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Mehr Privatpatienten in Gemeindespitäler, wünscht sich die Wiener Patientenanwältin aus Sicherheitsgründen.
 
Gesundheitspolitik 10. September 2012

Mehr Privatpatienten in Wiener Gemeindespitäler?

Wiener Patientenanwältin übt Kritik an Privatspitälern.

Der Anteil an Patienten mit privater Zusatzversicherung in den Wiener Gemeindespitälern ist gering. Nach Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) hat sich auch die neue Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz für mehr Sonderklassepatienten in den öffentlichen Krankenhäusern ausgesprochen. Allerdings nicht des Geldes wegen, sondern: "Mir geht es um die Patientensicherheit", betonte Pilz gegenüber Journalisten. Dabei übte sie Kritik an Privatspitälern.

"Mir liegen einige Fälle von Patienten vor, die von einem auswärtigem Arzt (Belegarzt, der nicht an der Privatklinik angestellt ist, Anm.) operiert wurden, die aber, als der Arzt schon gegangen war, bei Komplikationen nicht behandelt wurden", hob Pilz hervor. Im besten Fall sei in den Privatkliniken versucht worden, den Belegarzt telefonisch zu kontaktieren. Von einer optimalen und sicheren Nachbetreuung, "so wie es sich Privatpatienten wünschen", könne keine Rede sein, so die Patientenanwältin. Daher sollten Sonderklassepatienten gleich von Beginn an in öffentlichen Spitälern behandelt werden, wo diese eine medizinisch fachgerechte Rund-um-die-Uhr-Betreuung bekämen.

Probleme bei Notfällen befürchtet

Denn die Problematik an den Privatkliniken liege nicht nur allein im System des Belegarztes begründet, wonach dieser rechtlich gesehen - samt seiner Gehilfen - die alleinige Verantwortung für den Patienten trägt. Das ist auch dann der Fall, wenn der Arzt gerade auswärts und nicht erreichbar ist. Oft fehle es den zumeist kleineren, privaten "Kaffspitälern" auch an Spezialeinrichtungen, wenn medizinische Komplikationen auftreten. Dadurch ginge meist viel wertvolle Behandlungszeit verloren und viele Sonderklassepatienten würden letztendlich im öffentlichen und größeren Spital landen, das für solche Fälle ausgerüstet ist.

"Den Privatpatienten ist aber oft nicht klar, was es bedeutet über einen Belegarzt in eine Klinik zu kommen", kritisierte Pilz. Sonderklassepatienten müssten daher schon im Vorfeld verstärkt auf die rechtliche Lage des Belegarztes hingewiesen werden. Zudem sollten Privatkliniken schon auf ihren Homepages über ihre Rahmenbedingungen, die für den Ernstfall vorgesehen sind, informieren. Ebenso forderte die Patientenanwältin, dass es ein Mindestmaß an medizinischer Infrastruktur nach schwierigen Operationen an Privatkliniken geben muss.

"Unqualifizierte Pauschalangriffe"

Der Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs weist Pilzs Kritik als "haltlos" zurück. Die Generalsekretärin des Verbandes, Cornelia Obermeier, sagte in einer Aussendung: "Derart unbegründete Vorwürfe der neuen Patientenanwältin Pilz können wir keinesfalls stehen lassen. (...) In den privaten Krankenhäusern legen wir größten Wert auf die Sicherheit unserer PatientInnen und können diese auch bestens gewährleisten." Privatpatienten auf unsachliche Art und mit unwahren Behauptungen Angst zu machen, um sie in die öffentlichen Krankenanstalten zu locken, sei absolut unprofessionell.

"Unqualifizierte Pauschalangriffe auf Privatspitäler sind kein geeignetes Marketinginstrument, um Privatpatienten in die öffentlichen Spitäler der Stadt Wien zu locken", erklärte dazu der Obmann des Fachverbandes Gesundheitsbetriebe in der Österreichischen Wirtschaftskammer, Julian Hadschieff. Die Aussagen seien ideologisch motiviert und entbehrten jeder sachlichen Grundlage.

Die vorgebrachten Argumente gegen die Privatkliniken seien alt und längst widerlegt. Die Transferrate von privaten Spitälern in öffentliche Kliniken liege bei 1,26 Prozent, bei öffentlichen Spitälern in größere Einheiten hingegen bei 2,63 Prozent. Würde man den Gedanken von Frau Pilz folgen, müssten alle Patientinnen im AKH behandelt werden. Der Ausdruck "Kaff-Spital", wie er von der Patientenanwältin verwendet wurde, sei eine Frechheit und beleidigt nicht nur Privatspitäler, sondern jede kleinere Spitalseinheit, die in Wahrheit wichtige Funktionen für das Gesundheitswesen leisten.

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