) auf bedeutende pädiatrische Fortschritte der letzten Jahr(zehnt)e hinzuweisen, ohne dabei in Abrede zu stellen dass es Verbesserungspotenzial speziell in den Bereichen „Prävention“ und „Risikoverhalten“ gibt.

Vier Arbeitskreise

Nach den Plenarvorträgen am Freitag wurde das aus ca. 400 Personen bestehende Publikum am Samstag in vier Arbeitskreise aufgeteilt:

 

AK 01 – Medizinische Versorgung im Kindes- und Jugendalter

AK 02 – Gesundheits- und Lebenskompetenzen vermitteln

AK 03 – Gesunde seelische Entwicklung

AK 04 – Lebenswelten von Jugendlichen

 

Die Arbeitskreise hatten den Auftrag, innerhalb von drei Stunden jene drei Anliegen herauszuarbeiten, die am ehesten zu einer Verbesserung der Jugendgesundheit beitragen könnten. Dies geschah unter jeweiliger Moderation durch einen Angehörigen der Beratungsagentur Promitto.

Ergebnisse und Voting

Am Sonntag wurden schließlich in einer weiteren Plenarveranstaltung diese 4 x 3 Vorschläge vorgestellt, und das Publikum hatte die Möglichkeit mittels Votingsystem (0 = völlig unwichtig bis 5 = besonders wichtig) über diese Anliegen abzustimmen. Auf dieser Basis wurde eine Reihung der Anliegen durchgeführt. Es war beabsichtigt, die höchstgereihten sechs Anliegen am Montag in der Panel Diskussion mit Vertretern des Gesundheitswesens zur Sprache zu bringen. Nachdem jedoch nach dem Voting zwei Anliegen gleichauf auf Platz 6 lagen, wurden schließlich sieben Punkte zur Diskussion gestellt.

Panel Diskussion

Am Montag wurden schließlich Verantwortliche des Gesundheitswesens (Gesundheitsminister A. Stöger, der Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes H. J. Schelling, ÖÄK-Präsident A. Wechselberger, der Pharmig-Präsident R. Rumler, die Wiener Gesundheitsstadträtin S. Wesely u. a. m.) mit diesen Anliegen konfrontiert und um ihre Meinung sowie Möglichkeiten der Verbesserung befragt.

Die Diskussion erbrachte z. T. gut bekannte Tatsachen (Das System ist kompliziert …. Es gibt viele Individualinteressen …. Ein Rauchverbot ist im derzeitigen Parlament nicht umsetzbar … Es gibt bereits einen nationalen Ernährungsplan …. Wir brauchen mehr Bewegung für unsere Kinder … Wir brauchen ELGA [nicht] ….) auch durchaus erfreuliche Überlegungen. So z. B. jene des Wiener ÄK-Vizepräsidenten J. Steinhart sowie des HV-Vorsitzenden H. J. Schelling, dass eine Umschichtung finanzieller Mittel zugunsten der Kinder und Jugendlichen durchaus denkbar sei und überlegt werden müsse.

Man verlässt die Gesundheitsgespräche des Forum Alpbach nach drei Tagen mit dem Gefühl viele „Stakeholder“ (was immer das ist …) getroffen, wichtige Kontakte geknüpft, andere intensiviert und einige Journalisten für seine eigenen Ideen interessiert zu haben. Dass die „eierlegende Wollmilchsau“ auch diesmal nicht gefunden wurde, liegt wohl an der Schwierigkeit und Komplexität der Materie ...

OKIDS – Arzneimittelforschungsnetzwerk

Bundesminister Stöger hat es sich offensichtlich zur (erfreulichen) Gewohnheit gemacht, mit einer innovativen Botschaft zum „Forum Alpbach“ zu kommen. War es im Vorjahr die Kostenübernahme für die allgemeine Pneumokokkenimpfung,, so ist es im August 2012 die Finanzierungszusage zur Errichtung des Arzneimittelforschungsnetzwerkes „OKIDS“. Dieses Netzwerk vereinigt die österreichischen Koordinationszentren für Klinische Studien (KKS) und beabsichtigt, die Studienlage von Medikamenten für Österreichs Kinder und Jugendliche signifikant zu verbessern. Seitens des Gesundheitsministeriums wurden dafür für 5 Jahre jährlich 150.000.- EUR zugesagt, der gleiche Betrag wird im Sinn einer „private public partnership“ von Seiten der Pharmig beigetragen. „OKIDS“ wird im September 2012 als Tochter GmbH der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) gegründet, Frau Prof. R. Ladenstein vom St. Anna Kinderspital bzw. CCRI Wien ist als Geschäftsführerin vorgesehen.

Damit wird eine langjährige Forderung der ÖGKJ und der Politischen Kindermedizin nach den „besten und sichersten Kinderarzneimitteln für Österreichs Kinder“ aufgenommen und entsprechend unterstützt. – Im Namen der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten möchten wir uns dafür sehr herzlich bedanken !

 

Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl (Präsident der ÖGKJ)

Die Alpbacher „Gesundheitsgespräche“ fanden vom 17.-20. August 2012 statt.

Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Pädiatrie & Pädologie 4/2012

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