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Christoph Reisner, Wudy

Max Wudy

Max Wudy

 
Gesundheitspolitik 13. Juli 2012

Versorgung in NÖ ist gut aufgestellt

Lediglich die Vorgaben der Politiker verhindern eine noch bessere ambulante Versorgung durch ordinationsführende Ärzte, meint Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer.

 

Mit Verwunderung reagierte Reisner auf die Aussagen von Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka, wonach die ambulante Versorgung im Bereich der niedergelassenen Ärzte „nicht da“ wäre: „Unsere etwa 3.200 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich haben in ihren Ordinationen pro Jahr geschätzte 18 Millionen Patientenkontakte. Im Vergleich dazu sind die kolportierten 1.000.000 Ambulanzbesuche pro Jahr eine Kleinigkeit, das macht gerade einmal etwas mehr als fünf Prozent des Gesamtvolumens an nicht-stationären Behandlungen aus. In diesem Zusammenhang von fehlender Versorgung im niedergelassenen Bereich zu sprechen zeugt von Ignoranz und Unwissen", so der Ärztekammerpräsident.

Probleme sind finanzieller Natur

Dass die Zahl der ambulanten Patienten in den Spitälern überproportional angestiegen ist, ist für den stellvertretenden Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Dr. Max Wudy sogar logisch: „Dazu muss man nur eins und eins zusammenzählen können: Die Menschen werden älter, die Krankheiten werden immer besser behandelbar. Die notwendige Anzahl der Arztbesuche steigt an.“ Lediglich die Politiker, zu denen auch Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Sobotka gehört, verhindern aus seiner Sicht den dringend notwendigen Ausbau des niedergelassenen Bereichs. „Die Kassenstellen stagnieren, ärztliche Kooperationsmodelle werden blockiert. Alles nur deshalb, weil den Kassen immer wieder der Geldhahn weiter abgedreht wird, beispielsweise durch die Verpflichtung zu ‚kassenfremden‘ Leistungen", so Wudy weiter.

Für echte Reform braucht es nur Sachverstand

„Sämtliche Gesundheitsökonomen dieser Welt predigen seit Jahrzehnten, dass eine vernünftige Basisversorgung durch freiberufliche niedergelassene Ärzte die Basis für ein gut funktionierendes und trotzdem finanzierbares Gesundheitssystem ist. Trotzdem stellen die Politiker die Weichen ins Gegenteil und treiben die Menschen in die Spitalsambulanz, geradezu als wäre es ihr Geld. Dabei wäre die Lösung dieser Probleme eigentlich sehr einfach“,erläutert Wudy.

Für eine vernünftige Gesundheitsreform braucht es aus seiner Sicht nicht viel. „Wir brauchen keinen großartigen Umbau, keine sündteure und medizinisch unbrauchbare ELGA und auch keine wie vom Landeshauptmann-Stellvertreter geforderten ‚Fachärztezentren‘, die womöglich noch vom Land betrieben werden. Wir brauchen lediglich Steuerungsmechanismen, die dafür sorgen, dass die Patientinnen und Patienten den richtigen Weg in der bereits vorhandenen hervorragenden medizinischen Infrastruktur in Österreich finden.“

Dazu bedarf es aus Sicht Reisners allerdings an Politikern, die neben Mut und Weitsicht auch ein Mindestmaß an medizinischem und ökonomischem Sachverstand mitbringen. „Mit der Steuerung aus einer Hand kann ich mich anfreunden. Diese ließe sich problemlos einführen, auch ohne Gesundheitsreform. Es müsste die richtige Hand sein, und daran zweifle ich leider. Eine vernünftige Lösung wird wieder einmal am nicht vorhandenen ehrlichen Willen der Politiker scheitern. Sowie an der Machtverteilung zwischen Bund, Ländern und Kassen", so das traurige Resümee Reisners.

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