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Gesundheitspolitik 23. August 2012

Pflege: Hundstorfer verspricht Strukturreform-Konzept bis Jahresende

Bedarf an Pflegekräften steigt - Studie: Image des Berufes verbesserungsbedürftig.


Das Image des Pflegeberufs ist nach wie vor nicht allzu gut, der Bedarf steigt aber weiter. Bis 2020 werden allein im Bereich Pflege 17.000, im Gesundheits- und Sozialbereich gesamt 50.000 Kräfte mehr nötig sein. Dies ist eine der großen Herausforderungen für Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Gleichzeitig muss die Finanzierung der Pflege gesichert werden. Die dazu eingesetzte Strukturreform-Arbeitsgruppe werde bis Jahresende ein Konzept vorlegen, versicherte Hundstorfer am Donnerstag bei einer Studienpräsentation.



Die Österreicher sind zwar mit den Pflegekräften zufrieden, deren Beruf wird aber als wenig attraktiv erachtet, ergab diese Studie des privaten Heimbetreibers SeneCura. "Alle finden den Pflegeberuf wichtig, aber keiner will es tun", stellte SeneCura-Geschäftsführer Rudolf Öhlinger fest. Nur jeder vierte Befragte hat darüber nachgedacht, in der Pflege zu arbeiten, für 66 Prozent kommt es nicht in Frage. Nur 25 Prozent sehen darin einen Beruf mit guten Karriereaussichten.

Professionelle Pflege erwartet


Dabei erwarten sich die Menschen zunehmend professionelle Pflege: Nur mehr 32 Prozent wollten "zu Hause von Familienangehörigen" betreut werden, während 49 Prozent teilweise oder rund um die Uhr zu Hause von Pflegehelfern versorgt werden und 16 Prozent ins Heim wollten.

Dem Pflegeberuf schreiben zwar 26 Prozent ein sehr gutes Image zu, für fast zwei Drittel ist er unentbehrlich und auch sehr verantwortungsvoll. Geht es um die Ausübung, überwiegt aber Skepsis: Anstrengend sei er, befand mehr als die Hälfte, frustrierend (33 Prozent), die Bezahlung schlecht (43 Prozent), die Arbeitsbedingungen nicht gut (20 Prozent).

In der Pflege tätig sind derzeit mehr als 49.000 unselbstständig Beschäftigte. In den letzten zehn Jahren hat sich diese Zahl verdoppelt, bis 2020 werden - vor allem wegen der steigenden Lebenserwartung - 17.000 Pflegekräfte mehr nötig sein. Dieser Bereich ist also ein Wachstumssektor, stellte Hundstorfer fest.

Ausbildung in der Pflege



Es gilt also, viele neue Kräfte auszubilden - und überhaupt Menschen für Pflegeberufe zu gewinnen. Dies ist nicht leicht: Denn um 2020 geht die Babyboomer-Generation in Pension und gleichzeitig rücken - wegen der Geburtenrückgänge in den 90er-Jahren - weniger Junge am Arbeitsmarkt nach.

Der Pflegeberuf müsse also unbedingt attraktiver gemacht werden, konstatierte Hundstorfer. Wichtig sei es, die Jugendlichen anzusprechen - und gleichzeitig mit Unterstützungsangeboten (wie einem Programm "50plus") dafür zu sorgen, dass die bereits Beschäftigten länger in dem "schweren Beruf" bleiben, berichtete Öhlinger aus der Praxis des Heimbetreibers. Mit großzügigen Weiterbildungsangeboten, flexibler Dienstplangestaltung oder Kindergärten versuche man, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Entlohnung


Wichtig ist die - oft als zu gering kritisierte - Bezahlung der Pflegekräfte. Um da "andere Entwicklungen" zu ermöglichen, brauche man "neue Spielräume", konstatierte Hundstorfer. Auch darum geht es in der Strukturreform-Arbeitsgruppe. Seit September 2011 verhandeln darin rund 90 Mitglieder über die Finanzierung der Pflege nach Auslaufen des Pflegefonds.

Mit dem von Bund und Ländern gespeisten Fonds wurden von 2011 bis 2014 knapp 700 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. 2014 läuft auch der Finanzausgleich aus. Für 2015 und 2016 wurden aber mit dem Finanzrahmen 2013-16 bereits weitere 650 Millionen an "Offensivmitteln" von Bund und Ländern für die Verlängerung des Fonds vereinbart.

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