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Foto: Privat
Dr. Lilly Damm, Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien
 
Gesundheitspolitik 15. Juni 2009

Neue Strukturen für schulärztliche Versorgung nötig.

Es fehlt schlicht der politische Wille, an der unbefriedigenden Situation der Mehrzahl der Schulärzte etwas Substanzielles zu ändern. Viele Eltern meinen, ihre Kinder hätten ohnehin einen Schularzt, und sind sehr konsterniert, dass dieser aufgrund des meist sehr schmalen Zeitbudgets höchstens Zeit für eher oberflächliche Reihenuntersuchungen hat. Schulgesundheitliche Versorgung muss jedenfalls deutlich mehr als ein zeitlich limitiertes Projekt sein. Es braucht einen qualitätsgesicherten Standard, der auch internationalen Kriterien entspricht – und es wäre allerhöchste Zeit, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und konkrete Taten setzen. Schwierige Arbeitsverhältnisse, aber auch schlechte Bezahlung der Schulärzte werden oft quasi als gegeben hingenommen.

Eine Chance wäre, den Bereich der Schulärzte aus dem Reich der Beamtenverwaltung zu nehmen und ähnlich wie die AGES eine eigenständige schlanke Organisations-Struktur mit Experten zu schaffen. Diese könnte u. a. Aufgaben der Koordination übernehmen und Mindestkriterien für Qualitätsstandards erarbeiten. So ist es eigentlich ein Skandal, dass die anonymisierten Daten aus Schuluntersuchungen nicht endlich standardisiert erhoben und systematisch für die Weiterentwicklung der Gesundheitsförderung und -versorgung verwendet werden. Außerdem wären in den Bundesländern Kompetenzzentren für Schulgesundheit sinnvoll. Diese könnten dann die Umsetzung in den Regionen sicherstellen, wobei eine multidisziplinäre Vorgehensweise so wie in anderen Bereichen sehr wünschenswert wäre. Also etwa durch Einbindung von Personen aus Fachbereichen wie der Pflegepsychologie und Sozialarbeit. Denn im Lebensfeld Schule geht es eben nicht nur um die Förderung eines gesunden Lebensstils, sondern auch um sensible Themenfelder wie sexuelle Aufklärung, Suchtprävention, Umgang mit Lebenskrisen usw.

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Schulärzte: Alles beim Alten

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Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 24 /2009

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