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Gesundheitspolitik 19. September 2012

ÖGIM 2012: Aktiv und gesund Altern in der EU

Nach dem 7. Rahmenprogramm kommt „Horizon 2020“. Das größte thematische Budget ist für „Gesundheit, demographischer Wandel und Wohlergehen“ vorgesehen.

Das Jahr 2012 wurde von der Europäischen Kommission (EK) zum „Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ deklariert.

Mit dieser Initiative soll zum einen die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisiert werden. Zum anderen sollen aber auch politische Entscheidungsträger und Interessensvertreter auf allen Ebenen motiviert werden, bessere Rahmenbedingungen für aktives Altern und die Stärkung der Solidarität zwischen den Generationen zu schaffen.

Aber spiegeln sich die Ziele des laufenden „Europäischen Jahres 2012“ auch in den aktuellen forschungspolitischen Agenden der EK wider?

Horizon 2020

Seit den 1950er Jahren wird in Europa im Bereich der Forschung kooperiert. Das 1. Europäische Rahmenprogramm wurde 1984 ins Leben gerufen – seitdem hat sich viel bewegt auf europäischer Ebene.

Mit Horizon 2020 hat die EK am 30. November 2011 ein Maßnahmenpaket zur Förderung von Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa vorgelegt, das momentan in verschiedenen europäischen Gremien diskutiert und verhandelt wird.

Vorgeschlagen sind insgesamt 80 Mrd. Euro für dieses neue europäische Forschungsrahmenprogramm, das mit 1. Januar 2014 starten soll und somit nahtlos an das laufende 7. EU-Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung (7. RP) anschließt.

Aber schon der Namenswechsel hin zum zukunftsträchtigen Titel „Horizon 2020“ (anstatt 8. Rahmenprogramm) zeigt, dass nicht alles beim Alten bleiben wird. So fasst Horizon 2020 nun mehrere bestehende Programme für EU-Forschung und Innovation in einem einzigen Programm zusammen. Mehr denn je ist das Programm darauf ausgerichtet, wissenschaftliche Durchbrüche in innovative Produkte und Dienstleistungen zu verwandeln. Gleichzeitig soll mit vereinfachten Regeln und Verfahren der Verwaltungsaufwand reduziert werden, um noch mehr Spitzenforscher und einer größeren Bandbreite innovativer Unternehmen Anreize zu bieten. Horizon 2020 soll somit unsere Wissenschafts- und Technologiebasis sowie die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas für die Zukunft fördern.

Struktur und Schwerpunkte

Schwerpunktmäßig sollen mit Horizon 2020 drei Hauptziele gefördert werden:

Wissenschaftsexzellenz – die weltweit führende Stellung der EU in der Wissenschaft. So werden z. B. die Fördermittel für den bereits sehr erfolgreichen Europäischen Forschungsrat (ERC) um 77 Prozent aufgestockt.

Führende Rolle der Industrie – die Sicherung der industriellen Führungsposition in der Innovation, z.B. umfangreiche Investitionen in Schlüsseltechnologien sowie einen leichteren Zugang zu Kapital und Unterstützung von Klein- und Mittelunternehmen

Gesellschaftliche Herausforderungen: Mit den sogenannten „Grand societal challenges“ werden – aufgeteilt auf sieben Hauptthemen – Mittel zur Behandlung jener Fragen bereitgestellt, die alle Europäer berühren und betreffen.

Gesundheit in Horizon 2020

Das Thema „ Gesundheit, demographischer Wandel und Wohlergehen“ hat mit 9 Mrd. Euro das höchste Budget unter den „Grand Challenges“ im Horizon 2020 Vorschlag. Völlig zu Recht – denn der demographische Wandel mit seinen vielfältigen Auswirkungen auf die Medizin, Pflege und Gesundheitssysteme ist eine der größten Herausforderungen dieser Zeit. Derzeit gibt es nur eine grobe Ausrichtung, was thematisch in dieser Challenge abgedeckt werden wird.

Die Thematik „Aktives und gesundes Altern“ soll in dieser Challenge über den gesamten Forschungs- und Innovationszyklus hinweg ausführlich behandelt werden: von der Verbesserung der Gesundheitsfürsorge und Prävention über Erforschung von Krankheitsprozessen, bessere Diagnosen, Behandlung von Krankheiten bis hin zur aktiven, unabhängigen und unterstützten Lebensführung und etlichen anderen Aspekten, die hier nicht alle ausführlich gelistet werden können. Mit Beginn der Ausschreibungen ab 2014 können europäische Forscher und Unternehmen Projekte zu diesen Themen einreichen.

Auch das EIT, das „European Institute of Innovation and Technology“, wird in Zukunft in Horizon 2020 integriert. Das EIT wurde 2008 ins Leben gerufen, um Europas Innovationskraft in wichtigen Themengebieten zu stärken und dadurch eine weltweit herausragende Position einzunehmen. Dafür werden die weltweit besten Köpfe aus den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation zusammengeführt. Ein Thema der ersten großen EIT Ausschreibungsrunde in Horizon 2020 wird „Innovation für gesundes Leben und aktives Altern“ sein.

Weitere europäische Initiativen zum „Gesunden Altern“

In den letzten Jahren haben sich auf europäischer Ebene noch etliche andere interessante Initiativen entwickelt, bei denen „gesundes Altern“ eine Rolle spielt. Alle werden in Zukunft stark mit Horizon 2020 verwoben sein:

Europäische Innovationspartnerschaften (EIP). Dieses neue Konzept wurde 2010 im Rahmen der „Europa 2020 Strategie“ ins Leben gerufen. Pilot-Maßnahme ist seit Februar 2011 die EIP „Aktives und gesundes Altern“. Das ambitionierte, übergeordnete Ziel dieser EIP ist es, dass EU-Bürger bis 2020 im Durchschnitt zwei Jahre länger aktiv und gesund leben können. Die Innovationspartnerschaft entwickelt Konzepte und Maßnahmen zur effizienteren Nutzung der öffentlichen und privaten Mittel, die in Europa für Forschung und Innovation aufgewandt werden.

Joint Programming Initiativen (JPI). Seit 2008 gibt es diese europäischen Initiativen zur verbesserten Abstimmung und Koordinierung zwischen nationalen und europäischen Forschungsbemühungen. Gesundheitsrelevanz haben die JPIs „Neurodegenerative Diseases“ und „More Years, Better lives“.

Innovative Medicines Initiative (IMI), eine Partnerschaft zwischen der EK und der europäischen Pharmaindustrie. IMI soll neues Wissen, neue Hilfsmittel und Verfahren generieren, um die Engpässe bei der Arzneimittelentwicklung zu überwinden, und somit schneller zu besseren und sicheren Arzneimitteln zu gelangen.

Ambient Assisted Living, ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm, das von mehreren Ländern gemeinsam durchgeführt wird, und an dem die EU als gleichrangiger Partner beteiligt ist. Das Programm zielt auf die Erhöhung der Lebensqualität älterer Menschen auf der Basis von IT-gestützten Produkten, Dienstleistungen und Systemen ab.

Beispiele aus dem 7. RP – österreichische Erfolge

Im noch laufenden 7. EU-Rahmenprogramm wurden in den vergangenen sechs Jahren bereits mehr als 100 Mio. Euro von der EK in Alternsforschung investiert. Auch aus Österreich gibt es erfolgreiche Vorzeigeprojekte: So hatte z.B. das Projekt „Tolerage“ mit einer EU-Förderung von knapp 8 Mio. Euro und unter der Koordination von Prof. Georg Wick, Medizinische Universität Innsbruck, das Ziel, das Immunsystem gegen krankheitsauslösende Moleküle bis ins Alter tolerant zu machen, und schließlich die Grundlagen für einen Impfstoff gegen Arteriosklerose und rheumatoide Arthritis zu schaffen.

Fazit

Spiegelt sich das Europäische Jahr 2012 also in den momentanen forschungspolitischen Agenden wider? Diese Frage kann mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden - „Gesundes Altern“ steht ausgesprochen hoch auf der politischen Agenda Europas, und die Bedeutung wird in den kommenden Jahren noch zunehmen.

Die FFG

Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) bietet umfassende, kostenlose Informations- und Beratungsleistungen für österreichische Interessenten und Teilnehmern aller Organisationstypen an europäischen Forschungsprogrammen. Das Angebotsspektrum reicht von individueller Beratung, Informationsveranstaltungen, bis zur FFG-Akademie (2-tägige Trainings für Newcomer, Antragsteller und Projektmanager), und vielem mehr (www.ffg.at).

Literatur bei der Verfasserin

Autorin: Dr. Astrid Hoebertz

Nationale Kontaktstelle für „Gesundheit“ im 7. RP, FFG – Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, Bereich Europäische und Internationale Programme, Wien

A. Hoebertz, Ärzte Woche 38/2012

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