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Foto: Privat
Dr. Michael Wendler, Allgemeinmediziner mit Lehrpraxis in Graz
 
Gesundheitspolitik 3. Juni 2009

Die derzeitige Lehrpraxis agiert weit weg von allen Standards.

Turnusärzte, für die unter den derzeit bestehenden ungünstigen Bedingungen ein Gang in die Lehrpraxis finanziell nicht erschwinglich ist, können die sechs Monate allgemeinmedizinischer Turnus durch Länger-Verpflichtung an einer chirurgischen oder internen Abteilung absolvieren.

Dafür bekommen sie sogar ein Rasterzeugnis für Allgemeinmedizin, das um mehr als eine Seite kürzer ist als jenes, das ich meinen Turnusärzten ausstelle. Denn es fehlen wesentliche Punkte der biopsychosozialen Vorgangsweise unseres Faches, wie z. B. Hausbesuch, Familienberatung und Krisenintervention, Kooperation mit ambulanten Versorgern am Krankenbett, aber auch Praxisführung und Ordinationsmanagement. Oft sind die von den Universitäten gebotenen Pflichtpraktika der letzte Kontakt mit dem künftigen Berufsfeld.

Klar gesagt werden muss aber auch: Unter den jetzigen Rahmenbedingungen ist eine praxisnahe Ausbildung in der Lehrpraxis eigentlich unmöglich, und wir bewegen uns forensisch und kassenrechtlich ständig in einer absichtlich nie bereinigten Grauzone. Es gibt keine verpflichtende Weiterbildung für Lehrpraxisleiter oder pädagogische Qualitätskriterien. Die aktuellen Lehrmethoden sind oft weit weg von internationalen Standards.

Was jetzt schon dringend nötig und machbar wäre, sind strengere Richtlinien für die Anerkennung von Lehrambulanzen. Niedergelassene Allgemeinärzte sollten die Kollegen im Turnus supervidieren, Fortbildungen bieten und vor allem auch in den Praxisalltag mitnehmen. Weiters sollte in der Lehrambulanz verpflichtend die entsprechende Literatur zur Allgemeinmedizin zu finden sein.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
„Lehrpraxis Neu“ für Jungärzte

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 23 /2009

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