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Foto: Stephan Wyckoff, Kunsthalle Wien, 2009
Thomas Ruff: Der Meister vor Werken aus seinem Cassini-Zyklus.
Foto: VBK, Wien 2009

Gerade im Banalen und Alltäglichen kann der besondere Reiz liegen. Das zeigt Thomas Ruff mit seiner Serie von gewöhnlichen Bauten.

 
Gesundheitspolitik 3. Juni 2009

Vielfalt und extensive Experimentierfreude

Wiener Kunsthalle: Ausstellung „Oberflächen, Tiefen“.

Erfolgreich und bescheiden, so ist Thomas Ruff. Und in der künstlerischen Arbeit immer auf der Suche nach neuen Themen. Die Kunsthalle Wien widmet dem Düsseldorfer Fotokünstler derzeit eine Werkschau.

 

Eine Zeitlang fotografierte er Gebäude, die gerade durch ihre Durchschnittlichkeit und Banalität imponieren. Dann machte er großformatige Porträts von Menschen, die ostentativ emotionslos und unbeteiligt in die Kamera blicken. Und seine jüngste Fotoserie zeigt den Saturn und seine Monde, in diesem Fall hat er von der Cassini-Raumsonde aufgenommene Bilder weiter bearbeitet. Immer wieder etwas Neues und Anderes. Das ist charakteristisch für die Arbeit des Düsseldorfer Fotokünstlers Thomas Ruff, den die Kunsthalle Wien im Augenblick mit der Ausstellung „Oberflächen, Tiefen“ würdigt, im Rahmen der Veranstaltung „Sommer der Fotografie“.

Immer wieder neue Themen

Man kann diese Vielfalt und extensive Experimentierfreude negativ sehen. Der Künstler findet nicht zu einem unverwechselbaren Stil! Man kann sie aber auch positiv sehen: Ruff bleibt nie stehen, ist neugierig und widmet sich immer wieder neuen Themen.

Eine der wenigen Konstanten im Schaffen des 51-jährigen Künstlers ist sein Erfolg. Er gehört wie Andreas Gursky, Thomas Struth und Candida Höfer zu den „Becher-Schülern“, die den Durchbruch in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts schafften. Nicht zuletzt besitzt auch unser Bundeskanzler, Werner Faymann, „einen Ruff“.

Wer in allen bedeutenden Museen der Welt vertreten ist und ein imposantes Atelier sein Eigen nennt, der kann leicht in andere Sphären abheben. Doch Ruff ist am Boden geblieben, ein überaus bescheidener Mensch. Ja, der Erfolg, erzählt er, da hätte auch viel Glück mit hineingespielt. Er sei quasi zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen: Die Leute hatten sich satt gesehen an der wilden Malerei, die Ende des vorigen Jahrhunderts in Mode war. Und plötzlich zeigten sie, in einer Art Gegenreaktion, Interesse an der Fotografie.

Ob er auch die Angst kenne, plötzlich einmal nicht mehr gefragt zu sein? Nein, antwortet er, dieses Leben kenne er ja. Viele Jahre musste er mit wenig Geld auskommen. „Ich arbeite nicht auf einen bestimmten Markt hin. Ich mache die Sachen, die mich interessieren. Ich führe ein ganz normales Leben, lese Zeitung, gehe spazieren – und plötzlich kommen die Themen gleichsam über mich, die ich bearbeiten möchte.“ Und mit diesen Themen trifft er offenbar immer wieder punktgenau den Nerv der Zeit.

 

Kunsthalle Wien: Ausstellung Thomas Ruff „Oberflächen, Tiefen“,
Museumsplatz 1, 1070 Wien, bis 13. September 2009,
www.kunsthallewien.at

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 23 /2009

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