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Foto: Privat
Mag. Charlotte Strümpel, Österreichisches Rotes Kreuz
 
Gesundheitspolitik 15. Juni 2009

Gesundheitsförderung ohne Ablaufdatum

Aktiver Umgang mit dem Phänomen „Alter“.

Die bewusste Auseinandersetzung mit dem Lebensstil und psychischer Gesundheit sollte keine Frage des Alters sein. Dazu können gerade auch niedergelassene Ärzte beitragen, das zeigt das EU-Projekt „HealthPROelderly“.

 

Die Analysen der Entwicklung der Bevölkerung enthalten oft Ausdrücke wie „Überalterung“. Auch wenn gesundes Leben als Ziel ein langes Leben enthält, gibt es viele Berührungsängste mit dem Altwerden und Altsein – auch von Seiten der Agierenden im Gesundheits- und Sozialbereich. Vom April 2006 bis Dezember 2008 lief mit Partnern aus elf EU-Staaten das Projekt „healthPROelderly“.

Bestandteile waren eine Literaturrecherche sowie die Suche nach Modellen der Gesundheitsförderung mit und für ältere Menschen. „Entwickelt wurden auch Leitlinien für die Planung und Umsetzung solcher Projekte. Weiters geht es darum, Agierende in diesem Feld zu vernetzen – dazu ist auch eine Erweiterung der Datenbank in Planung“, erklärt Projektkoordinatorin Mag. Charlotte Strümpel vom Österreichischen Roten Kreuz.

Der Ausdruck „Gesundheitsförderung“ wurde erstmals in den 80er- Jahren von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet. Ältere Menschen stehen als Zielgruppe erst seit etwa zehn Jahren im Fokus der Projekte, „allerdings sind in den letzten paar Jahren viele neue Projekte und Literatur zum Thema dazugekommen“, erzählt Strümpel. Oft begegnet sie einem passiven und negativen Bild vom Alter: „Natürlich gibt es wie in jeder Altersgruppe Menschen, die sich für Projekte zur Gesundheitsförderung nur schwer gewinnen lassen.“ Aber nur weil jemand alt ist – wobei auch die Frage zu stellen sei, ab wann dieser Ausdruck eigentlich zum Einsatz kommen soll und was damit genau gemeint ist – bedeute dies nicht automatisch ein Desinteresse an einem gesunden Lebensstil.

„Die vielen Projekte, die wir in ganz Europa gefunden haben, zeigen deutlich: Eine Förderung der aktiven Auseinandersetzung mit der Gesundheit kann viele positive Auswirkungen haben.“ Dazu zählen für Strümpel eine deutlich erhöhte Selbstständigkeit, die Bereitschaft, den eigenen Lebensstil zu verändern, und ein besserer Umgang mit chronischen oder fortschreitenden Krankheiten. Mehr Selbstständigkeit bedeutet mittel- und langfristig auch geringere Kosten im Gesundheits- und Sozialbereich. „Ein wichtiger Ansatz in der Gesundheitsförderung ist die zugehende Beratung und Betreuung“, betont die EU-Koordinatorin Strümpel.

Erste konkrete Projekte

Dieser Ansatz steht in Österreich noch ganz am Anfang, umgesetzt wird er etwa im Umfeld der Hauskrankenpflege in Vorarlberg und beim Kontaktbesuchsdienst in Wien. „Gerade auch der Hausarzt kann ältere Menschen auf Angebote in der Region zur Gesundheitsförderung hinweisen und gezielt Informationen weitergeben – wobei es hier um mehr als nur Ernährung und Bewegung geht, sondern stark um Felder wie die Bekämpfung der sozialen Isolation und der Förderung der psychischen Gesundheit.“ Strümpel motiviert Ärzte, sich in Angeboten von Gesunden Gemeinden zu engagieren, auch um zusammen mit anderen Beteiligten Zielgruppen zu erreichen wie ältere Menschen mit Migrationshintergrund, geringem Bildungsniveau oder Behinderung. „Deutlich zeigt healthPROelderly zudem, wie wichtig die vernetzte Vorgangsweise, also die gezielte disziplinübergreifende Kooperation mit Vertretern verschiedenster Gesundheits- und Sozialberufe sowie entsprechenden Institutionen, in der Region ist.“

Ein wichtiger Ansatz in der Gesundheitsförderung mit und für ältere Menschen ist für Strümpel die Umsetzung des peer-Konzepts: „Ältere Menschen begleiten und beraten gleichaltrige oder ältere Menschen, bringen persönliche Erfahrungen ein, holen Personen dort ab, wo sie momentan im Leben stehen.“

Ein Problem bei der Gesundheitsförderung älterer Mensch in ganz Europa ist die Nachhaltigkeit der Angebote. Viele Projekte mussten aus Mangel an politischem Willen und dauerhafter Finanzierung die Pforten wieder schließen. „Prävention und Gesundheitsförderung bringt auch bei älteren Menschen persönlich, gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich Nutzen“, so Strümpel. Dies müsste sich auch in der Praxis der Gesundheitspolitik widerspiegeln.

 

www.healthproelderly.com

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 24 /2009

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