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Aufenthalt_Spitäler: Gemeinsam mit den Franzosen liegen die Österreicher bei der Zahl der Entlassungen weit vor den Deutschen und noch viel weiter vor den Holländern. Grafik: APA, Quelle: OECD
© Pater Leonhard Gregotsch

Pater Leonhard Gregotsch Leiter der Arbeitsgemeinschaft Ordensspitäler

 
Gesundheitspolitik 26. August 2012

Benachteiligen Länder die privaten Spitäler?

Einer IHS-Studie zufolge liegt Österreich bei der Förderung privat-gemeinnütziger Krankenhäuser im europäischen Vergleich zurück. Diese fühlen sich daher gegenüber öffentlichen Einrichtungen benachteiligt.

Während in vielen europäischen Ländern die Übernahme von Spitalsleistungen durch privatgemeinnützige Spitäler bewusst forciert wird, halten die heimischen Spitalserhalter der öffentlichen Hand, allen voran die Bundesländer, an den alten Strukturen mit einer Dominanz der eigenen öffentlich-rechtlichen Spitäler weitgehend fest. So lässt sich der vom Institut für Höhere Studien (IHS) angestellte Vergleich unterschiedlicher Krankenhaussysteme etwa zusammenfassen. Mehr „privat als Land“ birgt zwar in einzelnen Bereichen auch Gefahren, könnte aber insgesamt für einen beträchtlichen Effizienzschub sorgen.

Das Spitalswesen stellt mit rund 40 Prozent der Gesundheitsausgaben den bedeutendsten Kostenfaktor im heimischen Gesundheitswesen dar. Die Gesundheitsexperten des Instituts für Höhere Studien Dr. Thomas Czypionka, Dr. Monika Riedel und Eva Schweiger haben in der von der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs beauftragten Untersuchung „Die Rolle privat-gemeinnütziger Spitäler im internationalen Vergleich“ die Systeme verschiedener EU-Staaten analysiert. Unterschieden wurde zwischen drei Kategorien von Krankenhausträgern: öffentliche Träger, wie in Österreich in der Regel durch das Bundesland gegeben, privat-gemeinnützige Träger wie Ordens- oder Glaubensgemeinschaften sowie als dritte Gruppe privat-gewinnorientierte Träger.

Die Rolle des privat-gemeinnützigen Bereichs ist demnach in den Niederlanden herausragend: Die Reform 2006 überantwortete dort den gesamten Krankenhaussektor in privat-gemeinnützige Führung. Auch in Belgien ist der Anteil dieser Kategorie zuletzt auf über 70 Prozent angewachsen. In beiden Ländern spielen dafür privat-gewinnorientierte Krankenhäuser in der öffentlichen Versorgung praktisch keine Rolle. In Deutschland untersteht ein knappes Drittel aller Krankenhausbetten privat-gemeinnützigen und ein ähnlich hoher Anteil privat-gewinnorientierten Trägern. „Die Zunahme privat-gewinnorientierter Spitalsversorgung ist wohl motiviert durch das Hoffen der politischen Verantwortungsträger auf marktbedingte Effizienz- und Qualitätssteigerungen gepaart mit einer Entlastung öffentlicher Budgets“, mutmaßen die Autoren.

Frankreich stellt mit 14 Prozent aller Betten in gemeinnütziger Trägerschaft den geringsten Anteil und unterschreitet damit als einziges der untersuchten Länder den österreichischen Wert von 18 Prozent. Dafür ist die heimische Quote von 71 Prozent für den öffentlichen Sektor unerreicht. Die Bedeutung der privat-gemeinnützigen Spitäler variiert hierzulande sehr stark zwischen den Bundesländern. Während sie etwa in Oberösterreich rund die Hälfte der Bettenkapazität bestreiten, gibt es in Vorarlberg gar kein privat-gemeinnütziges Spital.

Interessenskonflikte der Länder

Kritisch sehen die Autoren die heimische Verteilung der Zuständigkeiten: „Für Österreich fällt eine bereits oft kritisierte Konstellation mit erheblichen Zielkonflikten auf. Die Bundesländer sind gleichermaßen Träger von durchschnittlich rund 70 Prozent der Bettenkapazität, planungsverantwortlich und nicht nur wesentlicher Finanzier, sondern gleichzeitig auch mit Gesetzgebungskompetenz für erhebliche Details der Finanzierung ausgestattet. Diese Konstellation bietet stärker als in den Vergleichsländern Anreize, in der konkreten Ausgestaltung der Finanzierungsregeln die Träger unterschiedlich zu behandeln.“

Demgegenüber würden in allen anderen untersuchten Ländern Krankenhäuser, die in die öffentliche Versorgung eingebunden sind, die gleichen Entgelte enthalten, unabhängig von ihrer Trägerschaft. Die Finanzierung sollte dabei so gestaltet sein, dass die laufenden Kosten aus den Leistungsentgelten abgedeckt werden können. Im Gegensatz dazu müssen die Leistungsentgelte für österreichische Akut-Krankenanstalten nur mindestens 51 Prozent dieser Kosten abdecken; es ergibt sich ein sogenannter Betriebsabgang, der somit fast die Hälfte der laufenden Kosten ausmachen kann. Da nur Krankenanstalten öffentlicher Träger Betriebsabgänge zur Gänze abgegolten bekommen, ergibt sich daraus ein finanzieller Nachteil für private Träger. Ein Nachteil, der zugleich aber auch Anreiz ist, sparsam und effizient zu wirtschaften. „Dazu passend“, sagt ein Hinweis in der IHS-Studie, „haben Untersuchungen für Österreich auch einen Effizienzvorsprung für Krankenhäuser privater Träger nachgewiesen.“

* Anmerkung der Redaktion: Die Ärzte Woche war bemüht, auch seitens der verantwortlichen Landespolitiker eine Stellungnahme zu den Studienergebnissen zu bekommen, was aber leider nicht gelang.

Kommentar

Ordensspitäler verlangen Gleichbehandlung

Kommentar von Pater Leonhard Gregotsch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Ordensspitäler

Eine unabhängige internationale Studie des IHS hat wieder gezeigt, dass einiges schief läuft in der österreichischen Spitalspolitik. Viel wird darüber diskutiert, wie man die Kosten in den Griff bekommen und die Zukunft der hochwertigen Patientenversorgung absichern kann. Jene Sparpotenziale, die ins Auge springen, werden allerdings nicht genutzt: Die privat-gemeinnützigen Krankenhäuser, allen voran die Ordensspitäler, produzieren auf höchstem Leistungsniveau deutlich günstiger als die öffentlich-rechtlichen Spitäler. Ein Strukturwandel in diese Richtung ist politisch offensichtlich nicht gewünscht.

In anderen europäischen Staaten, etwa in Deutschland, den Niederlanden oder in Belgien, ist dieser Umstellungsprozess schon weit fortgeschritten. Angesichts der Budgetknappheit wird dort versucht, die Kapazitäten zu jenen Anbietern zu verlagern, die bei gleicher Qualität günstiger arbeiten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Hierzulande sind die Bundesländer zu rund 70 Prozent Inhaber der Bettenkapazität, gleichzeitig sind sie aber auch für die gesamte Planung, Finanzierung und gewisse gesetzliche Bestimmungen zuständig. Logisch daher, dass ihnen ihr Hemd näher ist als der uns allen gemeinsame Rock. Das Interesse an der Verlagerung von Kapazitäten etwa zu den Ordensspitälern wird aus diesem Grund nicht als Lösung gesehen.

Gleichzeitig werden die privat-gemeinnützigen Spitäler auch bei der Finanzierung in manchen Bundesländern schlechter behandelt als die landeseigenen Krankenhäuser. Sie bekommen nicht die gleiche Kostendeckung wie diese, obwohl die Ordensspitäler nachweislich deutlich effizienter wirtschaften. Dabei behandeln die Ordensspitäler Patienten genauso auf Krankenschein wie die Landeskrankenhäuser und einige Krankenhäuser bieten sogar Gratisbehandlungen für Bedürftige an.

Der Kostenvorsprung der Ordensspitäler gegenüber den öffentlich-rechtlichen Krankenhäusern liegt je nach Spitalstyp zwischen zehn und 22 Prozent.

Damit sparen die Ordensspitäler der öffentlichen Hand, also dem Steuerzahler, rund 200 Millionen Euro im Jahr. Es ist daher nicht zu verstehen, warum in Österreich nicht so wie es dem internationalen Trend entspricht, nicht mehr in Richtung privat-gemeinnützige Spitäler reformiert wird. Im Gegenteil, die Ordensspitäler werden mancherorts regelrecht ausgehungert.

Eine sinnvolle Spitalsreform sollte daher die Angebotsvielfalt für die Patienten erhalten, ja verstärken und eine faire Gleichbehandlung der Ordensspitäler beinhalten. Ein Modell für eine solche Reform liegt vor, inklusive einer Spitalsfinanzierung aus einer Hand.

Die Ordensspitäler wollen keine Privilegien haben, aber eine Wertschätzung und eine faire finanzielle Abgeltung ihrer Leistungen, die sie gemeinnützig für unser Gemeinwesen erbringen.

V. Weilguni, Ärzte Woche 34/2012

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