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Gesundheitspolitik 10. September 2012

Komplementärmedizin - Luxus oder Notwendigkeit?


Unsere Zeit braucht neue, ganzheitliche und innovative Lösungen - dafür plädiert der Dachverband der Österreichischen Ärztinnen und Ärzte für Ganzheitsmedizin und stellt Forderungen an die Politik.

Die aktuelle öffentliche Diskussion wirft wieder einmal die Frage auf, ob wir Komplementärmedizin in einem modernen Gesundheitssystem benötigen und falls ja, welche Rolle sie dabei spielen soll. Die Mehrheit der PatientInnen hat diese Frage bereits seit längerem klar für sich beantwortet: aktuelle Umfragen zeigen, dass zwischen 70 und 80 Prozent unserer Bevölkerung eine Kombination aus konventioneller und komplementärmedizinischer Behandlung bevorzugen (Karmasin Motivforschung, 08/2011).


Neben den positiven subjektiven Erfahrungen gibt es in verstärktem Maße aussagekräftige wissenschaftliche Studien, welche die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Methoden objektiv nachweisen. Und für die Gesundheitspolitiker besteht kein Grund, sich über diesen eindeutigen Trend Sorgen zu machen, denn Komplementärmedizin bedeutet nicht automatisch eine Verteuerung unseres Gesundheitssystems, sondern ganz im Gegenteil - Studien belegen eine deutliche Kosteneinsparung.

Nicht ja oder nein, sondern Einhaltung von Qualitätsstandards

Entscheidend ist daher nicht die Frage "Komplementärmedizin - ja oder nein", sondern die Definition und Einhaltung von Qualitätsstandards im Bereich der Ausbildung und der medizinischen Behandlung sowie die Abwägung der therapeutischen Effizienz - und das betrifft die konventionelle Medizin ebenso wie die komplementäre Medizin. Um die Einhaltung von hohen Qualitätsstandards im Bereich der Komplementärmedizin zu sichern, hat sich vor über 20 Jahren ein ärztlicher Dachverband für Ganzheitsmedizin etabliert (www.ganzheitsmed.at), in dem die zentralen Methoden der Komplementärmedizin vertreten sind.

Der Dachverband hat betreffend der Ausbildung der ÄrztInnen und der Behandlung der PatientInnen klare Richtlinien für seine Mitgliedsgesellschaften ausgearbeitet.

Präsident des Dachverbandes ist Prof. Dr. Michael Frass, Internist, Akutmediziner und Leiter der homöopathischen Ambulanz für Krebspatienten am AKH in Wien.

Zu den Forderungen des Dachverbandes für Ganzheitsmedizin (Austrian Umbrella Organisation for Integrated Medicine) zählen deshalb:

  • Komplementärmedizin gehört - wie jede diagnostische und therapeutische Tätigkeit - in ärztliche Hand. 
  • Komplementärmedizin erfordert klare Qualitätsstandards betreffend Ausbildung und Behandlung.
  • Förderung wissenschaftlicher Studien im Bereich der Komplementärmedizin durch die öffentliche Hand (in der Komplementärmedizin gibt es keine finanziell- kompetente "Pharmaindustrie", die diese Rolle übernehmen könnte). 
  • Übernahme eines Kostenanteils der komplementärmedizinischen Behandlungen durch die Pflichtversicherungen, sofern Unterlagen und Erfahrungen über die Wirksamkeit der Methoden vorhanden sind (siehe Schweizer Modell).
  • Mehr Offenheit und Unterstützung von Seiten der gesetzlichen Ärztevertretung. Dass die erste Amtshandlung der neuen Leitung der Ärztekammer Wien die Streichung des Referates für Komplementärmedizin war, sehen wir als "unglücklichen Betriebsunfall", der hoffentlich bald revidiert wird. Es gibt weiterhin ein Referat für den Ärzteball, aber keines mehr für Komplementärmedizin. Gerade die Zunahme des Wildwuchses im "alternativmedizinischen Markt" erfordert eine starke Vertretung der ärztlichen Komplementärmedizin. 
  • Förderung ganzheitlicher Gesundheitserziehung und Bewusstseinsbildung, speziell der Jugend. 

Unsere Zeit verlangt nach neuen, ganzheitlichen und innovativen Lösungen - besonders im Gesundheitswesen. Die Zusammenarbeit der konventionellen und der komplementären Medizin ist der einzig sinnvolle Weg, um die hohe Qualität unseres Gesundheitssystems auf Dauer sichern und weiter ausbauen zu können.

Wir hoffen auf ein weiteres und zügiges Voranschreiten der Entwicklung eines modernen Patienten orientierten, effizienten und Kosten günstigen Gesundheitssystems auf der Basis einer ganzheitlichen Medizin.

Die verantwortlichen Vertreter der Gesundheitspolitik sind aufgerufen, diese zukunftsweisende Entwicklung als Notwendigkeit zu erkennen und ganzheitsmedizinische Konzepte in verstärktem Maße zu fördern - sofern klare Qualitätsstandards eingehalten werden.

Der Dachverband für Ganzheitsmedizin mit seinen 17 ärztlichen Mitgliedsgesellschaften bietet sich als kompetenter Partner an.

Apa-OTS/Dachverband für Ganzheitsmedizin/IS, springermedizin.at

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