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Tödlicher gepanschter Schnaps in Tschechien, in der Slowakei und Polen.
 
Gesundheitspolitik 17. September 2012

Fünf Methanol-Tote binnen zwei Wochen auch in Polen

Keine Verbindung mit gepanschtem Alkohol aus Tschechien


Neben Tschechien kämpft auch Polen mit einer wachsenden Zahl von Alkoholvergiftungen. In den vergangenen beiden Wochen seien fünf Menschen gestorben, sagte der Chef des staatlichen Toxikologie-Zentrums, Piotr Burda. Er sieht jedoch keine Verbindung mit den Fällen in Tschechien, wo mindestens 20 Menschen nach dem Genuss gepanschten Alkohols starben.



"Hier in Polen haben wir eher ein Problem mit dem Konsum von Alkohol-Ersatz", sagte Burda. Gemeint sind mit Methanol versetzte chemische oder kosmetische Produkte, auf die vor allem Alkoholiker immer wieder zurückgreifen.

Nach Angaben des Giftexperten hat sich die Zahl der Todesopfer vervielfacht, seit Polen in Angleichung an die EU-Normen den erlaubten Methanol-Gehalt in chemischen Produkten wie etwa Kühlwasser oder Reinigungsmittel heraufsetzte. Während unter den alten schärferen Normen in Polen jährlich acht bis zehn Menschen an Alkohol- oder Methanol-Vergiftung starben, wurden laut Burda allein in den sechs Monaten von Oktober 2011 bis März 2012 mehr als 80 Todesfälle registriert.

Tschechien

Die tschechische Regierung hatte am Wochenende angesichts immer weiterer Todesfälle durch gepanschten Alkohol den Verkauf hochprozentiger Getränke verboten und landesweite Razzien angeordnet. Rund 40 Opfer lagen am Wochenende noch im Krankenhaus, mehrere von ihnen erblindeten, andere mussten ins künstliche Koma versetzt werden. Nach Behördenangaben hatten die meisten Opfer der Vergiftungswelle hochprozentigen Alkohol wie Wodka oder einheimischen Rum in Restaurants oder Geschäften gekauft.

Slowakei

Auch in der Slowakei sind erste Fälle von Vergiftungen mit gepanschtem Alkohol aus Tschechien bekanntgeworden. Das berichtete der Nachrichtensender TA3  unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. 

Für eine private Geburtstagsfeier in Kapusany habe ein Slowake zehn Liter Schnaps per Internet aus Tschechien bestellt. Nach Hinweisen der tschechischen Polizei seien alle Besucher der Feier zur Untersuchung ins Krankenhaus aufgerufen worden. Bei vier Personen seien dabei Vergiftungen festgestellt worden, die aber allesamt nicht lebensbedrohend seien.

In Tschechien sind bisher etwa 20 Menschen gestorben, weil sie mit giftigem Methanol vermischten Alkohol getrunken haben.

Das österreichische Gesundheitsministerium wies auf mögliche Gefahren hin und riet davon ab, hochprozentigen Alkohol unbekannter Herkunft zu konsumieren. Dies gelte insbesondere bei Ausflügen in die Tschechische Republik. Österreich ist bisher nicht betroffen, so ein Sprecher des zuständigen Ministers Alois Stöger.

EU-Schnellwarnsystem

Nach den Vorkommnissen in Tschechien sei das EU-Schnellwarnsystem aktiv geworden. Bei den regelmäßigen Kontrollen durch die Lebensmittelaufsicht seien in den vergangenen Jahren keine Produkte wegen überhöhter Methanolgehalte als gesundheitsschädlich beanstandet worden. Man beobachte die Situation "sehr engmaschig".

Verkaufsverbot für Hochprozentiges

Warschau erließ am Sonntag für den Groß- und Einzelhandel ein Verkaufsverbot für hochprozentigen Alkohol aus Tschechien. In der Slowakei mussten vier Menschen nach dem Genuss von Hochprozentigem aus dem Nachbarland ins Krankenhaus.

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