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Gesundheitspolitik 28. August 2012

Theoretische Einsparungen von 256 Millionen durch Generika möglich

Studie im Auftrag des Generikaverbandes - Allerdings nicht gesamtes Potenzial zu heben.

 

Die Ausgaben für Arzneimittel hätten in Österreich 2011 um 256 Millionen Euro geringer ausfallen können, wenn Generika überall dort eingesetzt worden wären, wo dies möglich ist. Dies geht aus einer Studie des internationalen Instituts IMS Health hervor, die der Generikaverband am Montag in einer Pressekonferenz präsentierte. Der Präsident des Generikaverbandes, Bernd Leiter, schränkte allerdings ein, dass es nicht realistisch sei, dieses gesamte Einsparungspotenzial zu heben.



Möglich ist der Einsatz von nachgebauten Medikamenten nach Ablauf des Patentschutzes der Originalpräparate. Je nach Zeitpunkt der Patentanmeldung dauert es in der Regel zehn bis 15 Jahre nach der Zulassung bis ein Generikum angeboten werden darf. Die Entwicklung eines neuen Medikamentes dauert in der Regel 13 bis 14 Jahre, die Kosten belaufen sich auf 150 Millionen bis eine Milliarden Euro. Generika können viel rascher und billiger entwickelt werden, sie haben die gleichen Wirkstoffe wie die Originalpräparate, anders können nur die Hilfsstoffe sein. Christoph Baumgärtel, für die Medizinaufsicht im Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen zuständig, versicherte, dass Generika genau so sicher sind und wirken und dass sie einer genau so umfassenden Prüfung vor ihrer Zulassung unterzogen werden.

55 Prozent des Marktes generikafähig



Laut der Studie umfasst der generikafähige Markt 55 Prozent des Gesamtumsatzmarktes. Innerhalb des Gesamtmarktes entfallen in Österreich 19 Prozent des Umsatzes auf Generika, innerhalb des generikafähigen Marktes liegt der Anteil bei 34 Prozent. Originalpräparate kosten im Schnitt um 55 Prozent mehr als Generika. Würde nun im patentfreien Bereich alle möglichen Generika eingesetzt, könnten nach der Studie 256 Mio. Euro eingespart werden. Diese theoretische Zahl bezieht sich auf das Jahr 2011, sie könnte sogar noch steigen, weil in den nächsten drei bis fünf Jahren viele Patente auslaufen.

Österreich hat Aufholbedarf


Das gesamte Potenzial zu heben ist aber selbst aus der Sicht des Generikaverbandes nicht realistisch. Österreich liegt im internationalen Vergleich jedoch zurück. In Deutschland liegt die Generika-Quote doppelt so hoch, in den USA sogar bei 80 Prozent. Möglich wäre es nach Ansicht des Generikaverbandes, in Österreich auf einen Anteil von 60 bis 65 Prozent zu kommen.

Die Pharmig anerkennt zwar ein Einsparungspotenzial durch Generika bei den Arzneimittelausgabe, die Interessensvertretung der Pharmaindustrie sieht in deren Einsatz jedoch "kein Allheilmittel zur Sanierung des Gesundheitsbudgets". In einer Aussendung verwies Pharmig-Generalsekretär Jan Olver Huber am Montag darauf, dass der Spitalsbereich der "Kostentreiber" sei, und daher angegangen werden müsse, um Einsparungen im Gesundheitswesen zu erzielen.

Huber betonte, dass es neben dem Einsatz von Generika im Arzneimittelmarkt auch ein kontinuierliches Engagement in der Erforschung und Entwicklung neuer, innovativer Präparate brauche, um auch in Zukunft Krankheiten auf bestmögliche Art bekämpfen zu können.

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