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Gesundheitspolitik 1. August 2012

Beschneidung: Zu kurz gekommene Fakten

Eine Gruppe von Medizinern und Psychologen hat am Mittwoch über angeblich zu kurz gekommene Fakten in der aktuellen Diskussion über religiösmotivierte Beschneidung von Männern referiert. So warnte etwa der Urologe Florian Wimpissinger in einer Pressekonferenz am Mittwoch vor Langzeitfolgen für das männliche Selbstwertgefühl. Auch Traumata und Störungen des sexuellen Empfindens könnten auftreten.

Bei der Beschneidung werde "hochsensibles Gewebe" entfernt und damit auch die Sexualität "beschnitten", argumentieren die Gegner. Die Vorhaut sei der empfindlichste Teil der männlichen Sexualorgane. Dass an Babys und Kindern heute noch Beschneidung ohne Anästhesie praktiziert wird, sei schlicht "inakzeptabel". Wimpissinger sprach von einem "massiven Eingriff", der zu sexuellen Langzeitfolgen führen könne. Beschneidungen aus nicht medizinischen Gründen sind für den Experten gleichzusetzen mit plastisch-chirurgischen Eingriffen.

"Es ist üblicherweise so, dass die Beschneidung Probleme verursacht hat, mit denen Erwachsene noch zu kämpfen haben", ist auch der Sexualmediziner Georg Pfau der Meinung. Dabei gehe es vor allem um sexuelle Identität und Selbstwert. Für den Experten gelten die Argumente der besseren Hygiene und der Krebsprävention nicht. Diese dürfe nur bei nicht anders therapierbaren Krankheiten angewendet werden: "Zuerst die Diagnose und dann die Therapie, alles andere ist für uns Ärzte nicht möglich."

Die Psychotherapeutin Christa Pölzlbauer ging auf mögliche traumatisierende Effekte ein: So könne Beschneidung in der frühen Kindheit etwa zu Kastrationsangst führen, argumentierte sie mit der Psychoanalyse. Langzeitwirkungen wie diese würden nicht nur aus religiösen, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen selten thematisiert.

Der Kinderarzt und Jugendpsychiater Klaus Vavrik argumentierte mit der UN-Kinderrechtskonvention. Bei allen Maßnahmen müsste das Kindeswohl im Vordergrund stehen, besage diese. Rechtlich geklärt werden müsse nun, wo die Grenze zur Körperverletzung beginnt.

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