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Gesundheitspolitik 17. August 2012

Religionsfeindschaft oder ernste medizinische Bedenken?

Beschneidungen an Buben aus religiösen Gründen werden auch hierzulande sehr unterschiedlich – manchmal sogar sehr ambivalent – beurteilt.

Nach Deutschland hat nun auch Österreich eine emotional geführte öffentliche Debatte über ein Verbot von Beschneidungen aus religiösen Gründen. Kirchenvertreter aller Lager zeigen in ungewohnter Eintracht keinerlei Verständnis für die aufkeimende Diskussion: Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich etwa spricht von Scheinheiligkeit und einem „Schlag gegen die Religionsfreiheit“, während die Israelitische Kultusgemeinde gar mit Anzeigen wegen Wiederbetätigung oder Gesetzesbruch droht. Dennoch ist das Thema nicht mehr vom Tisch zu kehren. Neben religiösen, ethischen und juristischen Pro- und Kontra-Argumenten werden dabei auch medizinische Risiken und mögliche psychische Folgen solcher Eingriffe thematisiert. Viele Seiten sind jetzt um Versachlichung und Entschleunigung bemüht. Bundesminister Stöger spricht von einer „aufgesetzten Diskussion“, die „nicht wichtig ist“. Die Ärztekammer verweist darauf, dass kein Arzt verpflichtet sei, eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung an Buben vorzunehmen und die Entscheidung jeder Arzt nach seinem Gewissen zu treffen habe. Indes entschied aber die Grazer Kinderklinik, religiös motivierte Beschneidungen bis zur „Klärung der rechtlichen und ethischen Aspekte“ bzw. der Festlegung von österreichweit einheitlichen Regelungen nicht mehr durchzuführen. Einen Kommentar zu ihrem Beschluss wollte die Klinik allerdings vorerst nicht abgeben.

 Wimpissinger Hofmeister_   vavrik

von links nach rechts

Standpunkt 1
Beschneidung ist schmerzhaft
"Das Argument, Säuglinge würden bei derartigen Eingriffen nichts spüren, ist absolut nicht halbar."
Dr. Florian Wimpissinger
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Standpunkt 2
Ideologischer Populismus
"Kritik ist schlichtweg unseriös und widerspricht allen von der WHO angeführten wissenschaftlichen Studien".
Rabb. Mag. Schlomo Hofmeister Israelitische Kultusgemeinde Wien, Gemeinderabbiner von Wien & Mohel, Beschneidungsexperte
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Standpunkt 3
Kinderschutzdiskussion

"Ich wünsche mir eine sachliche Wertediskussion, in der die Persönlichkeitsrechte der Kinder anerkannt werden".
Dr. Klaus Vavrik
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