zur Navigation zum Inhalt
                  © IKG
Rabb. Mag. Schlomo Hofmeister Israelitische Kultusgemeinde Wien, Gemeinderabbiner von Wien & Mohel, Beschneidungsexperte
 
Gesundheitspolitik 14. August 2012

Ideologischer Populismus

Die Diskussion um die Zirkumzision, wie sie seit beinahe 4.000 Jahren im Judentum bei allen neugeborenen Buben durchgeführt wird, beschäftigt seit Wochen unsere Gesellschaft. Seit der hellenistischen Antike wird die Beschneidung der männlichen Vorhaut immer wieder mit den gleichen Behauptungen diffamiert und die ideologisch motivierten Beschneidungsgegner, damals wie heute, sind weder modern noch die aufgeklärten Humanisten, die sie vorgeben, zu sein.

Letzte Woche haben sich, gleichwohl in diesem Sinne, drei „Experten“ zu Wort gemeldet, die sich scheinbar keines Populismus zu schade sind, um fernab jedweder Wissenschaftlichkeit ihre eigene ideologische Agenda zu demonstrieren. Der Sexualmediziner Georg Pfau stellte beispielsweise die vermessene Behauptung in den Raum, es sei „üblicherweise so, dass die Beschneidung Probleme verursacht, mit denen Erwachsene noch zu kämpfen haben“, dies beträfe insbesondere deren „sexuelle Identität“ und „Selbstwert“. Auch die Psychotherapeutin Christa Pölzlbauer äußerte sich in diese Richtung, indem sie von traumatisierenden Effekten der frühkindlichen Beschneidung sprach, die zu Kastrationsängsten führen könnten. So postuliert sie selbst, denn bei Sigmund Freud ist, entgegen ihrer Behauptung, davon nicht die Rede. Der Wiener Urologe Florian Wimpissinger bezeichnet die Beschneidung der männlichen Vorhaut ungeniert als „eine Teilamputation des männlichen Genitals“, was eine „Störung des sexuellen Empfindens“ zur Folge habe.

Derartige Aussagen sind schlichtweg unseriös und widersprechen allen von der WHO angeführten wissenschaftlichen Studien. Das von Wimpissinger erwähnte Trauma während der Zirkumzision mag bei der langwierigen medizinischen Methode durchaus zutreffen. Da die Verwendung von Instrumenten wie Gomco-, Bronstein- oder Plastibell-Klemme sowie Mikulicz und Moskito bei der traditionellen jüdischen Beschneidung jedoch sowieso verboten ist, sind all dies keine relevanten Argumente gegen die jüdische Beschneidung bei Neugeborenen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben