zur Navigation zum Inhalt
                  © Wimpissinger
Dr. Florian Wimpissinger
 
Gesundheitspolitik 14. August 2012

Beschneidung ist schmerzhaft

Die Zirkumzision beim Mann, also die Entfernung der Vorhaut (oder von Teilen davon), ist eine Operation, die nur bei medizinischer Indikation durchzuführen ist. Indikationen sind Phimose, gewisse Tumorerkrankungen oder Condylomata accuminata des Präputiums. In der Diskussion um prophylaktische Aspekte einer Zirkumzision ergibt sich derzeit lediglich in HIV-Hochrisikogebieten ein Vorteil durch Reduktion des Ansteckungsrisikos - gemeinsam mit anderen Maßnahmen. Ohne medizinische Indikation muss die Zirkumzision als plastisch/kosmetischer Eingriff angesehen werden.

Neben dem unmittelbaren – niedrigen – Komplikationsrisiko der Operation kommt es durch die Zirkumzision zu einer herabgesetzten Sensibilität des Penis. Weiters werden Haut und Schleimhaut entfernt, die bei Erektion beim nicht-zirkumzidierten Mann als Verschiebeschicht gegenüber der darunter liegenden Faszie des Penis fungieren. Noch Jahre später kann es zu einer Enge der Harnröhrenmündung kommen.

Unabhängig von Technik und Dauer des Eingriffes ist die Beschneidung ohne Narkose in höchstem Maße schmerzhaft. Das Argument, Säuglinge würden bei derartigen Eingriffen nichts spüren, ist absolut nicht haltbar. Während der Beschneidung Neugeborener kommt es zu massivem Ansteigen des Serum-Kortisol-Spiegels und der Herz- und Atemfrequenz – Effekte, die von Studienautoren mit der Reaktion des Körpers auf Folter verglichen wurden (Stang 1988, Benni 1993, Fleis 1995). Ein Vergleich mit dem Nägelschneiden – wie er in der aktuellen Diskussion in Österreich bereits angeführt wurde – ist daher absurd.

Da es sich bei der religiösen Zirkumzision nicht um einen medizinisch motivierten Eingriff handelt, ist eine Debatte um gesundheitliche Aspekte nicht angebracht. Die Entfernung der Vorhaut (oder von Teilen davon) kann negative Konsequenzen für das spätere Leben des Mannes haben, auch wenn dies nicht überbewertet werden darf. Im Vordergrund sollte die Tatsache stehen, dass ein invasiver Eingriff an Kindern ohne Narkose durchgeführt wird.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben