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Gesundheitspolitik 3. Juni 2009

Die Macht gerecht verteilen

Bei einem aktuellen Vergleich der Patientenfreundlichkeit der Gesundheitssysteme von 31 europäischen Staaten nimmt das heimische gerade einmal den zehnten Rang ein.

Ärztefunktionäre wurden im Vorjahr nicht müde, das „beste Gesundheitssystem der Welt“ in der Öffentlichkeit zu preisen. Der Ende März veröffentlichte Bericht „Empowerment of the European Patient“, der die Stellung der Patienten innerhalb der verschiedenen Gesundheitssysteme Europas unter die Lupe nimmt, zeigt nun jedoch deutliche Schwächen auf. Der Bericht des europäischen Beratungs- und Analyseunternehmens Health Consumer Powerhouse (HCP) in Brüssel rät der Gesundheitspolitik Österreichs, einen Katalog mit Qualitätsrankings zu veröffentlichen, um den Patienten eine qualifizierte Wahl zu ermöglichen.

 

Österreich reiht sich noch hinter Slowenien, Ungarn, Norwegen und Frankreich und vor der Slowakei, Estland, Belgien und Litauen ein. Führend ist das System in Dänemark, das Nachbarland Deutschland liegt an zweiter Stelle und Platz drei nimmt die Schweiz ein. Beurteilt wurde die Patientenfreundlichkeit aufgrund von offiziell zugänglichen Daten der WHO und der OECD sowie von wissenschaftlichen Quellen und europaweiten Umfragen. Die untersuchten Kategorien: „Patientenrechte“, „Information“, „Bewertung von Therapieverfahren“ und „finanzielle Anreize“.

Der Report macht klar, dass europäische Länder sich noch stärker für die Patienten einsetzen müssen, um ihnen eine qualitätsvolle Wahl zu ermöglichen. Was bedeutet „Empowerment“ in diesem Zusammenhang? Empowerment, sagen die Forscher von HCP, ergibt sich aus finanziellen Anreizen wie Zuzahlungen sowie freier Arzt- und Spitalswahl. Jedes Land sollte einen entsprechenden Katalog mit einem Qualitätsranking haben, weil ein Ranking den Patienten die Möglichkeit gibt, aktive Partner im Gesundheitssystem zu sein.

Jedes Land, so die Ergebnisse des Reports, habe spezielle Stärken – kein Land konnte in allen Kategorien voll punkten. Die Schweiz billigt ihren Patienten die meisten Rechte im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung zu. Dänemark hat die bestinformierten Patienten über das Versorgungsangebot und besticht bei der transparenten Bewertung neuer Therapien. Deutschlands Plus liegt in der freien Arztwahl und den geringen Wartezeiten.

Deutschsprachigkeit, rätseln die Autoren, scheint gut für die Patientenmacht zu sein. Denn Österreich, Deutschland und die Schweiz gelten typischerweise als Konsumenten-Paradiese für Gesundheitsangebote, denn alle Einwohner sind grundsätzlich frei, jederzeit und überall ein Gesundheitsangebot in Anspruch zu nehmen. Noch dazu ohne allzu lange Wartezeiten.

Echtes „Empowerment“ von Patienten gelingt aber nur, wenn Patienten nicht nur die freie Wahl haben, sondern wenn sie auch Zugang zu guten Informationen haben, um als mündige Patienten „informierte Entscheidungen“ treffen zu können (siehe Grafik). Aber unabhängige Informationsquellen, etwa über Arzneimittel, stehen im deutschsprachigen Raum vornehmlich Ärzten und Apothekern zu Verfügung, nicht aber den Patienten. In diesem Bereich sei der Fortschritt sehr langsam. HCP legt daher den österreichischen Verantwortlichen nahe, für eine Veröffentlichung von Qualitätsdaten in Form eines Rankings zu sorgen.

Transparenz ist gefragt

Nur in einem Drittel der untersuchten 31 Länder gibt es Anzeichen, dass Patienten entsprechende Qualitäts-Rankings zur Verfügung gestellt werden. Der Report moniert auch, dass die föderalen Strukturen von Österreich, aber auch von Deutschland und der Schweiz nicht sehr förderlich dafür sind, dass die Gesundheitsdaten für alle einsehbar sind.

Freilich, die Datenlage in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Die Untersuchung könne also nur als Versuch gewertet werden, die Patientenfreundlichkeit zu messen und einen Ländervergleich anzustellen, so die HCP selbstkritisch.

www.healthpowerhouse.com

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 23 /2009

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