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Gesundheitspolitik 7. September 2012

EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit will besser kommunizieren

Externer Prüfbericht bescheinigt EFSA Unabhängigkeit.



Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) will nach Vorwürfen von mangelnder Unabhängigkeit und Interessenskonflikten künftig besser kommunizieren.

Die geschäftsführende EFSA-Direktorin Catherine Geslain-Laneelle präsentierte am Mittwoch einen externen Evaluierungsbericht der Unternehmensberatung Ernst Young, welcher der Agentur grundsätzlich Unabhängigkeit in ihren Entscheidungen bescheinigt. EFSA erwäge, künftig mehr Informationen zu Überprüfungen von Interessenerklärungen ihrer Experten ins Internet zu stellen, sagte die Direktorin.



Die Agentur war im Mai wegen eines Interessenskonflikts unter Druck geraten. Die Behörde zwang ihre Verwaltungsratschefin, die Ungarin Diana Banati, zum Rücktritt, nachdem diese einen Posten bei der Gentech- und Lebensmittelindustrie-Lobbyorganisation ILSI (International Life Sciences Institute) übernommen hatte. Im Zuge des Skandals schob das Europaparlament eine Entscheidung über die Budget-Entlastung für die EFSA und andere EU-Agenturen auf.

Keine großen Veränderungen trotz Kritik


Der Bericht von Ernst Young kommt zu dem Schluss: "EFSA ist ihrer Verpflichtung, in unabhängiger Art und Weise zu arbeiten, nachgekommen, sie hat eines der fortschrittlichsten und stabilsten Systeme, um Unabhängigkeit zu garantieren. Trotz Kritik sind keine größeren Änderungen in der Struktur, der Leitung und den Prozeduren von EFSA erforderlich, und die gegenwärtige Situation ist jene einer zufriedenstellenden Infrastruktur, auch wenn man dies mit anderen europäischen Agenturen und entsprechenden internationalen Standards wie jenen der OECD vergleicht." Die externen Prüfer empfehlen EFSA allerdings mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation über die Verbindungen zwischen der Agentur und der Industrie und deren Gremien, eine Überprüfung der Prozeduren und Entscheidungen zu Interessenerklärungen sowie ein besseres Eingehen auf Kritik an der Unabhängigkeit von EFSA-Experten.

Geslain-Laneelle erklärte, jedes Jahr würden von EFSA rund 8.000 Interessenerklärungen geprüft. Gerade der Fall Banati zeige, dass die internen Überprüfungsmechanismen funktionierten. Insgesamt könne sie sich an zwei Fälle erinnern, in denen die EFSA von sich aus Interessenskonflikte bei ihren Experte festgestellt habe. Die Agentur wolle die Namen dieser Wissenschafter nicht unbedingt preisgeben, doch seien die Sanktionen für die Betroffenen klar. Sie dürften für fünf Jahre nicht für EFSA arbeiten, sagte die Direktorin. Geslain-Laneelle zeigte sich außerdem zuversichtlich, dass das Europaparlament den Haushalt der Agentur entlasten wird. EFSA habe auf eine Reihe von Punkten geantwortet. Der vorliegende Berichtsentwurf des EU-Parlaments sei "ermutigend".

Kommunikation verbessern


Die EFSA will auch die Kommunikation zu "sensiblen Fragen" wie die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verstärken. "Wir wollen aber nicht darüber diskutieren, ob wir für oder gegen GVO sind", betonte Geslain-Laneelle. Die Agentur müsse sich auf die Frage nach Risiken für die Gesundheit konzentrieren. EFSA habe durch ihre Arbeit überdies dazu beigetragen, dass der Bestand von Salmonellen halbiert werden konnte und einige hundert Pestizide und Aromastoffe vom Markt verschwunden seien, sagte die Direktorin.

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