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Gesundheitspolitik 14. Juli 2012

Vorgetäuschte Krankenstände sind kein Kavaliersdelikt

Wirtschaftskammer begrüßt Vorstoß der NÖ Ärztekammer und will zum Dialog über Eindämmung missbräuchlicher Krankenstände einladen.

„Der Vorstoß der Niederösterreichischen Ärztekammer zu Krankschreibungen zeigt, wie dringend hier Handlungsbedarf gegeben ist“, begrüßt Martin Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit, die Aussagen von NÖ Ärztekammer-Präsident Christoph Reisner und Kurienobmann Dietmar Baumgartner. Sie schlagen vor, Krankschreibungen von den Sozialversicherungen abwickeln zu lassen, um die niedergelassenen Ärzte zu entlasten. Der Arzt des Vertrauens stelle die Diagnose und lege den Behandlungsplan fest, der Chefarzt entscheide in Abhängigkeit von der beruflichen Tätigkeit des Patienten über dessen Arbeitsfähigkeit.

948 Schadensfälle

Gleitsmann dazu: „Mit dieser Maßnahme könnte man einen wichtigen Beitrag leisten, um Leistungsmissbrauch zu verhindern und gleichzeitig noch den Verwaltungsaufwand zu senken. Vorgetäuschte Krankenstände sind kein Kavaliersdelikt. Sie können strafrechtliche, arbeitsrechtliche und schadenersatzrechtliche Folgen haben."

Allein die WGKK ging im vergangenen Jahr 1.465 Verdachtsfällen nach. Bei 948 Fällen handelte es sich tatsächlich um eine Schädigung. 427 davon betrafen Versicherte, in 521 Fällen wurde der Schaden durch Vertragspartner (Ärzte) verursacht. Die gesamte Schadenssumme für Wien belief sich auf 684.139, 85 Euro.

Lösungsansätze

„Bereits jetzt werden Bewilligungen für Medikamente oder spezielle Untersuchungen von Chefärzten der Gebietskrankenkassen ohne Patientenkontakt administriert. Auch aus der Sicht des Präsidenten der Niederösterreichischen Ärztekammer bedeutet dieser Vorschlag keinerlei Benachteiligung für die Patienten. Unter dieser Vorgabe ist dieser Lösungsansatz aus unserer Sicht grundsätzlich zu begrüßen. Die Wirtschaft ist jederzeit bereit, konstruktive Ansätze weiter zu denken und zu diskutieren, um so eine Lösung zu finden, die im Sinne aller Beteiligten ist“, betont Gleitsmann.

Wichtige Lösungsansätze wie die Einführung eines telemedizinschen Konsultationszentrum sowie eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Ordinationen müssten ebenfalls angedacht werden. „Dies wäre auch ein wichtiger Ansatz und erster Schritt für die Einführung einer stufenweisen Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess wie zum Beispiel durch Teilkrankenstand“, so Gleitsmann.

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