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Markus S. beim Schreibtraining im Rahmen der Ergotherapie.
 
Gesundheitspolitik 10. August 2012

Ergo Austria kritisiert Einsparungen auf dem Rücken der Patienten

Abgelehnt. Nicht immer wird von den Krankenkassen eine kontinuierliche ergotherapeutische Behandlung bewillligt, wie ein aktueller Fall dokumentiert.

Vor allem Patienten, die längerfristige Therapie benötigen, unterliegen – trotz ärztlicher Verordnung und medizinischer Notwendigkeit – oftmals der Willkür der Kassen und derer Sparmaßnahmen und ökonomischer Restriktionen. Die ersten ein, zwei Verordnungen werden häufig bewilligt, die notwendige weiterführende Ergotherapie jedoch nur mit Zittern und Glück oder gleich gar nicht mehr. Patienten stehen dann vor der Wahl, die Therapie entweder vollständig selbst zu bezahlen oder abzubrechen.



Bangen um Zuschuss

 „Patienten müssen auch bei Langzeittherapien von einem aufs andere Mal um die Bewilligung ihrer Therapie ansuchen und um deren Genehmigung zittern“, schildert Marion Hackl, Präsidentin des Verbandes der ErgotherapeutInnen Österreichs, einen ihr vertrauten Fall: Markus S., 50-jähriger Familienvater erlitt im Jänner 2009 einen Schlaganfall. Dieser führte zu einer beidseitigen Beeinträchtigung der Arme und Beine. Seitdem ist Markus S. auf eine 24-Stunden-Betreuung durch seine Gattin und auf die finanzielle Unterstützung für Ergotherapie und Physiotherapie angewiesen. Doch trotz der starken Beeinträchtigung muss Patient S. jedes Mal aufs Neue um Bewilligung ansuchen und um die Genehmigung des Kostenzuschusses für seine Therapie bangen. Dass ergotherapeutische Behandlung für Markus S. jedoch unumgänglich ist, zeigen vor allem die Ziele der Therapie: Es geht darum, die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung des Patienten zu erhöhen und damit gleichzeitig die Familie zu entlasten. Durch gezielte Übungen soll S. wieder selbstständig die Toilette benützen können und u.a. die Benutzung von Besteck als auch das Schreiben mit Greifhilfen trainieren.

Bewilligung abgelehnt


 „Und wie kann es sein, dass einem Alzheimer-Patienten nach der Bewilligung von zwei Zehnerblöcken Ergotherapie eine weitere Bewilligung eines Kostenzuschusses abgelehnt wird, mit dem Hinweis das Kontingent wäre für heuer ausgeschöpft“, erzählt Marion Hackl fassungslos, „und das ist leider kein Einzelbeispiel!“ „Dabei zeigt kontinuierliche Ergotherapie bei der Behandlung von Alzheimer-Patienten nachweislich positive Auswirkungen“, unterstreicht Hackl die Bedeutung der Therapie. „In diesem Fall würde das bedeuten, dass die Therapie für ein halbes Jahr ausgesetzt werden müsste, was absolut nicht sinnvoll ist!“

Therapie durchgängig gestalten

Bei Krankheitsbildern im neurologischen Bereich, wie Schädel-Hirn-Trauma, Parkinson, Alzheimer und anderen, handelt es sich in der Regel um Langzeitbehandlungen. Hier brauchen die Patienten Zeit und Ausdauer, um Fähigkeiten wieder zu erlangen und den Alltag in bestmöglicher Form zu bewältigen. Verbesserungen, auch nur kleine Schritte, stellen sich oft erst nach längerer Zeit ein. Aber bereits kleine Erfolge bewirken im Alltag der Patienten Großes – und einen enormen Zuwachs an Lebensqualität und Selbstständigkeit.

PA Ergo Austria, springermedizin.at

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